Sollen Fußballfans die WM in Katar boykottieren?

Erstellt am 17. November 2022 | 09:18
Lesezeit: 3 Min
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Die DSG kritisiert die Vorkommnisse rund um die Fußball-WM in Katar.
Foto: Nattawit Khomsanit/Shutterstock.com
Menschenrechtsverletzungen, tausende Tote beim Bau der Stadien, Korruption bei der Vergabe – die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar ist höchst umstritten. Die Spiele beginnen am Sonntag trotzdem.
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 Pro: Fußballfan Andreas Weißböck aus Ladendorf:

 

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Foto: privat

„Ja, ich persönlich mach‘ das zumindest. Dabei: Seitdem ich denken kann, liebe ich Fußball. Großevents haben hier einen speziellen Charme - Champions League, EM und natürlich WM. Abgesehen vom fußballerischen Glanz, den diese Events bieten, ist der Anblick der feiernden Fans auf den Fanmeilen rund um die Stadien des Gastgebers etwas ganz Besonderes. Aber auch beim Public Viewing am Rathausplatz, in der Strandbar oder sonst wo, gemeinsam mit Freunden und kühlen Getränken werden Spiele zu einem echten Erlebnis. Dass diese WM an Katar vergeben wurde, ist schlichtweg ein Skandal.

Menschenrechte werden hier mit Füßen getreten, was spätestens beim Bau der Stadien leidvoll sichtbar wurde. Dass der WM-Botschafter von Katar kurz vor dem Start der WM mit homophoben Aussagen laut wird, ist leider keine Überraschung. Natürlich findet diese WM statt, egal ob ich und ein paar andere Leute diese boykottieren. Jedoch kann und will ich nicht akzeptieren, dass sich jedes Land eine WM „kaufen“, Menschenrechte mit Füßen treten kann und mir dieses Fußball-Erlebnis, das ich seit jeher liebe, wegnimmt. Für mich ist es eine WM der Schande.“

 Kontra: Ex-Teamspieler Marc Janko aus Himberg:

 

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Foto: APA/Robert Jäger

„Nein, sollen sie nicht. Oder sagen wir so: Niemand soll ein schlechtes Gewissen haben, wenn er WM-Spiele schaut. Dabei will ich die Menschenrechtsverletzungen im Gastgeberland gar nicht ausklammern oder gar verharmlosen. Und ich finde es auch gut, dass darüber gesprochen wird. Womit ich ein Problem habe, ist diese kurzfristige Aufgeregtheit. Seit mehr als zehn Jahren ist klar, dass die WM in Katar stattfinden wird und was in diesem Land vorgeht. Ich werfe aber schon ein: Was war vor vier Jahren in Russland oder 2010 in Südafrika? Diese Länder nehmen und nahmen es mit den Menschenrechten auch nicht so genau.

Okay, jetzt wird bezüglich Katar moralisiert, wenn es um den Fußball geht. Wenn es aber um Erdgas geht, das uns in einer schwierigen Situation über den Winter rettet, sind uns die Menschenrechte auf einmal nicht mehr ganz so wichtig. Fakt ist, dass die WM nie hätte an Katar vergeben werden dürfen. Da ist die FIFA dran schuld und ihr korruptionsanfälliges Vergabeverfahren. Aber auch bei diesem Thema sollten wir in Österreich zuerst einmal vor der eigenen Haustüre kehren, ehe wir mit dem Finger auf andere zeigen.“

Pro & Kontra: WM Boykott

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