Mit 40 hat man noch Träume. Tischtennis / Herren gesetzteren Alters: Chen Weixing und Werner Schlager fahren im Mai zur WM nach Paris – wo Schlager mit dem Weltmeister-Titel vor genau zehn Jahren seinen größten Erfolg gefeiert hat.

Erstellt am 17. März 2013 (16:08)
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Von Peter Gruber

Als gesetzter Sport-Pensionist den Ruhestand genießen? Das mag ja ganz nett sein, Chen Weixing und Werner Schlager überlassen es aber lieber anderen. Auch mit 40 haben sie Träume an der Platte – wenn auch etwas relativierte. Und auch mit 40 zählen sie zum Besten, was Österreichs Tischtennis zu bieten hat. Vergangene Woche nominierte der Verband die beiden neben Robert Gardos, Daniel Habesohn und Stefan Fegerl für die WM in Paris-Bercy Mitte Mai.

Logisch – zumindest im Falle von Chen Weixing. Österreichs Nummer eins tourt scheinbar unermüdlich durch die Welt. Vergangenes Wochenende zum Euro-Asia-Cup im chinesischen Qiangdao, Ende März spielt der Austro-Chinese beim World Team Classic in Guangzhou.

Überraschend im Falle von Schlager – zumindest etwas. Seit seinem Zweitrundenaus in Herning (Dänemark) im Oktober hat der Wiener Neustädter kein Turnier mehr gespielt, zuletzt rutschte er im Ranking auf 50 ab. „Es hatte körperliche Gründe, dass ich nicht in der Lage war, meinen Standard zu halten“, erklärt Schlager. Jetzt sei er fit genug, Anfang März hat er mit dem Training begonnen. „Ich fühle mich imstande, eine belastende Vorbereitung zu absolvieren. Die ist natürlich Voraussetzung für eine gewisse Leistungsfähigkeit.“

In den Medien kam der Name Schlager zuletzt öfter in Zusammenhang mit den politischen und juristischen Querelen um das Multiversum in Schwechat vor als in Sportlichem. Die Werner Schlager Academy ist Dritteleigentümer der Veranstaltungshalle. War das laute Polit-Hickhack der Grund, dass es sportlich leiser um Schlager wurde? „Ich will nicht ins Detail gehen, welche Gründe es hatte. Jetzt ist es jedenfalls wieder realistisch, dass ich konkurrenzfähig sein werde“, wehrt Schlager ab.

Paris-Bercy: Der WM-Ort ist die Stätte von Schlagers größtem Erfolg: 2003 wurde er dort als bislang letzter Nicht-Chinese Weltmeister. Er war Nummer eins im Ranking, erhielt das Goldene Ehrenzeichen der Republik, eine eigene Briefmarke – trotzdem ist die Erinnerung an den Triumphzug kein Grund für die WM-Teilnahme. „Paris ist natürlich etwas Besonderes, es wird auch sicher ein emotionaler Moment, hatte aber auf die Entscheidung keinen Einfluss“, so Schlager. Er schwelgt nicht in Erinnerungen, phantasiert nicht von einer Wiederholung des Erfolgs: „Fakt ist: Ich kann es. Fakt ist: Es macht mir mächtig Spaß. Und wenn ich eine ordentliche Leistung bringe, bin ich zufrieden.“

Und das Alter? „Jeder Leistungssportler ab 35 erfährt erste Reihe fußfrei, dass es nicht mehr so geht wie früher“, meint Schlager. Schon vor Jahren habe er sein Trainingspensum reduziert, achtet besonders auf Effizienz – und profitiert von Erfahrung und Wissen: „Deshalb fühle ich mich auch mit 40 in der Lage, mit wenig Aufwand auf hohem Niveau zu spielen.“