Große Rennen sind Basis für den ganzen Sport. Patrick Konrad spricht über sein Training während der Coronazeit, die Perspektiven im Herbst und die Sinnhaftigkeit von Online-Rennen.

Von Malcolm Zottl. Erstellt am 21. Mai 2020 (15:06)
Patrick Konrad kann derzeit nur im Training in die Pedale treten. Die wichtigsten Rennen der World Tour sollen kompakt zwischen Anfang August und Mitte November stattfinden.
Bora hansgrohe/Velomages

Durch die Coronakrise wurden auch die rot-weiß-roten Radsportler aus ihrem Wettkampf-Rhythmus gerissen. Dennoch gab es während des Shutdowns Vorteile gegenüber anderen Sportarten. Training war ja jederzeit möglich. Die Profis nahmen natürlich dennoch die Intensität etwas heraus. "Ich habe zwischendurch auch einmal eine Woche Pause gemacht", verrät der Ebreichsdorfer Patrick Konrad, der in der Eisenstädter Wahlheimat die frei gewordene Zeit mit Freundin und Baby genießt.

Noch Fragezeichen für den Herbst

Reale Rennen wird es erst ab August wieder geben, so ist zumindest der Plan des internationalen Verbands UCI. "Es gibt noch das ein oder andere Fragezeichen, etwa ob wir nach Kanada fliegen können oder nicht", weiß Konrad, dass der langfristige Plan noch nicht in Stein gemeißelt ist. Erst im Juni wird bei seinem Rennstall Bora Hansgrohe entschieden, welche Fahrer an welchen Rennen teilnehmen. Für Kletterspezialist Konrad sind in erster Linie die dreiwöchigen Landesrundfahrten Tour de France, Giro d'Italia und Vuelta a Espana interessant. "Es wird sicher Fahrer geben, die Tour und Vuelta fahren, oder gar Tour und Giro", glaubt Konrad.

Die großen Rennen sind wichtig

Die drei größten mehrtägigen Rad-Events finden von Ende August bis Mitte November statt, binnen 72 Tagen. Giro und Vuelta überschneiden sich gar. Ob der vollgepackte Herbst-Kaldener sinnvoll ist? "Natürlich ist das super", meint Konrad: "Diese Rennen sind die Basis für unseren ganzen Sport. Wenn sie stattfinden, können wir auch die Verträge gegenüber unseren Sponsoren einhalten." Neben den Landesrundfahrten sind auch die wichtigsten Eintagsklassiker im Programm. 

Pros und Contras bei Online-Rennen

Derzeit gibt es Rennatmosphäre aber nur in den eigenen vier Wänden. Auf Onlineplattformen wie Zwift werden einige abgesagte Rennen simuliert. Konrad sieht das virtuelle Rennenfahren zwiegespalten. "Es ist sicher eine gute Form, in Zeiten in denen gar nichts geht", nennt Konrad einerseits die Vorteile, auch zum Training und für Hobbyfahrer seien die Plattformen eine super Sache mit hohem Spaßfaktor. Und auch Werbezwecke können so erfüllt werden. Andererseits das Rennfahren auf der Straße werden Zwift und Co. nicht ersetzen können: "Es geht nur ums 'owetreten'. Du brauchst keine Technik, die auf der Straße schon sehr wichtig ist", erklärt Konrad. Außerdem dauern die virtuellen Rennen nur rund eine Stunde. Es sei auch fraglich, ob die Kalibrierung überall gleich ist und die Leistung überall gleich angekommt. Sprich: "Die Resultate haben keine Aussagekraft."