Michael Strasser: Der Rekord am Rad. 22.642 Kilometer. Diese Strecke legte Michael Strasser aus Trautmannsdorf von Alaska nach Patagonien zurück. 84 Tage, 11 Stunden, 50 Minuten war er mit dem Fahrrad unterwegs: Weltrekord.

Von Teresa Sturm. Erstellt am 27. November 2018 (01:07)
Samuel Renner

Michael Strasser sieht müde aus. Seit wenigen Wochen ist er wieder zurück in Österreich und durchläuft seitdem einen Interviewmarathon. Und das, obwohl er in den letzten Monaten wahrlich genug Ausdauersport gemacht hat. Der Trautmannsdorfer, Bezirk Bruck an der Leitha, stellte einen Weltrekord auf: Noch nie durchfuhr jemand auf dem Fahrrad so schnell die USA.

Auf dem Radabenteuer wurde Michael Strasser von einem vierköpfigen Team begleitet. Büffel und Bären kreuzten den Weg des Niederösterreichers, als er die USA durchquerte. 
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Strasser möchte Träume, die er nicht umsetzen konnte, hinterherweinen. „Ich will selber probieren, große Ideen und Träume zu realisieren.“ Das hat er ganz klar geschafft. Der 35-Jährige hat 22.642 Kilometer in 84 Tagen zurückgelegt und hat damit den bisherigen Weltrekord eingestellt. Als Extremsportler bezeichnet sich Strasser dennoch nicht: „Das hat für mich oft auch etwas mit wenig Seriosität zu tun. Ich mache das, was ich mache, gut überlegt.“

Noch dazu hat der Niederösterreicher Erfahrung in solchen Abenteuerreisen. Schon vor zwei Jahren querte Strasser Afrika für den guten Zweck.

An ALS Erkrankte sollen durch Spenden Hilfe bekommen

Dieses Mal sammelte er mit seinem vierköpfigen Team, das ihn begleitete, mit der Aktion „Racing 4 Charity“ Spenden für an Amyotropher Lateralsklerose (ALS) oder Myalgische Enzephalomyelitis (ME) erkrankte Personen. „Sarah, meine Mitbewohnerin, ist an ALS erkrankt, und ich habe sehr nahe vorgelebt bekommen, wie schrecklich das ist. Sie ist Sportlerin gewesen und ist mittlerweile auf den Rollstuhl angewiesen“, erklärt Strasser seine Gründe. Mit dem Geld sollen Anlaufstellen mit Experten für ME/CFS-Erkrankten und ihren Angehörigen ausgebaut werden.

Nach der Matura hat Strasser drei Jahre lang in einer Agentur gearbeitet. Danach schloss er ein Architekturstudium ab. Seit vielen Jahren konzentriert er sich aber beruflich auf den Sport.

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Obwohl er mittlerweile in Wien lebt, besucht er seine Eltern regelmäßig in Trautmannsdorf. Oft auch mit dem Rad. Jetzt, zurück in Österreich, kann Strasser das Radfahren wieder genießen, „weil die Infrastruktur weltweit gesehen sehr gut ist“.

Vor allem habe das Radfahrerleben hierzulande einen höheren Stellenwert als in anderen Gegenden: „In Peru wird man als Radfahrer komplett ignoriert.“ Nicht nur einmal musste er wegen eines gefährlichen Überholmanövers eines Autofahrers aufs Bankett ausweichen. „Ich habe in sehr kurzer Zeit 14 Länder gesehen, man kriegt schon einen Eindruck von allem. Einige Regionen werde ich wieder bereisen, vielleicht mit weniger Zeitdruck“, sagt Strasser und lächelt. Zuerst gönnt sich der Sportler aber mit seiner Freundin einen gemeinsamen Urlaub ohne Fahrrad in Thailand. „Danach habe ich mich schon sehr gesehnt. Ich hoffe, es gelingt, das Handy abgedreht zu lassen.