ÖTV-Ass Thiem im US-Open-Achtelfinale. Der Niederösterreicher Dominic Thiem steht im Achtelfinale der US Open und hat damit den bisher größten Erfolg seiner Tennis-Karriere erreicht.

Erstellt am 01. September 2014 (05:31)

Der 20-Jährige besiegte am Sonntag (Ortstzeit) in der dritten Runde des New Yorker Grand-Slam-Turniers den als Nummer 19 eingestuft gewesenen Spanier Feliciano Lopez glatt 6:4,6:2,6:3 und trifft nun auf den als Nummer sechs eingestuften Tomas Berdych. Der Tscheche besiegte den Russen Teimuras Gabaschwili ähnlich deutlich 6:3,6:2,6:4. Der Weltranglisten-Siebente trifft erstmals auf Österreichs Nummer eins.

Regenunterbrechung im ersten Satz

Thiems Partie wurde bei 3:3 wegen Regens für rund zweieinhalb Stunden unterbrochen, nachdem der Lichtenwörther ein 1:3 aufgeholt hatte. Sofort nach Wiederaufnahme der Partie wehrte Thiem vier Breakbälle ab, wenig später gelang ihm seinerseits das Break zum 6:4 und zur 1:0-Satzführung.

Thiem fand seinen Rhythmus

Im zweiten Durchgang nahm das ÖTV-Ass das Spiel immer mehr in die Hand, fand auch mit seinem Aufschlag besser in den Rhythmus. Breaks zum 2:0 und 6:2 gegen den nun fehleranfälligeren Lopez sicherten ihm die 2:0-Satzführung. Im dritten Satz gelang Thiem auf 2:2 das sofortige Rebreak, das entscheidende Break legte er zum 4:2 nach. Danach servierte Thiem nach nur 1:49 Stunden aus. Er wird damit erstmals in die Top 40 der Weltrangliste vorstoßen.

"Das ist nicht leicht gewesen", erklärte er. "Das erste Mal in eine zweite Woche bei einem Grand Slam zu kommen, dass man auf das Match serviert, das kann man nicht ausblenden." Nun agiert Thiem unter den letzten 16 dieses letzten Majors des Jahres, unter den 15 anderen sind neun aus den Top Ten der Setzliste. Die ÖTV-Hoffnung ist als einziger Ungesetzter noch im Bewerb, das sagt in dem an Überraschungen bisher armen Herren-Bewerb einiges aus.

"Es war bisher sehr solide", fand der Kitzbühel-Finalist nüchterne Worte für seine Leistungen in den bisherigen drei Runden. Dem Slowaken Lukas Lacko hatte er in Runde eins nur acht Games gelassen und damit einen "Salto Nullo" des ÖTV in Einzelrunde eins verhindert. Dann kam der Fünfsatzerfolg im emotional schwierigen Match gegen seinen lettischen Stallkollegen Ernests Gulbis. Und gegen Lopez verlor Thiemauch nur neun Spiele.

"Muss schauen, dass ich aggressiver spiele"

Jedes Match hatte er für sich betrachtet, nur von Runde zu Runde geschaut. "Aber von der ersten in die zweite Woche ist da schon so eine Mauer", erläuterte der Weltranglisten-45. im Bewusstsein, dass gegen Berdych nun auch international mehr Augen auf ihn gerichtet sein werden. Den Wunsch nach einer Ansetzung in der Dienstag-"Nightsession" deponierte Thiem noch auf dem Platz beim Siegesinterview.

Die Partie gegen Berdych wird bei plangemäßer Durchführung am Vortag seines 21. Geburtstags stattfinden. "Es ist mein letztes Match U20. Natürlich will ich auch jedes weitere Match gewinnen", zeigte er vor dem Weltranglisten-Siebenten aus Tschechien keine Scheu. "Ich muss gegen Berdych sicher anders spielen als gegen Lopez. Ich muss schauen, dass ich aggressiver spiele." Bei den French Open hatte er Berdych bei dessen Viertelfinal-Niederlage gegen Gulbis gesehen.

Berdych zeigte nach seinem 6:3,6:2,6:4-Drittrundenerfolg gegen den Russen Teimuras Gabaschwili Respekt vor dem Österreicher. "Ich freue mich auf das Match, aber er spielt wirklich gut", sagte der 28-Jährige. "Er spielt drauflos, und zwar ohne Nerven und ohne Extra-Druck." Berdych hat den schon allein wegen seines Rankings, bei den US Open hat er seine Vorjahres-Punkte hingegen schon verteidigt. 2012 war der 1,96-m-Mann mit Wohnsitz Monte Carlo bis ins Semifinale vorgedrungen.

Top 50 sind Thiem praktisch nicht mehr zu nehmen

In seinem ersten vollen Jahr auf der Tour ist die vierte Grand-Slam-Runde im "Big Apple" Thiems bisheriger Höhepunkt seiner Laufbahn. Im Plan hatte so einen Erfolg zu Jahresbeginn natürlich noch nicht. "Es ist heuer immer langsam nach oben gegangen. In Doha (Anm.: Erste Turnierwoche des Jahres) war ich noch heilfroh, dass ich mich qualifiziert habe. Dann kam Australien und dann ist es immer Schritt für Schritt bergauf gegangen."

Im virtuellen ATP-Ranking liegt Thiemerstmals in den Top 40, und zwar auf Rang 36. Schlechter wird er am Dienstag nächster Woche nicht gereiht sein. Sollte er Berdych besiegen und in das US-Open-Viertelfinale einziehen, wäre er bereits in den Top 30. Dann wäre er seinem adaptierten Saisonziel des Erreichen der Top 32 und damit der Setzliste für die Australian Open im Jänner schon sehr nahe. Schon jetzt sind Thiem die Top 50 mit Saisonende praktisch nicht mehr zu nehmen.

Im anstehenden Davis-Cup-Duell mit Lettland wird Thiem dem ÖTV-Team nicht zur Verfügung stehen. Wie der Achtelfinalist der US Open am Montag bekannt gab, benötigt er nach den Strapazen der vergangenen Wochen eine Pause. Österreich spielt vom 12. bis 14. September im Play-off der Europa-Afrika-Zone auswärts im Riga-Vorort Valmeira gegen die Balten. "Es tut mir extrem leid, aber mein Körper braucht eine Pause", erklärte der 20-Jährige. "Ich muss die zwei Wochen rund um den Davis Cup nützen, um im Herbst angreifen zu können."