Strassers Ausdauer-Tipps: Ultra-Radfahren ist Teamsport. Der sechsfache Sieger des Race Across America, Christoph Strasser, gibt vor dem Start des 600 Kilometer langen Race Around Niederösterreich am 18. September 2020 in seinem exklusiven Blog auf NÖN.at wertvolle Tipps:

Von Redaktion noen.at. Erstellt am 11. September 2020 (12:50)
Hausdorfer | lime-art.at

Ist Ultra-Radfahren ein Einzel- oder Teamsport?

Ganz klar: Nur wer die besten Betreuer um sich hat wird vorne sein!

Im Ultracycling wird die Wichtigkeit des eigenen Teams oft unterschätzt. Viele beachten nur die Leistung des Radfahrers. Auch wenn der Athlet meist im Rampenlicht steht, ist ein erfolgreiches Langstreckenrennen immer eine Teamleistung. Bei kürzeren Bewerben mit unter 1.000 Kilometern Länge ist der Einfluss der Crew zwar etwas geringer als bei mehrtägigen Rennen, weil der Fahrer im Kopf nicht komplett überfordert ist, Motivationskrisen und Müdigkeitsattacken kaum vorkommen.

Bei Bewerben wie dem Race Around Niederösterreich gibt es auf 600 Kilometern nur eine Nacht ohne Schlaf - und das hält fast jeder aus. Wahrscheinlich hat auch jeder schon einmal eine schlaflose Nacht durchgestanden: Vielleicht nicht unbedingt auf dem Rad, sondern auch auf Parties, die etwas länger gedauert haben. 

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Auch wenn das Team bei Eintagesevents nicht so stark helfen kann wie bei mehrtägigen Rennen, ist die Betreuercrew sehr wichtig. Diese Rennen sind enger mit geringeren Abständen, da zählt jede Minute. Und das ist der Job der Crew, dass wir keine Zeit beim Kleidungswechsel, bei der Verpflegung oder Radwechseln herschenken. Beim Race Around Niederösterreich ist laut Reglement nur ein Begleitauto pro Fahrer erlaubt,  zwei Teammitglieder sind das Minimum. 

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Meine Empfehlung sind aber drei Betreuer/Betreuerinnen, die sich am Steuer abwechseln und zwischendurch ausruhen können. Innerhalb des Teams müssen sich alle gut verstehen, teamfähig und flexibel sein, es braucht aber auch spezielle Fähigkeiten: Ein Teammitglied sollte auf körperliche Probleme reagieren können (Arzt oder Physiotherapeut), ein anderes auf technische Probleme am Rad oder im Auto.

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Auch Navigation, Kommunikation und Bespielung der Social Media Kanäle sind wichtige Aufgabengebiete, die von der Crew übernommen werden müssen. Eine gute Stimmung im Team ist extrem wichtig, um den Athleten und vor allem auch sich selbst bei Laune zu halten. Gerade dann, wenn es nicht besonders gut läuft oder die Müdigkeit in der Nacht zu schaffen macht. Meine Crew redet während der Rennen immer über Funk mit mir, ohne diese Gespräche würde ich die harten Phasen nie so gut überstehen können.

Bei Rennen wie dem RAAM oder dem Race Around Austria,die über einige Tage führen, kommt für das Betreuerteam noch ein weiterer wichtiger Aspekt dazu, sie müssen dann die Schlafpausen und -strategie managen, da braucht es besonders viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung. Das ist beim RAN aber nicht nötig, da gilt definitiv das Motto: Wer schläft, verliert!"

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