Erstellt am 08. August 2018, 12:11

von APA Red

Auböck: "Keine Angst mehr, Vierter zu werden". Schwimm-Ass Felix Auböck hat nach seinen Einzel-Einsätzen bei den Langbahn-Europameisterschaften in Glasgow die Gewissheit, dass ihm im zurückliegenden Trainingsjahr ein Fehler im Aufbau passiert sein muss.

Felix Auböck   |  NOEN, Apa/Techt

Wo dieser lag, gilt es zu ergründen. Nach den Rängen vier, elf und zwölf über 400, 200 und 800 m Kraul hat der 21-Jährige am Donnerstag noch einen Staffel-Einsatz. Dann geht es in den Urlaub.

Sein 800-m-Vorlauf, in dem er ab Halbzeit den Kontakt zur Spitze verloren hatte, hat Auböck in seinen davor gewonnenen Eindrücken bestärkt. "Ich denke, da war kein großer Unterschied zu den 400. Drei Sekunden über 400 drüber (über seiner Bestzeit, Anm.), sechs Sekunden über 800. Das passt genau ins Schema, was eigentlich los", erklärte er. "Bei 200 bin ich sechs Zehntel drüber. Das ist halt leichter zu kompensieren. Je kürzer die Strecke ist, desto weniger fällt es auf."

Abgesehen von diesen Erkenntnissen tappte der Niederösterreicher aber ein wenig im Dunkeln. "Es ist komisch, ich bin das ganze Jahr bei Wettkämpfen 7:58 (800-m-Zeit, Anm.) geschwommen - aus dem Training heraus. Jetzt beim Hauptwettkampf 7:55, das passt alles nicht zusammen", erkannte der OSV-Athlet. "Da muss irgendein Fehler in der Vorbereitung oder im ganzen Jahr gewesen sein. Da muss irgendwo ein kleiner Haken sein, den werden wir rausfinden."

Positiva in EM-Enttäuschung

Auböck sieht aber auch Positiva in dieser persönlichen EM-Enttäuschung. Denn so glaubt er eher verhindern zu können, dass es ihm nächstes Jahr auf Langbahn-WM-Ebene noch einmal so ergeht. "Vielleicht ist das ganz gut. Ich denke, letztes Jahr habe ich nicht so viel gelernt", bezog er sich auf die starken WM-Leistungen mit den Rängen fünf und sechs. "Ich habe da nicht wirklich Erfahrungen oder irgendwelche Lehrschlüsse daraus ziehen können."

Denn wenn man gut schwimme, sehe man über alles hinweg. "Du denkst: 'Das passt alles'. Aber dieses Jahr hinterfrage ich schon mehr Sachen." Sein Medaillenziel habe er klar verfehlt, ging der Student hart mit sich ins Gericht, hatten ihm doch nur 6/100 auf Bronze gefehlt. 2016 bei der London-EM waren es 7/100 gewesen. "Aber ich habe das jetzt abgehakt und trage es nicht lange hinterher. Es war ja nicht das erste Mal, dass mir das passiert", meinte er lachend.

Österreichs aktuell bester Schwimmer hat also den Albtraum eines Medaillenaspiranten gleich zweimal erlebt, einen Podestplatz hauchdünn zu verfehlen. "Das ist das Schlimmste. Aber das sind Sachen, die machen einen nur stärker. Ich habe jetzt keine Angst mehr, Vierter zu werden." Mit dieser Einstellung will er offensiv in die WM 2019 gehen. "Für meine Ansprüche muss ich da das Olympia-Limit schwimmen. Wenn nicht, wird es ganz, ganz schwer, in Tokio dabei zu sein."

Und es wird für Auböck fürwahr kein Selbstläufer, die Olympia-Normen zu unterbieten. Im Vergleich zu Rio 2016 wurden die Limits speziell auf Kraulstrecken kräftig angezogen. Über 200 und 1.500 m Kraul liegt die geforderte Marke unter dem OSV-Rekord Auböcks, besonders hart findet er aber das Limit 3:46,78 Min. auf 400 m. "Das wurde von 3:50 runtergedrückt. Das schwimmen derzeit auf der Welt vielleicht acht Leute."

"Ich denke, das ist der total falsche Weg"

Auböck sieht das als falschen Weg, denn es könne sein, dass sich da nur die zehn Besten qualifizieren. "Und der Rest bleibt zu Hause. Das ist schon sehr fragwürdig." In diesem Fall würden die Startplätze per Einladungen vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) aufgefüllt. Auböck sieht darin die Qualität des Feldes gemindert. "Ich denke, das ist der total falsche Weg. 3:50 wäre eine adäquate Zeit, da qualifizieren sich 20, 25 Leute."

Umso mehr bleibt der 400er auch Richtung Tokio in Auböcks erstem Fokus. "Da kann ich es gut verbinden, dass ich doch eine relativ gute Ausdauer habe. Und von den 200 kann ich den Speed ganz gut mitnehmen auf die 400." Der 400er sei ein Mittelding, das ihm am besten liege. "Aber wenn es zu spezifisch wird, ist das nicht meine Stärke. Daher ist es auch gut, wenn ich 200 und 800 trainiere. Meine beiden Stärken kann ich nur auf dem 400er ausspielen."