ÖFB-Team mit breiter Brust. Schwere Vorwürfe / BorgL-Direktorin Gabriele Schletz prangert Missstände in der Kicker-Schmiede an. ÖFB schaltet sich ein.

Erstellt am 24. März 2013 (15:42)
Von Bernhard Schiesser und Claus Stumpfer

In der Fußball-Akademie St. Pölten gingen zuletzt die Wogen hoch. Entnervte Eltern gingen mit schweren Vorwürfen, die Zustände in der Kicker-Schmiede betreffend, an die Öffentlichkeit (Anm. die NÖN berichtete). Jetzt legt auch Gabriele Schletz, Direktorin des BORG für Leistungssportler – der Partnerschule der Akademie – nach. „Praktisch wöchentlich gibt es Fälle von Mobbing und andere pädagogische Exzesse. Die Hitlersager von Herrn Masztaler (Anm. Sportlicher Leiter der AKA) sind ja geradezu legendär, das reicht ja oft schon an Wiederbetätigung heran“, so Schletz, die Bohdan Masztaler in der Schule Hausverbot erteilte. Der 63-Jährige setzt sich zur Wehr: „Mobbing ist Auslegungssache und beim ’Hitlersager’ ist ein Schmäh in die Hose gegangen. Mit Nazis habe ich nichts am Hut. Als Pole darf man mir das ruhig glauben.“

Geführt und finanziert wird die AKA St. Pölten vom NÖ Fußballverband. Präsident Ludwig Binder kann mit den erhobenen Vorwürfen nichts anfangen: „Diese Sachen liegen alle Jahre zurück und sind Schnee von gestern. Das wurde damals alles aufgearbeitet.“

Mit dem Sportlichen Leiter Bohdan Masztaler und dem Strategischen Leiter Franz Wurzer sind die handelnden Personen in der AKA St. Pölten aber nach wie vor die gleichen. „Na und! Diese alten Geschichten interessieren doch niemanden mehr, und Neues war für mich nichts Aufregendes dabei“, so Binder.

Auf Interesse stoßen die Vorfälle allerdings beim Österreichischen Fußballbund und dem Land NÖ.

Der ÖFB ist Lizenzgeber für die Akademien, ergo auch für die in St. Pölten. Zuständig ist der Technische Direktor Willibald Ruttensteiner, der eine Stellungnahme vom NÖFV einfordert: „Wo es Anschuldigungen gibt, wird fundiert und sachlich geprüft.“ Mögliche Konsequenzen? „Das geht bis zum Lizenzentzug. Damit wäre aber wirklich niemandem geholfen“, umreißt ÖFB-Medien-Direktor Wolfgang Gramann. Sportlandesrätin Petra Bohuslav hält sich noch zurück: „ÖFB und NÖFV sollen die Vorwürfe aufarbeiten. Ich erwarte entsprechende Reaktionen. Ich nehme die Sorgen der Eltern sehr ernst.“

Im NÖFV tagt am Dienstag das Präsidium. „Was da passiert, weiß ich nicht. Mich frustriert das alles sehr. Der Karren ist total verfahren“, so Ludwig Binder.