Strassers Ausdauer-Tipps: Welches Rad fahre ich wo?. Der sechsfache Sieger des Race Across America, Christoph Strasser, gibt vor dem Start des 600 Kilometer langen Race Around Niederösterreich am 18. September 2020 in seinem exklusiven Blog auf NÖN.at wertvolle Tipps:

Von Redaktion noen.at. Erstellt am 13. September 2020 (12:50)
Lex Karelly

Wann verwende ich welches Rad, sollte ich zwei zur Verfügung haben?

Zuerst stellt sich immer die Frage: Was will ich? Kämpfe ich um den Sieg mit? Will ich eine Zeit unter 24 Stunden über die 600 Kilometer lange Distanz erreichen oder innerhalb der Karenzzeit finishen? Welches Material habe ich zur Verfügung?

Optimal bei der Streckenführung des RAN sind ein Zeitfahrrad und ein leichtes Bergrad - und mir ist bewusst, dass nicht jeder einen Radsponsor hat, der die Räder zur Verfügung stellt. Die erste Hälfte des Rennens führt über flache Passagen, ideal für ein Zeitfahrrad, das eine optimale aerodynamische Position garantiert. Ab dem Semmering wird der Umstieg auf das Bergrad oder ein leichtes Straßenrad nötig sein.

Ist im Waldviertel ein Zeitfahrrad besser als ein normales Straßenrad im Semmering-Gebiet?

Am Ende würde ich durch das Waldviertel ich nochmals den Umstieg zum Zeitfahrrad empfehlen. Aber gerade hier spürt man die Strapazen eines solchen Rennens: Habe ich noch die Kraft für die schnelle Maschine? Tut mir der Rücken schon weh? Daher wäre es hier eventuell besser, auf dem komfortableren Rennrad zu sitzen. 

Ich spreche hier von der Luxus- oder Idealversion, um alles perfekt zurückzulegen und Minuten rauszuholen. Aber für ein gutes Ergebnis und ein solides Finish ist das Zeitfahrrad nicht notwendig. Vor zehn Jahren ist sowieso noch kaum jemand bei Ultraradrennen ein Zeitfahrrad gefahren. Das hat sich erst in den letzten Jahren durchgesetzt. Und ganz wichtig ist es, auch im Training im Vorfeld bereits mit einem Zeitfahrrad Einheiten abzuspulen. Das ist wichtig, um Problemzonen wie am Rücken, am Nacken und der Wirbelsäule entgegenzusteuern. Einige Zeit die Zähne zusammen beißen ist okay, aber wenn ich bereits nach 50 Kilometern Verspannungen habe, dann besser zurück aufs Straßenrad. 

Das Motto sollte sein: So schnell wie möglich, aber so komfortabel wie nötig, um sicher ins Ziel zu kommen! Die Laufräder spielen beim RAN, das sehr windanfällig ist, auch eine große Rolle. Bei Seitenwind können Aero-Räder oft problematisch sein. Und ich empfehle jedem ein verlässliches Licht am Rad zu installieren, auch wenn ein Auto hinter einem fährt. Mitte September beginnt es früher zu dämmern und eine Beleuchtung am Rad ist ein Muss!

Unbedingt vorher die Beleuchtung mit dem Akku testen. Nicht, dass es plötzlich Dunkel wird. Ansonsten einfach Reserve-Akkus oder Batterien einpacken und generell Werkzeug und Ersatzteile mitnehmen. Damit alles im Notfall repariert werden kann und das Rennen nicht wegen technischem K.O. vorbei ist!“

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