Herbert Lackner (81): „Rennrad statt Rollstuhl“

Leistungssport im hohen Alter? Das geht, wie der 81-jährige Herbert Lackner aus dem Bezirk Zwettl zeigt. Mit seinem Senioren-Radteam bestreitet er zahlreiche Rennen in Österreich und im Ausland.

Erstellt am 22. November 2021 | 04:11
Herbert Lackner
Am allerliebsten auf zwei Rädern unterwegs: Seniorensportler Herbert Lackner aus Bärnkopf (Bezirk Zwettl).
Foto: Herbert Lackner

Inmitten seines großen Wohnzimmers steht natürlich ... ein Fahrrad. „Das zählt aber nicht!“, antwortet Herbert Lackner auf die Frage, wie viele Fahrräder er denn besitze. Ein Mountainbike, drei Straßenräder und ein Gravel-Bike für Querfeldein-Fahrten sind es, so der Sportler. Der Stiegenaufgang in seinem Haus in Bärnkopf im Bezirk Zwettl ist mit Fotos seiner beeindruckenden Sportkarriere dekoriert, wo eben diese Fahrräder zum Einsatz gekommen sind: Mountainbiken in Kenia und Südafrika, Radrennen in Italien, in den USA oder quer durch Österreich. Und viele weitere Rennen sind noch geplant, vor allem mit dem Crataegutt Seniors Racing Team, seinem höchst erfolgreichen Senioren-Rennradteam.

Eine Leidenschaft für Sport und Reisen

„Seitdem ich denken kann, mache ich Sport“, erzählt Herbert Lackner. Das erste Rad bekam er mit zwölf Jahren, an seinem ersten Rennen nahm er mit 16 teil. Das Radfahren war für ihn aber lange Jahre ein Hobby, erst in der Pension wurde es professionell und ernst. Reisen und Sport, zwei seiner großen Interessen, spiegelten sich bereits in der Berufswahl wider. Als Geografie- und Sportlehrer arbeitete er 20 Jahre in Wien, ehe er sich selbstständig machte in den verschiedensten Zweigen. „Ich bin einfach draufgekommen, dass ich kein Beamtentyp bin“, so der gebürtige Wiener. Er gründete 1972 das österreichweit erste Fitnesscenter in Wien, war als Skilehrer aktiv und zog nach der Kündigung an der Schule ins Waldviertel. „Hier oben in Bärnkopf habe ich dann jahrelang die Langlaufschule gehabt.“

Die Begeisterung für den Sport hat ihn also nie losgelassen, im Gegenteil, sie wurde mit den Jahren noch intensiver. „Ich möchte bis zuletzt selbstständig bleiben“, erklärt Lackner. Und ein Schlüssel dazu sei eben der Sport.

Herbert Lackner
Auf der Zielgeraden: Lothar Färber, Herbert Lackner, Anton Gierer und Josef Schalk (v.l.) beim Race Across America 2014.
Dominik Kiss

Das sehen auch die anderen Radkollegen so. „Rennrad statt Rollstuhl“, lautet das Motto der Crategutt Seniors. Die sieben Herren mit einem Durchschnittsalter von 71 Jahren geben nicht nach. „Stattdessen geben wir Gas.“ Insgesamt konnten sie bereits 14 Goldmedaillen bei Radrennen bei internationalen Seniorenspielen erringen.

Die Teammitglieder kommen aus ganz Österreich und auch Deutschland. Ein weiterer Niederösterreicher im Team ist Hannes Krivetz aus Ottenschlag, mit Jahrgang 1959 das Küken. „Wir sind ja nicht nur eine Ansammlung von schrulligen Herren, wir sind ja auch semi-professionell organisiert und haben einige Sponsoren“, so Lackner, der als Teammanager fungiert. Für die sportliche Betreuung haben sie sich Weltmeister und Olympiasieger Mario Kummer und seinen Bruder Maik, selbst Exprofi und Tour-de-France-Mechaniker, ins Boot geholt.

