Rote Karte für Referees. Funktionäre im Visier | Der ehemalige FIFA-Schiedsrichter und Schiri-Beobachter Roman Steindl aus St. Pölten „pfeift“ jetzt scharf gegen Fritz Stuchlik & Co.

Von Wolfgang Wallner. Erstellt am 16. März 2014 (19:25)
NOEN, Fotos: APA/ Oberländer; privat
Referee-Manager Fritz Stuchlik.
Von Wolfgang Wallner

Nach seiner Pfeife haben einst Europas Top-Kicker getanzt. Nun bläst Ex-FIFA-Schiedsrichter Roman Steindl (65) seinen einstigen Kollegen verbal den Marsch. „Dass wir keinen Schiri mehr auf internationalem Top-Niveau haben, liegt an den verkrusteten Strukturen und den handelnden Personen im Schiriwesen“, kritisiert der St. Pöltner. Im Visier des ehemaligen Bundesliga-Schiribeobachters: Nicht nur Referee-Manager Fritz Stuchlik, sondern auch NÖ-Schiri-Boss Alois Pemmer. Bei ihnen stößt Steindls Rundumschlag auf Unverständnis. „Eine Frustaktion“, urteilt Pemmer.

Auf internationaler Ebene rangieren die rot-weiß-roten Referees im Niemandslandsland, kritisiert Steindl: „Dafür sind die Funktionäre und Manager Stuchlik verantwortlich.“ Schon zu seiner Zeit sei Stuchlik die „graue Eminenz“ gewesen, über den ÖFB-Angestellten habe „kein Beobachter einen schlechten Bericht abzuliefern gewagt“, erinnert sich Steindl. Seine Ablöse als Schiri-Beobachter in der Bundesliga führt der St. Pöltner auf die Note 2-3 zurück, die er Stuchlik einst verpasst hatte.

Unbequeme Kollegen durch Herabstufung kaltgestellt?

„Ich habe über 250 Bundesliga-Spiele geleitet, da werden mir auch andere Beobachter als Herr Steindl einmal eine schlechte Note gegeben haben“, glaubt Stuchlik nicht an diese Kausalkette. „Er ist schon viele Jahre aus dem Elite-Schiri-Wesen entschwunden, inwiefern er die Situation beurteilen kann, bleibt ihm überlassen“. Er sei „froh, dass ich kritisiert werde, auch wenn das pervers klingt.“ Als hauptamtlicher Referee-Manager werde er „dafür bezahlt, dass ich mich schimpfen lasse. So wie früher, nur diesmal aus den eigenen Reihen“.

Freilich ortet Roman Steindl auch im NÖ-Schiriwesen massive Missstände, attestiert Obmann Alois Pemmer – in aktiven Zeiten übrigens sein Assistent an der Linie – „Führungsschwäche“ und „einen Weg, den viele gute Leute nicht mitgehen können“. Dies würden die zahlreichen Wechsel in Spitzenfunktionen beweisen. Unbequeme Kollegen würden durch Herabstufung kaltgestellt oder gleich abgesetzt.

Pemmer: „Wir arbeiten daran“

„Stimmt nicht“, kontert Pemmer, „ich bin ein g’rader Michl, mit mir kann jeder, auch kritisch, reden.“ Offenbar sei Steindl noch immer frustriert, weil er ihm 2004 bei seiner Wahl zum NÖ-Schiriobmann keine Spitzenfunktion im Komitee verschafft habe.
17 Jahre ohne FIFA-Schiri seien für NÖ als stärkster Verband beschämend, setzt Steindl nach: „Zu Glanzzeiten mit sechs Bundesliga-Schiris und zwei FIFA-Referees fehlt heute viel.“

Ein Manko, das Pemmer nachvollziehen kann: „Wir arbeiten daran.“ Mit Markus Hametner und Barbara Bollenberger (Frauenfußball) stellt Blau-Gelb zwei international tätige Schiris. Pemmer: „Mit FIFA-Assistent Christian Trunner und Bundesliga-Referee Michael Schmid haben zwei Kollegen aus beruflichen Gründen aufhören müssen.“ Jetzt sollen Markus Katona und Alan Kijas für höhere (Bundesliga-)Aufgaben aufgebaut werden.