Steiniger Weg auf den „WM-Gipfel“. Nach seiner Dopingsperre will sich der Göstlinger Johannes Dürr zurückkämpfen.

Von Wolfgang Wallner und Armin Grasberger. Erstellt am 08. Januar 2019 (01:00)
privat/Evi Schwarzl
Die Familie gibt Kraft. Johannes Dürr mit Freundin Kathi Schwarzl, Sohn Noah und Kathis Nichte Hedi. Der Göstlinger arbeitet als Zollbeamter in Innsbruck, investiert jede freie Minute in den Sport.

Europacup statt Olympia-Bühne. Der Traum, noch auf den WM-Zug für die Titelkämpfe im Februar in Seefeld aufzuspringen, lebt. Auch, wenn Johannes Dürr nicht wie einst der Konkurrenz um die Ohren fährt. „Noch war die Form für einen wirklichen Sprung nach vor nicht da, aber ich bin auf Europacup-Niveau unterwegs“, sagt der mittlerweile 31-Jährige.

2014 in Sotschi war der Name Dürr in aller Munde. Als „Betrüger“, als EPO-Dopingsünder. Zwei Jahre Sperre fasste der Göstlinger aus. „Es war für alle in meinem Umfeld keine leichte Zeit. Meine Mutter musste sich oft genug anhören, was für ein Verbrecher ihr Bub nicht sei.“

"Das ist die einzige Möglichkeit"

Doch der Langlauf ließ ihn nicht los. Das große Ziel: ein Staffelstart in Seefeld. Dafür schwitzt Dürr in Eigenregie, abseits des österreichischen Skiverbandes. Via Crowdfunding stellte der Niederösterreicher 35.000 Euro für seinen „Weg zurück“ auf. So lautet auch der Titel seines Buches mit dem Autor Martin Prinz, das dieser Tage erscheint. „Ich will meine Geschichte auf offensive Art und Weise aufarbeiten. Das ist die einzige Möglichkeit.“ 14 Monate ist’s her, da wollte Dürr noch alles hinwerfen. „Ohne richtiges Ziel dahinzutrainieren, nur mit 50 Prozent, und trotzdem viel Zeit dafür aufzuwenden, das war unfair gegenüber allen, die mir nahe stehen.“

Es noch einmal zu probieren, das war er seinem Sohn schuldig: „Irgendwann wird ihn jemand auf mich und meine Geschichte ansprechen“, ist sich Dürr sicher. „Wenn sich dann alles auf Sotschi konzentriert, das kann ich ihm nicht antun.“

Rang fünf über zehn Kilometer Mitte Dezember in Campra (Schweiz) war das Highlight. Der Weg zurück zum Gipfel ist steinig. Und: „Das Thema Doping ist nach wie vor präsent. Ich war nicht der Erste und ich werde nicht der Letzte sein. Ich kann junge Sportler sensibilisieren, damit sie nicht denselben Fehler machen wie ich.“