Olympia-Zweite Claudia Heill verstorben. Claudia Heill ist am Donnerstag in den frühen Morgenstunden tot aufgefunden worden. Die Polizei geht von einem Selbstmord der früheren Judokämpferin aus, die nur 29 Jahre wurde.

Erstellt am 31. März 2011 (13:15)
Abschiedsbrief liegt keiner vor, die Angehörigen können sich das alles nicht erklären, sagte eine Polizeisprecherin. Groß ist die Bestürzung auch im österreichischen Judoverband, die Wienerin ist dem Sport bis zuletzt verbunden gewesen.

Laut Auskunft der Polizei gebe es keine Anzeichen für Fremdverschulden. Die Olympia-Silbermedaillengewinnerin von Athen 2004 kam nach einem Sturz aus dem sechsten Stock ihrer Wohnung in Wien-Landstraße zu Tode. Sie wurde um 3.15 Uhr aufgefunden.

"Claudia war ein lebensfroher Mensch, der viele Visionen hatte und ihr ganzes Leben dem Sport widmete. Unser Mitgefühl gilt ihrer Familie. Österreichs Judosport hat einen schweren Verlust erlitten, der Tod von Claudia reißt eine große Lücke auf. Wir werden Claudia stets in bester Erinnerung haben", teilte Judo-Verbandspräsident Hans Paul Kutschera in einer Aussendung mit. "Ich kann es nicht glauben. Claudia war ein so lebensfroher, freundlicher Mensch. Ich werde sie vermissen", sagte Heills früherer Teamkollege Ludwig Paischer.

Österreichs Judosport trauert um eine seiner erfolgreichsten Athletinnen. Bei Olympia steht neben der Silbermedaille ein fünfter Platz 2008 in Peking zu Buche, bei Europameisterschaften eroberte sie fünf Medaillen. Bei den Erfolgen immer am Mattenrand war Heills langjähriger Trainer Hubert Rohrauer. Er findet keine Erklärung für das Geschehene: "Wir waren noch am Abend davor zusammen, niemand konnte die Kurzschlusshandlung von Claudia erahnen. Sie war eine Perfektionistin, hatte einen starken Willen."

Heill hatte ihre Karriere im Juni 2009 wegen fehlender Motivation beendet, aber auch, weil mehrere Knieoperationen eine Fortsetzung des Profisports nur schwer zugelassen hätten. Die Liebe zum Sport blieb aber erhalten. Bis Ende Februar 2011 war sie als Trainerin im Schulmodell Südstadt tätig, legte diese Funktion aber zurück, um sich ganz auf ihr Studium an der von Gunnar Prokop ins Leben gerufenen Fachhochschule für Sportwissenschaften in Wiener Neustadt zu konzentrieren.

2010 war Heill auch im Marketing des Organisationskomitees für die Heim-EM in Wien engagiert. Eine Veranstaltung, die ihr sehr am Herzen gelegen war.

"Claudia Heill war nicht nur eine große österreichische Sportlerin und damit ein Vorbild für die Jugend, ich habe sie auch als lieben und herzlichen Menschen kennengelernt", teilte Sportminister Norbert Darabos mit. "Im April wollte sie im Sportministerium ein Praktikum absolvieren. Ich kann es noch nicht fassen, dass Claudia Heill nicht mehr unter uns weilt. Unsere Anteilnahme gilt in dieser schweren Stunde ihrer Familie."


Steckbrief der ehemaligen österreichischen Judokämpferin Claudia Heill (29), die am Donnerstag verstorben ist:

Claudia HEILL
 Geboren: 24. Jänner 1982 in Wien
 Gestorben: 31. März 2011
 Größe/Gewicht: 1,76 m/65 kg
 Familienstand: ledig
 Wettkampfklasse als Aktive: bis 63 kg
 Letzter Verein: JC Shiai-Do Wr. Neudorf Thermenregion

 Berufliches:
 Besuchte seit 2008 Fachhochschule in Wiener Neustadt (Studiengang
"Training und Sport")
 War von 2009 bis Februar 2011 Trainerin im Bundessportzentrum Südstadt
 War im Marketing des Organisationskomitees für die Judo-EM 2010 in Wien

  Größte Erfolge als Sportlerin (Karriereende Juni 2009):
* Olympia: Silber Athen 2004, Fünfte Peking 2008
* WM: 5. München 2001, 7. Rio de Janeiro 2007
* EM: Silber Rotterdam 2005 und Paris 2001, Bronze Belgrad 2007,
  Düsseldorf 2003 und Marburg 2002
* Weltcup: 2 Siege
* Junioren-EM: Gold Bukarest 1998
* Militär-WM: Gold Vinkovci 2006