Michaela Dorfmeister: "Auch Schattenseiten gehören aufgezeigt"

Erstellt am 04. Februar 2022 | 10:23
Lesezeit: 3 Min
Die zweifache Olympia-Goldmedaillengewinnerin kritisiert im Gespräch mit der NÖN den fehlenden ökologischen Aspekt bei den Olympischen Spielen in Peking.
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Am heutigen Freitag werden die Olympischen Spiele in Peking offiziell eröffnet (13 Uhr, live in ORF 1). Die Vorfreude auf die Jagd nach Gold, Silber und Bronze wird von der Pandemie getrübt. In der öffentlichen Kritik stehen aber auch die schlechte Menschenrechtslage in China, so wie das geringe Umweltbewusstsein, insbesondere beim Olympia-Sportstättenbau. "Auch die Schattenseiten gehören aufgezeigt", unterstreicht Olympiasiegerin Michaela Dorfmeister.

Wirtschaft versus Umwelt

Die Neusiedlerin (Bezirk Wr. Neustadt) startete bei drei Olympischen Spielen, gewann Gold in Abfahrt und Super G in Turin 2006, so wie Silber im Super G in Nagano 1998. Heute engagiert sich die 48-Jährige unter anderem im Vorstand des NÖ-Skiverbands. 16 Jahren nach ihren beiden Goldfahrten bereitet "Dorfi" der ökologische Faktor bei den Spielen in Peking Kopfzerbrechen: "Jeder redet über die Klimaerwärmung. China ist für die Ski-Industrie ein riesiger Markt, das verstehe ich schon", für Österreich wäre ein steigendes Ski-Interesse im Reich der Mitte ein Export-Faktor: "Die Frage ist, ob es sich dafürsteht. Wir müssen die Sünden irgendwann büßen."

Eingriffe in die Natur sind bei Olympischen Spielen nichts neues. In Sotschi 2014 oder in Pyeongchang 2018 wurden Abfahrtsstrecken Mitten in Naturschutzgebiete geschnitten. Dorfmeister fordert ein Umdenken: "Bei Olympia sollten alte Strukturen genutzt und erneuert werden. Damit sie wieder am neuesten Stand sind", nachhaltige Spiele wären das Gebot der Stunde.

Olympia, und dann?

Im Olympischen Skigebiet von 2022 kommen jährlich rund 60 Zentimeter Neuschnee zusammen. Die Schneekanonen laufen auf Hochtouren. Zumindest sollten die geschaffenen Ressourcen langfristig genutzt werden. Dorfmeister könnte sich im Weltcup-Kalender einen Asien-Block vorstellen, ähnlich wie die traditionellen Nordamerika-Rennen zu Beginn jeder Saison. Vielleicht könnte es so gelingen, dass die Chinesen nach Olympia 2022 nicht gleich wieder ganz schnell das Interesse an Ski alpin verlieren. 

Nationale Vorbilder würden ebenso helfen. Für die Heim-Spiele wollte China auch eigene Stars produzieren. Dafür wurde in den diversen Sport-Talenteschmieden des Jahres gescoutet. "Sie haben Zehn-, Elfjährige auf die Ski gestellt und geglaubt, dass die in wenigen Jahren Weltcup-Rennen gewinnen. Solche Vorstellungen haben sie", verfolgte Dorfmeister die Bemühungen aus der Ferne.

Wie Dorfmeister die Medaillenchancen der heimischen Sportler einschätzt und welche Rolle Corona ihrer Meinung spielt, lest ihr hier: