„Drei gedämpfe Monate“ – Benjamin Karls harter Sommer

Snowboardstar Benjamin Karl war im Sommer in einen tödlichen Verkehrsunfall verwickelt. Danach brauchte der Wilhelmsburger lange, um wieder zu sich zu finden.

Erstellt am 08. Dezember 2021 | 05:21
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Benjamin Karl
Benjamin Karl
Foto: APA/EXPA/JFK

NÖN: Am Wochenende beginnt die Weltcupsaison mit zwei Rennen in Russland. Wie sind Sie drauf? Was darf man erwarten?

Benjamin Karl: Das ist diesmal ganz schwer einzuschätzen. Wir hatten ehrliche gesagt eine schlechte Vorbereitung. Es war oft zu weich und es gab oft Neuschnee. Wir hatten maximal drei, vier gute Trainingstage und die ausschließlich beim Slalomtraining. Im Riesentorlauf hab‘ ich schon gar keine Erinnerung mehr daran, wann der letzte perfekte Trainingstag war.

Und in Russland ist kaltes Wetter und eine harte Piste zu erwarten?

Karl: Muss gar nicht sein. Zuletzt hatte es dort auch Plusgrade. Vielleicht passte unsere Vorbereitung für die Rennen am Wochenende sogar perfekt? Das Problem ist halt, dass man ganz schwer ein gutes Gefühl aufbauen kann.

Das Saisonhighlight wartet ohnehin erst im Februar mit den Olympischen Spielen…

Karl: Richtig. Der komplette Fokus in dieser Saison liegt bei diesem einen Rennen.

Wer Ihren Weg verfolgt hat weiß, dass Ihnen nur noch Olympiagold zur perfekten Karriere fehlt. Wie bereitet man sich auf dieses eine Rennen vor, ohne zu verkrampfen?

Karl: Keine Sorge, ich verkrampfe nicht. Dafür habe ich diese Situationen schon zu oft erlebt. Olympiagold ist ein Ziel, das mich motiviert, aber seelisch wird mir nichts abgehen, wenn ich nicht gewinne. Ich will das aber gewinnen, das ist ganz klar. Es wird drauf ankommen, wer an genau diesem Tag seine Nerven im Griff hat.

Und das liegt Ihnen?

Karl: Glaub schon (lacht). Zumindest ist mir das bei meinen fünf Weltmeistertiteln gut gelungen.

Sie sind 36. Das müssen dennoch nicht Ihre letzten Olympischen Spiele sein. Richtig?

Karl: Vollkommen richtig.

Nerven die Fragen nach Ihrem Karriereende?

Karl: Sie werden lustigerweise wieder weniger. Ich hab‘ ja klar gesagt, dass ich noch länger fahren will.

Sie waren im Sommer in einen tödlichen Verkehrsunfall verwickelt. Wie geht’s Ihnen damit?

Karl: Mittlerweile besser. Der Sommer war aber hart. Ich weiß nicht, ob das damit im Zusammenhang stand, aber ich habe dann auch meine erste Corona-Impfung nicht so gut vertragen. Das waren dann drei Monate, die ein wenig gedämpft waren. Monate, in denen ich nicht ich selbst war. Die Familie hat mir in dieser Zeit extrem viel geholfen.

Haben Sie auch professionelle Hilfe gesucht?

Karl: Ja, habe ich. Beziehungsweise haben wir, denn auch meiner Frau ist es nach dem Unfall nicht gut gegangen. Ich kann nur sagen, dass mir das extrem leid tut. Es war einfach ein Unfall. Ich würde es gerne ändern, aber ich kann nicht.

Ihre Frau Nina kann also wieder ruhig schlafen, wenn Sie weg sind?

Karl: Genau darum ging’s. Ich bin ein Vertrauensmensch. Wenn ich ständig im Hinterkopf gehabt hätte, dass zuhause jemand sitzt und Angst um mich hat, dann wäre das extrem belastend gewesen.

Sie haben Ihre erste Corona-Impfung angesprochen. Sind Sie zur zweiten gegangen?

Karl: Ich habe wirklich überlegt, bin aber dann bei uns zuhause einfach in die Impfstraße gegangen, weil ich die Impfung in Summe doch für das Richtige halte. Bei diesem Thema halte ich mich aber zurück, weil ich finde, dass da jeder selbst nachdenken und draufkommen soll, was für ihn und für die Allgemeinheit das Beste ist.