Patrick Konrad: „So eine Chance gibt‘s nur einmal“. Tour-de-France-Etappensieger Patrick Konrad spricht im NÖN-Interview über die Tour, Olympia und seine Papa-Rolle.

Von Malcolm Zottl und Wolfgang Wallner. Erstellt am 21. Juli 2021 (04:31)
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Geballte Faust. Als Etappensieger bei der Tour de France geht Patrick Konrad bei Olympia an den Start.
AFP/Anne-Christine Poujoulat, AFP/Anne-Christine Poujoulat

Nach der Tour ist vor den Spielen. Der Ebreichsdorfer Patrick Konrad startet bereits am Samstag beim Straßenrennen im Zeichen der fünf Ringe. In Frankreich hat der 29-Jährige mit seinem ersten Etappensieg und dem beachtlichen 27. Rang im Endklassement aufhorchen lassen.

NÖN: Sie sind der dritte Österreicher, der eine Tour de France-Etappe gewann, haben Sie das bereits realisiert?

Patrick Konrad: Es braucht noch ein bisschen Zeit. Die letzten Tage bin ich immer mit dem Gedanken schlafen gegangen: „Oida, ich habe eine Tour de France-Etappe gewonnen.“ Jeder Jugendliche träumt davon, wenn er Rad-Profi wird, dass er einmal bei der Tour dabei ist. Ich bin zum dritten Mal dabei und habe jetzt eine Etappe gewonnen. Das schaffen viele Fahrer in ihrer gesamten Karriere nicht. Es gibt nur Ausnahmen, wie Mark Cavendish, Peter Sagan oder Julien Alaphillipe, denen so etwas öfters gelingt.

Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie dem Sieg entgegengefahren sind, haben Sie den Moment, in dem Sie über die Linie gefahren sind, wirklich miterlebt, oder war das wie in einer Trance?

Konrad: Du spielst während der Etappe schon mit dem Gedanken. Wirklich glauben daran kannst du aber erst kurz vorher, weil halt immer noch viel passieren kann. Es war dann einfach ein sehr schöner Moment, den ich immer in Erinnerung behalte.

Wie war die Reaktion der Familie?

Konrad: Die Freundin habe ich als Erste angerufen, wie ich zu meinem Handy gekommen bin. Sie haben sich natürlich alle irrsinnig gefreut. Sie sind stolz, haben mich immer unterstützt und mir das zugetraut.

Ihre Tochter ist jetzt eineinhalb Jahre alt. Wie gehen Sie damit um, sie wochenlang größtenteils nur über Facetime zu sehen?

Konrad: Natürlich bin ich viel unterwegs, aber das gehört zu meiner Karriere einfach dazu. Meine Familie war am ersten Ruhetag der Tour bei mir und auch am Sonntag in Paris dabei. Wir können uns ganz gut damit arrangieren. Manchmal ist es aber natürlich schon hart, die Kleine wegen der Reiserei nur über Facetime zu sehen. Corona hat uns da sicher auch eingeschränkt, ansonsten könnten meine Tochter und meine Freundin öfter dabei sein. Umso mehr freue ich mich natürlich, wenn ich wieder heimkomme, da habe ich ja außer meinem Training keine besonderen Verpflichtungen, bin also quasi 24/7 zu Hause.

Zurück zum Sportlichen: Wie fällt das Resümee ihres Teams Bora-Hansgrohe aus?

Konrad: Unsere Ziele waren ein Top-Fünf-Platz für Wilco Keldermann, das Grüne Trikot für Peter Sagan und ein Etappensieg. Wilco ist Fünfter geworden. Neben mir hat auch noch Nils Politt eine Etappe gewonnen, dieses Ziel haben wir sogar übertroffen.

Am Samstag steht in Tokio das Olympische Straßenrennen an. Wie laufen die Vorbereitungen?

Konrad: Der Jetlag ist sicher ein Thema. Ich habe versucht, mich Tag für Tag stundenweise heranzutasten. Am Montag in der Früh bin ich von Paris nach Wien geflogen, habe dort meinen Bora-Hansgrohe-Koffer mit dem vom ÖOC getauscht. Mittags ging es dann weiter nach Tokio. Ich freue mich irrsinnig, dass ich bei Olympia starten darf. So eine Chance bekommst du in deiner Karriere vielleicht nur einmal. Bei den Olympischen Spielen eine Medaille zu gewinnen, das wäre schon noch einmal etwas ganz Besonderes. Jetzt heißt es noch einmal eine Woche lang die Zähne zusammenbeißen und schauen, was rauskommt. Mit Hermann Pernsteiner, Gregor Mühlberger und mir sind wir Österreicher jedenfalls gut aufgestellt.

Verändert der Etappensieg bei der Tour de France die Ausgangslage für das Olympiarennen?

Konrad: Bei einem Ein-Tages-Rennen kommt vieles auf die Tagesverfassung an. Wir sind sechs Stunden unterwegs. Da kann sehr viel passieren. Es gibt extrem viele Szenarien und taktische Spielchen, auf die man sich einstellen muss, aber im Endeffekt geht es darum, sich eine Taktik zurechtzulegen, und entweder sie geht auf oder nicht. Es wird auf jeden Fall ein sehr offenes Rennen. Wir Österreicher können es mitgestalten – das ist unser Ziel, wir wollen um die Spitzenplätze mitfahren.