Heimtraining statt Vulkan-Befahrung für Pernsteiner. Hermann Pernsteiner könnte gerade beim Giro d'Italia unterwegs sein. Doch wegen der Coronakrise schwingt sich der Kirchschlager frühestens im Herbst wieder in den echten Rennsattel.

Von Malcolm Zottl. Erstellt am 13. Mai 2020 (13:21)
Hermann Pernsteiner (in orange) kann frühestens im August wieder ins echte Renngeschehen einsteigen.
EXPA/APA

13. Mai 2020: Eigentlich steht beim Giro d'Italia die erste schwerere Etappe auf dem Kalender. Die Zielankunft wäre heiß geworden, immerhin wäre das Teilstück am Vulkan Ätna zu Ende gegangen. Doch seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist dieser Termin aus dem Kalender gestrichen. Auch für den Bahrain-McLaren-Profi Hermann Pernsteiner, der weiter auf sein Debüt bei der Italien-Rundfahrt warten muss. Im Vorjahr war er wegen einer Formkrise kurzfristig noch aus dem Teamkader für den Giro gestrichen worden.

Online-Rennen sind intensiv

Pause gibt es für den Kirchschlager aktuell dennoch keine. Die Form soll so gut wie möglich konserviert werden. Und ganz ohne Rennen geht diese Phase auch nicht ab. Über Online-Plattformen wie Zwift und Co. werden ausgefallene Rennen virtuell simuliert. "Dass ich so einmal Rennen fahre, hätte ich mir auch nicht gedacht", schmunzelt Pernsteiner im NÖN-Gespräch. Natürlich kannte der Profi diverse Plattformen schon vorher.

Oft nutzte er sie bisher allerdings nicht. "Im Training hat das nicht so eine Rolle gespielt. Es ist mit Windschatten und so weiter aber ziemlich realistisch", meint Pernsteiner einerseits, andererseits seien kleinere Tricks in den eigenen vier Wänden schon möglich, um sich einen virtuellen Vorteil zu verschaffen: "Ganz fair wird es nie sein. Echte Rennen kann es nicht ersetzen. Aber es ist jedenfalls ein gutes Training. Die Rennen dauern eineinhalb Stunden und sind ziemlich intensiv",schildert der 29-Jährige.

Hoffen auf anstrengenden Herbst

Wichtig seien diese Formate allemal, immerhin werden die Rennen etwa auch auf Eurosport live übertragen. So bekommen die Sponsoren der 19 World Tour-Teams wenigstens eine kleine Präsentationsmöglichkeit. Bei sechs Teams soll es schon zu Gehaltskürzungen bekommen sein, auch bei Pernsteiners Bahrain McLaren-Team. Bis es auf den Straßen wieder um das Maglia Rosa (Führungstrikot beim Giro) oder Malliot Jaune (Führungstrikot bei der Tour de France) geht, wird es nämlich noch dauern.

Doch Hoffnung besteht. Der Weltverband hat ein ambitioniertes Herbstprogramm auf die Beine gestellt. Binnen 72 Tagen sollen mit Tour de France, Giro d'Italia und Vuelta a Espana alle drei großen Landesrundfahrten stattfinden, garniert wird das Ganze mit den fünf Monumenten des Radsport, also Eintagesklassikern wie Paris - Roubaix und der Straßenrad-WM in der Schweiz. "Das wird sicher anstrengend", hofft Pernsteiner dennoch auf verspätetes, echtes Rennfahren im Jahr 2020. Los gehen soll es mit Strade Bianche am 1. August.

"Kann keine 200 Kilometer absperren"

Welche Rennen für Pernsteiner Thema sein könnten, steht freilich noch nicht fest. Immerhin ist ja auch noch unklar, ob dieser Plan dann in der Realität auch wirklich umsetzbar ist. Wenn die Rennen stattfinden können, könnten diese ohne Zuseher an der Strecke stattfinden, zumindest im Start- und Zielbereich. "Ich kann ja keine 200 Kilometer absperren. Da muss man die Eigenverantwortung der Menschen appellieren", weiß Pernsteiner, dass die Zuseher nicht zu hundert Prozent ferngehalten werden können.

Allerdings sei der Kirchschlager positiv gestimmt. Kurz vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie war er noch bei Paris - Nizza unterwegs, auch damals gab es bereits Auflagen für Zuseher. "Das hat damals schon gut funktioniert", berichtet Pernsteiner und meint weiter: "Solche Rennen sind sicher besser, als gar keine Rennen."

Frage nach möglicher Vorbereitung

Eine weitere offene Frage ist, wie die Vorbereitung auf die Herbstrennen aussehen kann. Teaminterne Trainingslager sind aufgrund der zahlreichen Nationalitäten bei Bahrain-McLaren und den derzeit weiterhin aufrechten Reisebeschränkungen (vorerst) noch schwierig. "Vielleicht gibt es irgendwann noch die Möglichkeit dazu, wenn es Reise-Kooperationen zwischen gewissen Ländern gibt", spekuliert Pernsteiner damit, dass bei weiterhin sinkenden Corona-Zahlen etwas möglich sein könnte.

Ansonsten wird es wohl Trainingspartnerschaften mit anderen rot-weiß-roten Profis geben. Im Kopf hat Pernsteiner zunächst einmal ein Höhentrainingslager im Juni. "Wenn die Hotels wieder offen haben, macht das Sinn. Aber ein Höhentrainingslager mache ich sicher nicht alleine", so Pernsteiner, erster Ansprechpartner könnte Daniel Geismayer sein, Pernsteiners Teamkollege aus Mountainbike-Tagen.