Erstellt am 09. März 2015, 06:35

von Wolfgang Wallner

Wenn Sterne viel zu früh verglühen. Beach-Girls Teresa und Nadine Strauss trennen sich am Sprung zu den Profis. Eine Analyse.

Beach-Girls Teresa und Nadine Strauss trennen sich am Sprung zu den Profis.  |  NOEN, CEV

Sie waren Vize-Europameisterinnen im U20-Beachvolleyballzirkus, am Weg nach oben. Doch fünf Monate nach dem größten Erfolg – Silber in Cesenatico (Italien) – gibt’s Niederösterreichs viel versprechendstes Beach-Duo nicht mehr. Die Leobersdorferinnen Teresa und Nadine Strauss gaben vor dem Saisonstart ihre Trennung bekannt – die Badener NÖN hatte berichtet:

„Ich hab’ jetzt andere Prioritäten, werde mich auf mein Studium konzentrieren“, erklärt die 19-jährige Teresa Strauss. Ob ihre Schwester mit neuer Partnerin weitermachen wird, ist noch offen. Österreichs Volleyball-Guru Peter Kleinmann bedauert den Schritt: „Schade um dieses hochtalentierte Duo!“

Lienhart kennt die Kehrseite der Medaille

Dass im Juniorenbereich hoch dekorierte Athleten am Sprung zu den Profis aufgeben, ist kein Einzelfall. Und auch nicht auf den Beachvolleyballsport beschränkt. Das kann der Mödlinger Viktor Lienhart bestätigen.

Mit seinem Förderverein „1st Mile“ begleitet er nicht nur junge Sportler auf ihrem Weg ins Profigeschäft. Er kennt auch die Kehrseite der Medaille als Vater des Nachwuchstriathleten Benjamin Lienhart, der in der Südstadt trainiert. „Dass viel versprechende Sportler das Handtuch werfen, habe ich schon oft erlebt“, erinnert sich Lienhart.

In dieser Situation spielen sowohl mentale als auch wirtschaftliche Komponenten eine Rolle. „Perspektivlosigkeit“ nennt der Mödlinger als Motiv: „Wenn du als junger Sportler nicht erklären kannst, wozu du dich eigentlich quälst, hast du ein Problem.“

Wenn Sportler zur Marke werden müssen

Zum anderen scheinen Nachwuchsszene und Profigeschäft „getrennte Welten“ zu sein, weiß Lienhart. Mit 18, 19 Jahren stelle sich für die Sportler die Frage: „Wie soll ich jemals davon leben können?“ Dass Profisport auch abseits von Spielfeld und Trainingsstätte professionelles Verhalten erfordert, werde vielen erst spät bewusst.

„Weil das in Österreich keiner lernt, dass auch die Vermarktung dazu gehört“, kritisiert Lienhart, „welche Sponsoren kann ich ansprechen, was kann ich ihnen bieten?“ Fragen, die hierzulande oft unbeantwortet bleiben. „Im Vergleich etwa zu Skandinavien ist Österreich ein Entwicklungsland im Jugendsport“, findet der Mödlinger.

„Wenn du als junger Sportler nicht erklären kannst,
wozu du dir das eigentlich antust,
dann hast du ein Problem.“
Viktor Lienhart

Nun hat also Beachhoffnung Tessa Strauss die Reißleine gezogen: „Ich war einfach nicht mehr bereit, den Sport im bisherigen Ausmaß zu betreiben!“ Österreichs Top-Beachvolleyballerin Stefanie Schwaiger betont „die genauen Hintergründe nicht zu kennen“.

Im direkten Duell hätten die Strauss-Zwillinge „gut mitgehalten“. Ob die Entscheidung aufzuhören, verfrüht war, kann Schwaiger nicht beurteilen: „Ob es für eine erfolgreiche Karriere auf der World Tour gereicht hätte, kann man in diesem Alter noch nicht sagen.“

Vermehrte Probleme, den Nachwuchs in den Profibereich zu bringen, sieht Spielergewerkschafter Gernot Zirngast auf die Fußballszene zukommen: „Die Vereine wollen das noch nicht wahrhaben, aber der Trend ist klar. Und auch logisch!“ Der Klosterneuburger verweist auf die Sky Go Erste Liga, wo rund zwei Drittel der Spieler unter 2.500 Euro brutto verdienen. „Davon kann keiner für die Zeit nach der Karriere vorsorgen“, kritisiert Zirngast.

Zirngast: „Eine Liga zu viel im Profibereich“

„Durch ein Mascherl wird keine Liga professionell“, poltert der ehemalige Bundesliga-Kicker. Österreich vertrage keine zwei Profi-Ligen. „Das zeigt ein Blick nach Deutschland!“ Dort gibt’s bei 80 Millionen Einwohnern 60 Profiklubs, in Österreich bei acht Millionen 20.

„Besser wär’s, die zweite Liga auf Halb-Profitum umzustellen und den Spielern neben dem Fußball eine Ausbildung zu ermöglichen.“ Sonst, so fürchtet Zirngast, könnte es bei den Kickern ein böses Erwachen geben.