Ein erklärtes Ziel der Radsportler ist es, dem Senioren-Leistungssport zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen. „Gerade in Österreich hat der nicht den Stellenwert, den er haben sollte.“ Was Sport, egal in welchem Alter betrifft, so sei die mentale Einstellung ausschlaggebend, erklärt Lackner. „2013 bei der Senioren-Olympiade in Turin, da habe ich mir täglich gesagt: Ich werde Olympiasieger.“ Und so kam es auch. Nicht nur eine Goldmedaille, sondern auch drei Silbermedaillen in den Kategorien Straße, Zeitfahren und Mountainbike konnte er gewinnen. „Danach bin ich aber in ein schwarzes Loch gefallen.“ Wichtig sei, sich daher immer wieder konkrete Ziele zu stecken, auf die man hinarbeiten könne, so wie Langstreckenfahrten, für die man auch
lange im Vorhinein trainieren müsse.

Nonstop durch die USA auf dem Rad

Ein besonderes Erlebnis war für Lackner das Race Across America, an dem er sogar zweimal in einer Viererstaffel teilnahm, einmal 2014 und einmal 2018. „Das ist ein Abenteuer, da habe ich zum Beispiel einen Tornado hautnah erlebt.“ Diesen Radmarathon konnten die Crataegutt Seniors 2014 mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 30 km/h in sieben Tagen und vier Stunden bezwingen, nonstop quer durch die USA, von Westen nach Osten. „Wir sind die älteste europäische Staffel, die dieses Rennen je bestritten hat“, so Lackner stolz. Da ist es auch klar, dass erst im August das Race Across Austria auf dem Programm der Senioren stand. Und auch am Race Across Niederösterreich wird regelmäßig teilgenommen.

Natürlich nimmt das Training viel Zeit im Leben Lackners und seiner Teamkollegen ein. Zwischen 6.000 und 15.000 Kilometer pro Jahr werden gefahren. Klar, dass sich dies auch positiv auf die Gesundheit auswirkt. „Wir sind alle gesund und haben keine Herzprobleme“, so Lackner. Nur mit den Knien gibt es hin und wieder kleinere Probleme.

Lackners Pläne für die nächste Zeit sind trotzdem sehr ehrgeizig. „Ich bräuchte ja ungefähr 30 Stunden pro Tag, weil ich immer so viele Ideen habe.“ So bezeichnet er sich auch selbst als ältester Jungunternehmer Österreichs, denn Anfang 2020 gründete er sein eigenes Reisebüro. Der denkbar ungünstigste Zeitpunkt dafür, wie er zugibt. „Aber trotz der Pandemie bin ich immer noch Optimist und wir sind mitten in den Planungen für die ersten Reisen.“ Gemeinsam mit seiner Partnerin Muthoni Mainah, einer kenianischen Universitätsprofessorin, rief er das Reiseunternehmen HMM Safaris ins Leben und verbindet so seine Leidenschaft für Sport und Reisen, denn neben Safaris in Kenia bietet er genauso Langlaufreisen nach Finnland und Mountainbiketouren in Südafrika an.

Ein besonderes Anliegen ist ihm der 12-Stunden-LanglaufWettbewerb in Bärnkopf im Jänner 2022. „Den habe ich schon einmal in den 80er-Jahren organisiert, daher wird es Zeit für eine neue Ausgabe.“ Denn nicht nur am Rad, sondern auch auf Langlaufskiern fühlt sich Lackner wohl. „Alpinski ist aber schon seit 40 Jahren nichts mehr für mich. Ich war ja auch der erste Österreicher, der beim Heliskiing in Kanada dabei war.“ Da werden Ski- und Snowboarder mit einem Helikopter auf die Berggipfel geflogen und dürfen sich auf unberührtem Tiefschnee bewegen. „Seitdem gibt es keine Steigerung mehr und ich bin aufs Langlaufen umgestiegen.“ Daher freut er sich schon sehr auf den Winter, wechselt einfach vom Rennrad auf die Langlaufski. „Hauptsache in Bewegung“, sagt er: „Man muss eben etwas machen, das einen beschäftigt, ob es jetzt Sport oder etwa Programmieren oder Chinesischlernen ist, einfach irgendwas. Das ist im Alter entscheidend.“

www.crataegutt-seniorsracingteam.at 

 

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