Budapest für heimisches Olympia-Quartett wichtiger Test. Das österreichische Schwimm-Quartett Marlene Kahler, Lena Grabowski, Felix Auböck und Christopher Rothbauer fällt nach der Wiederaufnahme der Wettkämpfe mit dem Vierländerkampf ab Freitag in Budapest der Olympia-Qualifikationsdruck weg. Sie haben sich schon vor dem Corona-Ausbruch jeweils zumindest auf einer Strecke für die Tokio-Spiele qualifiziert. Dennoch wollen sie es in Ungarn wissen.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 23. Juli 2020 (06:01)
Felix Auböck
APA (AFP)

Der erste und womöglich beste Vergleich in diesem Jahr mit internationaler Konkurrenz will genutzt werden, um für die gemäß Plan in exakt einem Jahr startenden Sommerspiele einen guten Gradmesser zu haben. Immerhin sind die veranstaltenden Ungarn eine europäische Top-Nation im Schwimmen. Die meisten Österreicher haben im Februar und Anfang März noch Wettkämpfe bestritten, für Lena Grabowski aber endet am Freitag eine sogar mehr als siebenmonatige Bewerbspause.

Lena Grabowski
GEPA

Die Vorfreude der Rückenlagen-Spezialistin auf den seither ersten Startschuss ist förmlich spürbar. "Ich bin extrem aufgeregt und kann mich fast gar nicht halten", sagte die Burgenländerin. Mental sei die Pause schwer durchzustehen gewesen. "Aber ich habe gelernt, dass man mit sich selbst Geduld haben muss." Sie könne erst nach dem Wettkampf einschätzen, wo sie leistungsmäßig stehe. Für Olympia würde sich die 17-Jährige das Limit über 100 m Rücken wünschen, das über 200 m hat sie schon.

Marlene Kahler
NOEN, Foto: privat

Kahler hatte als Erste der OSV-Aktiven schon Ende März 2019 eine Olympia-Norm erbracht, zu den 1.500 m kamen später die 800 m Kraul dazu. Die Verschiebung der Spiele machten es ihr dann schwierig, die Motivation zu halten. "Seit wir wissen, dass wir den Wettkampf in Budapest haben, war es aber leichter, die harten Trainings mit guten Leistungen zu absolvieren", erläuterte die Niederösterreicherin. Während des Lockdown absolvierte die Kraul-Spezialistin erfolgreich die Matura.

Im Endeffekt hat die 19-Jährige in dieser Phase aber auch sportlich positiv bilanziert. "Ich bin bessere Zeiten geschwommen als vor der Corona-Zeit. Ich habe viel besser trainiert, habe viel besser meine stabilen Zeiten abrufen können", erläuterte Kahler. Da sie auf den langen Kraulstrecken schon für die Spiele qualifiziert ist, lag ihr Fokus zuletzt auf 200 und 400 m Kraul. "Weil wenn meine 200er-Zeit besser ist, ist auch die 400er- und 800er-Zeit besser."

Auböck ist seit Anfang Mai Trainingsgast in der Südstadt, nachdem er aus den USA zurückgekommen ist. "Auf dem Weg in den nächsten Sommer ist es ganz, ganz wichtig, dass wir einen Wettkampf haben und in unserem Rhythmus drinnenbleiben", meinte der Niederösterreicher. "Wenn die Routine nicht bei Wettkämpfen geübt wird, wird es schwierig, bei Olympischen Spielen anzutreten." Der 23-Jährige würde zu den 800 m für Olympia gerne noch die 400 und 1.500 m Kraul hinzufügen.

Die Olympia-Verschiebung an sich sieht Auböck auch als Chance: "Ich habe die Möglichkeit, mich besser vorzubereiten, um meinen Lebenstraum, ein olympisches Finale, zu erreichen." Durch zwei WM-Finalteilnahmen 2017 hat er gute Erinnerungen an Budapest, seine Grundlagenausdauer sieht er als verbessert an. Für sein Masters-Studium hat sich Auböck einen Platz an der Universität von Loughbourogh nahe Leicester gesichert. Wann es nach England geht, ist wegen Corona aber noch ungewiss.

Christopher Rothbauer
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Rothbauer schließlich sprang als bisher letzter OSV-Aktiver auf den Olympia-Zug auf, indem er am 28. Februar in Berlin über 200 m Brust den nationalen Uralt-Rekord von Maxim Podoprigora um 1,21 Sekunden auf 2:09,88 Minuten verbesserte. "Budapest sehen wir als tolle Chance, um zu testen, was wir die letzten vier Monate gemacht haben", führte der 22-jährige aus. Für ihn als Brustschwimmer sei in den vergangenen Monaten die Technik-Stabilisierung im Vordergrund gestanden.