Frauen im Sport: Von Sportart zu Sportart sehr unterschiedlich. Die Europäische Kommission hat sich im Jahresbericht 2014 der Gleichstellung von Frauen und Männern im Sport angenommen und eine "gendergerechte Haushaltsplanung" angeregt.

Erstellt am 01. Juni 2015 (15:36)
(v.l.) Sportjournalistin Janine Geigle, Beate Schrott (Leichtathletin), Susie Wolff (Formel1)
NOEN, BARBARA GINDL (APA)
Wie das in der Praxis gelebt wird, darüber diskutierten am Montag namhafte Vertreterinnen diverser Sportarten im Rahmen der Tagung der österreichischen Sportjournalisten-Vereinigung (SMA) in St. Pölten.

"Es hat sich schon viel Positives entwickelt"

In der Podiumsdiskussion mit der ehemaligen Fußball-Teamspielern Nina Aigner (nun in der Presseabteilung von Bayern München), Leichtathletin Beate Schrott, Janine Geigele, Präsidentin der Schweizer Sportjournalistenvereinigung, Boxerin Eva Voraberger, Formel 1-Testfahrerin Susie Wolff und der niederösterreichischen Sport-Landesrätin Petra Bohuslav wurde klar, dass Gleichberechtigung der Geschlechter von Sportart zu Sportart sehr verschieden ist. "Es gibt Luft nach oben, aber es hat sich schon viel Positives entwickelt, da dürfen wir jetzt nicht locker lassen", erklärte Bohuslav.


In der Leichtathletik etwa sind "Männer und Frauen sehr gleichberechtigt", berichtete Schrott, Olympia-Finalistin im Hürdensprint. "Es gibt für uns nicht große Unterschiede, ich fühle nicht, dass ich weniger Aufmerksamkeit bekommen würde", sagte die Niederösterreicherin.

Rennsport nach wie vor Männer-Domäne

Ein anderes Bild ergibt sich in der Formel 1. Die Schottin Wolff ist Testfahrerin und wird immer wieder ins Spiel gebracht, hat die Männer-Domäne aber noch nicht durchbrechen können. Gerade das wäre aber als Signal sehr wichtig. "Wir haben zwei Probleme: wir haben kein Vorbild, keine Frau, die regelmäßig am Start steht. Das bringt das zweite Problem: wenn nicht viele junge Frauen im Cart beginnen, haben wir nicht genug Mädchen im Motorsport", sagte Wolff.

Die 16 Cockpit-Plätze in den gefestigten Teams sind an Männer vergeben, dass sich daran bald etwas ändert, bezweifelt sie. "Es heißt, die Formel 1 braucht eine Frau: Ich bin da, ich habe gezeigt, dass ich es könnte. Jeder sagt, die F1 ist bereit für eine Frau, aber ich weiß nicht, ob das so ist", meinte Wolff.

"Frauenfußball ist in Köpfen schon angekommen"

Auch im Fußball trennen Männer und Frauen Welten. "Man sollte Männerfußball und Frauenfußball nicht miteinander vergleichen, weil der Frauenfußball nicht auf dieser Entwicklungsstufe ist", sagte daher Aigner, einst Legionärin bei Bayern München und nun in deren Presseabteilung tätig. "Aber Jammern bringt nichts. Frauenfußball ist in den Köpfen schon angekommen, da müssen wir jetzt weitermachen", sagte die Oberösterreicherin. Als "Highlight" und "unheimlich sympathische Nummer" erlebte sie jedenfalls die gemeinsame Meisterfeier des Frauen- und Männerteams des FC Bayern.

Eine Studie des britischen TV-Senders BBC in 56 Sportarten hat ergeben, dass in 30 Prozent dieser Sportarten die Männer mehr Prämien bekommen. Das ist aber nur ein Teil der finanziellen Geschichte, der zweite sind Sponsorendeals. Da, so waren sich die Diskutantinnen einig, sind aber auch die Frauen gefordert. "Frauen müssen sich besser verkaufen. Wir (Journalisten) suchen die Geschichten, die wir erzählen können. Der 100-m-Lauf bei den Männern ist so beliebt, weil das Showmänner sind", meinte Geigele etwa mit Blick auf Usain Bolt, der Leistung mit Action verbindet.

"Man braucht ein dickes Fell, das ist ein Haifischbecken"

Die Schweizerin weiß, wovon sie spricht, hat sie sich doch in einem Bereich durchgesetzt, der noch extrem von Männern dominiert wird. Im Schweizer Sportjournalismus liegt der Frauen-Anteil bei ca. 15 Prozent, viel anders wird es in Österreich auch nicht sein. Geigele hat mit 13 Jahren den ersten Radio-Beitrag gemacht, war mit 25 Jahren jüngste Fernseh-Moderatorin und kann von vielen ungewöhnlichen Begegnungen berichten. Etwa von falschen Antworten als Test, ob sie sich auch auskennt im Sport. "Man braucht ein dickes Fell, das ist ein Haifischbecken. Es ist und bleibt eine kleine Macho-Welt, diese Sport-Welt", erklärte sie.

Förderungen im Nachwuchs und ein Umfeld zu schaffen, das jenem der Männer nahe kommt, sollen helfen, die in vielen Bereichen herrschende Kluft zu reduzieren. "Wir haben in unserer Förderaktion 47 Prozent Mädchen, im Spitzensport ist es 50:50", erzählte Bohuslav, stellte aber klar: "Quote kann ich nicht hören, ich möchte nicht die Quotenfrau sein. Es geht schon um Leistung. Wenn man schaut, dass es Ausgeglichenheit gibt, ist das der bessere Weg."

Mehr Unterstützung für Sportlerinnen mit Kindern

Auch im gesamtgesellschaftlichen Bereich gilt es anzusetzen. Etwa wenn es darum geht, Sportlerinnen mit kleinen Kindern mit Betreuungseinrichtungen so zu unterstützen, dass sie Beruf und Familie unter einen Hut bringen können. Vielleicht auch durch finanzielle Unterstützung für eine Nanny oder weil der Mann für die Betreuung des Nachwuchses beruflich kürzer treten muss.

Im Funktionärsbereich gibt es ebenfalls Nachholbedarf, wie Bohuslav anhand von Niederösterreich zeigt. "Wir haben 56 Fachverbände, aber nur drei Präsidentinnen. Bei den Dachverbänden ist bei all den Präsidenten und Vize-Präsidenten nur eine Frau dabei. Es ist eine gesellschaftliche Diskussion, die Rolle der Frau mit Familie, Beruf und dazu die ehrenamtliche Arbeit. Man muss Frauen im Leben entlasten, damit sie sich solche Ehrenämter leisten können", sagte Bohuslav.