Sport und Wirtschaft lernen voneinander

Erstellt am 22. September 2022 | 17:36
Lesezeit: 4 Min
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Foto: Daniel Hinterramskogler
Sport- und Wirtschafts-Landesrat Jochen Danninger lud namhafte Vertreter aus diesen beiden Bereichen nach Grafenegg um miteinander zu diskutieren. Und, um voneinander zu lernen. Vor allem die Herausforderungen beim Rekrutieren neuer Mitarbeiter verbindet, gestaltet sich bei Sportvereinen aber als äußerst schwierig.
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150 interessierte Zuhörer kamen in die Reithalle nach Grafenegg, um den Worten von Olympiasiegerin Michaela Dorfmeister, Tennispräsident Martin Ohneberg oder den Wirtschaftsgrößen Christian Kohl (Drei) und Katharina Schneider (Media Shop) zu lauschen. Eingeladen hatte Landesrat Jochen Danninger, der das derzeit dringlichste Problem von Sport und Wirtschaft benannte: „Die Energiekrise setzt unsere heimischen Sportvereine und Betriebe massiv unter Druck, so dass viele derzeit nicht wissen, wie sie die dramatischen Kostensteigerungen stemmen sollen. Deshalb brauchen wir umfassende Unterstützungsmaßnahmen der Bundesregierung, um Firmenpleiten und ein Ausdünnen der Sportlandschaft abzufedern.“

Zwei Drittel der NÖ-Betriebe klagen über Personalmangel

Eine der größten Herausforderungen für den Wirtschafts- und Sportstandort Niederösterreich ist derzeit der Mitarbeitermangel. Beinahe zwei Drittel der niederösterreichischen Unternehmen können eine oder sogar mehrere Stellen nicht dauerhaft besetzen und sind vom Personalmangel betroffen.

Auch im Sport ist der Trend zum Ehrenamt rückläufig. Obwohl mehr als 20 Prozent aller ehrenamtlichen Niederösterreicherinnen und Niederösterreich im Sport tätig sind, sehen sich unzählige Vereine derzeit mit fehlenden Arbeitsressourcen konfrontiert.

Unternehmen stehen mittlerweile in der Pflicht um potenzielle Mitarbeiter zu werben und diverse Modelle, wie eine 4-Tage-Woche oder Remote Working, liegen im Trend. Auch Sportvereine müssen sich an die aktuellen Gegebenheiten anpassen und dieser Kampf ist extrem wichtig, da die Ehrenamtlichen das Rückgrat der Sportlandschaft sind. Durch ehrenamtliche Tätigkeiten in der niederösterreichischen Sportlandschaft wird jährlich ein Mehrwert von rund 10 Millionen Euro generiert.

Für die Wirtschaftsbetriebe benennt Katharina Schneider die Stoßrichtung in der Podiumsdiskussion klar: „Die Zeiten in denen man Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit rein monetären Anreizen gewinnen konnte sind vorbei. Es geht mittlerweile vielmehr um die Sinnstiftung, also das ‚Warum‘. Als Managerin ist man gleichzeitig Coach und Trainer, um Mitarbeiter zu unterstützen und für das Unternehmen zu begeistern. Mentale Gesundheit wird uns alle immer mehr beschäftigen und ist wichtiger denn je“, sagte die Media-Shop-CEO.

Lösungsansatz: Sich im Verein nützlich fühlen

Mit monetären Anreizen konnte der Sport umgekehrt ohnehin noch nie wirklich dienen. Für Hikmet Ersek (Erste Bank) ist der Wohlfühlfaktor ein Schlüssel zum Erfolg: „Personen müssen sich wohlfühlen, damit sie eine Aufgabe gerne ausüben. Das gilt in der Wirtschaft, aber insbesondere vor allem bei ehrenamtlichen Vereinstätigkeiten. Es ist wichtig, dass Vereine ihre Werte definieren und diese nach außen tragen, denn es gibt keine besseren Botschafter als zufriedene Arbeitskräfte. Wenn sich beispielsweise die Kinder in einem Verein wohlfühlen und gut betreut werden, dann helfen auch die Eltern viel lieber mit.“

Ewald Manz (Odgers Berndtson) unterstreicht die Vielseitigkeit eines Vereins als großes Plus bei der Suche nach Ehrenamtlichen: „Sportvereine und -verbände haben tolle Möglichkeiten, weil das Umfeld sehr vielfältig ist und sehr viel Spielraum für persönliche Entfaltung und Erfahrungen bietet. Dazu zählt die Betreuung der Social-Media-Kanäle, die Organisation von Events, das Fotografieren bei Wettkämpfen usw. Jeder von uns hat persönliche Interessen und Leidenschaften, die womöglich auch sehr wertvolle Erfahrungen für den späteren Berufsweg darstellen. Und genau darum geht es auch in der Akquise neuer Helferinnen und Helfer – man muss die Interessen der potenziellen Helfer und Helferinnen erkennen und die Vorteile daraus aufzeigen – und nicht nur Verantwortung übertragen und die Leute ins kalte Wasser stoßen.“