Benjamin Karls Liebe zum Board. Benjamin Karl traut sich unter gewissen Voraussetzungen bei der WM in Rogla seinen fünften Titel zu. Auch, weil er seine Liebe zum Snowboard neu entdeckt hat.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 24. Februar 2021 (02:38)
„Dieses Gefühl, auf der Kante zu fahren“, versetzt Benjamin Karl gerade in Verzückung. Ab Montag darf er das bei der WM zeigen.
APA/ Huter

Am Montag steigt im slowenischen Rogla der WM-Riesentorlauf. „Früher hätte ich mich voller Überzeugung hingestellt und gesagt: Das gewinne ich! Heute spielt‘s das so nicht mehr.“ Nicht, dass es dem vierfachen Weltmeister an Klasse oder gar an Selbstvertrauen mangeln würde, aber die Voraussetzungen haben sich in den vergangenen Jahren geändert.

Seit es das Single-Format gibt, wird pro Runde in einem Duell über Sieg und Niederlage entschieden, anstatt wie früher in zwei Läufen. „Vor allem die jungen Fahrer können dir mit einem Risiko-Lauf wehtun. So etwas gelingt ihnen aber meistens nur einmal. Früher hat man das im zweiten Lauf repariert. Jetzt geht das nicht mehr.“

Auch der einfache Hang in Rogla lässt die Breite an der Spitze wachsen. „Alleine in der Qualifikation war es zuletzt so, dass die ersten 16, die sich fürs Finale qualifizieren, innerhalb von sechs Zehnteln waren. Mit dem kleinsten Fehler bist du weg.“

Und dann wird das Wetter noch eine gewichtige Rolle spielen. Karl liebt es hart und eisig. Der 35-jährige Wilhelmsburger sieht sich bei diesen Bedingungen im Kreis der absoluten Topfavoriten auf den Weltmeistertitel.

Karl hat beste Erinnerungen an Rogla

Und da bestärkt ihn ein Blick in die Vergangenheit. Vor den Olympischen Spielen in Pyeongchang war Karl mit einem Knöchelbruch wochenlang out. In Rogla bot sich ihm damals die allerletzte Chance, noch auf den Olympiazug auf zu springen. „Am Montag wurde nominiert, und am Wochenende bin ich in Rogla Dritter und Erster geworden. Unter Druck und wenn die Bedingungen passen, kann ich richtig gut sein“, lächelt Karl verschmitzt. Damals war es hart und eisig...

Als gänzlich chancenlos sieht sich Österreichs erfolgreichster Snowboarder auch bei weichen Bedingungen nicht: „Auch dann werde ich konkurrenzfähig sein. Ich bekomme jetzt noch ein neues Board, das mir da hoffentlich helfen wird.“

Die größeren Medaillenchancen gibt sich der Wilhelmsburger im Riesentorlauf am Montag. Im Slalom, der am Dienstag gefahren wird, zeigte Karl zuletzt schwankende Leistungen. Bei den österreichischen Meisterschaften fuhr er zuletzt im ersten Lauf Bestzeit und war im zweiten eine Sekunde zurück.

Mental ist Karl jedenfalls bereit für seinen nächsten großen Coup. Auch, weil er just in der Corana-Pandemie seine Liebe zum Snowboarden neu entdeckt hat. „Weil man sonst ja nicht recht viel machen kann“, beschäftigte sich Karl mit dem Naheliegendsten umso intensiver. „Der Schwung und dieses Gefühl, auf der Kante zu fahren, das macht mir im Moment alles irrsinnige Freude.“ Der geborene Wettkämpfer Karl steht in Rogla also hoch motiviert und mit einem Lächeln am Start. Spätestens da sollten für die Konkurrenten die Alarmglocken läuten…