Alexandri-Sisters: Erste Medaille macht Lust auf mehr

Erstellt am 19. Juni 2022 | 20:43
Lesezeit: 5 Min
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"Lass dich drücken!" Anna-Maria, Vasiliki und Eirini Alexandri nach ihrem Triumph
Foto: APA/David Ryborz
Südstadt-Sportlerinnen holten erste WM-Medaille für den Österreichischen Schwimmverband überhaupt. Auch der Bad Vöslauer Ausnahmeschwimmer Felix Auböck mischte sich unter die Gratulanten.
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Blau-gelber Jubel in Budapest! Nach der bronzenen Erlösung strahlten Anna-Maria und Eirini Alexandri auf dem Podium am Szechy Tamas Outdoor Pool mit der Sonne um die Wette. Um den Hals des österreichischen Synchron-Duos baumelte die ersehnte WM-Medaille. Mit Bronze bei den Schwimm-Weltmeisterschaften in Budapest gelang den beiden in der Südstadt stationierten Drillingsschwestern der größte Erfolg ihrer Karriere.

Der Lohn harter Arbeit

Nach zwei EM-Bronzenen 2021 in der ungarischen Hauptstadt und Platz sieben bei Olympia in Tokio feierten die 24-Jährigen den nächsten historischen Erfolg. Es ist der Lohn für die harte Arbeit der letzten Jahre, in denen sie sich in den Ergebnislisten des Synchronschwimmens stetig nach oben gearbeitet haben. Bei der EM 2021 belohnten sie sich erstmals mit Bronze in Technik und Solo.

Die magische Marke übertroffen

Die Wertungsrichter wurden nach und nach mehr überzeugt, mittlerweile übertrifft das Duo die magische Marke von 90 Punkten regelmäßig. Neue Dimensionen von mehr als 92 Punkten sollen bald häufiger erreicht werden. Die besseren Bewertungen seien auch eine Folge der Corona-Pandemie, glauben die Alexandris. Lange gab es keine Wettkämpfe, die Wertungsrichter würden daher mit anderen Augen auf die artistischen Schwimmerinnen blicken. "Alle haben gesagt, wir bekommen endlich das, was wir uns verdienen", sagte Eirini zuletzt.

Ein flauschiger Glücksbringer

Auch die gemeinsame Arbeit mit Star-Choreograf Stephan Miermont trägt Früchte. Bei ihrer Bronze-Vorstellung bei der WM hatte die Technische Kür ein ganz besonderes Thema. "Da sind wir Kämpferinnen", erklärte Eirini. Außerdem brachten den gebürtigen Griechinnen ein kleines Polsterchen mit einer aufgenähten Österreich-Fahne sowie ein Stofftier Glück. Die dritte Drillingsschwester Vasiliki, die in den Solo-Bewerben im Einsatz ist, vertraut auf ihr Stofftier Stitch aus dem Disney-Zeichentrickfilm "Lilo und Stitch".

Die Alexandri-Drillinge sind seit fast genau zehn Jahren in Österreich und wurden schließlich am 3. Juni 2014 eingebürgert. Die sportliche Zukunft hat für die Schwestern zumindest noch einen ganz großen Höhepunkt zu bieten: Olympia 2024 in Paris. Gemeinsam mit Trainerin Albena Mladenowa wird dann in naher Zukunft an weiteren historischen Momenten gearbeitet werden.

Die ungarische Metropole ist jedenfalls ein guter Boden für die Schwestern.
"Wir lieben Budapest! Wir können es nicht glauben, das war unser Ziel", sagte Eirini Alexandri überglücklich in der Mixed Zone auf der sonnigen Margareteninsel in Budapest. "Wir waren sehr aufgeregt, aber jetzt sind wir sehr erleichtert." Auch die beiden Medaillen bei den Europameisterschaften hatte das Duo in der ungarischen Hauptstadt geholt.

Süssigkeiten statt Medaillenparty

"Schade, dass keine Olympischen Spiele in Budapest stattfinden", sagte Eirini und lachte. "Wir fühlen uns wie zuhause, das Wasser ist viel leichter als in Österreich", ergänzte Anna-Maria. Bei den Sommerspielen in Tokio waren sie noch auf dem siebenten Platz gelandet. Als Belohnung für WM-Bronze planten die Schwestern allerdings keine große Feier: "Wir essen ein paar Süßigkeiten, alles, was es im Hotel gibt", sagten sie und grinsten.

Lob von der Trainerin

Auch Trainerin Albena Mladenowa war sichtlich zufrieden. "Es war ein langer Weg. Da steckt so viel Arbeit dahinter", sagte sie. "Sie sind so konzentriert, haben eine unglaubliche Ausdauer und Disziplin und sind immer bereit, zu arbeiten. Sie haben eine unglaubliche Motivation." Damit meinte Mladenowa auch Drillingsschwester Vasiliki, die sich zuvor über die verpasste Medaille im nicht olympischen Solo-Bewerb am Samstag geärgert hatte.

Tränen der Freude

Ihre Schwestern widmeten "Vaso" die Medaille. "Sie verdient es genauso. Sie ist sehr gut geschwommen, hatte eine Medaille verdient", betonte Eirini. Die Solo-Kämpferin arbeite genauso hart und sei auf dem gleichen Niveau wie ihre Schwestern. Nach der Medaillenentscheidung gab es eine innige Umarmung neben dem Becken, auch Freudentränen flossen.

In Abwesenheit der russischen Olympiasiegerinnen, die in den vergangenen Jahrzehnten ein Gold-Abo bei Großereignissen gehabt hatten und aufgrund des Angriffskrieges in der Ukraine von der WM ausgeschlossen worden waren, gelang den Alexandri-Schwestern im Finale ein persönlicher Punkterekord. Sie steigerten sich im Vergleich zu ihrer Bewertung bei Platz drei im Vorkampf (90,2869) noch einmal deutlich.

Premiere für Österreich...

Für den Österreichischen Schwimmverband (OSV) war es die erste Medaille bei Weltmeisterschaften im Synchronschwimmen - und die erste bei diesen Schwimm-Titelkämpfen. Auch Österreichs Schwimm-Star Felix Auböck gratulierte den Medaillengewinnerinnen.

... und Glückwünsche von Auböck

"Ich freue mich für sie, weil ich sie schon so lange kenne. Ich habe sie am ersten Tag kennengelernt, als sie vor zehn Jahren von Griechenland nach Österreich gekommen sind", sagte der Kurzbahn-Weltmeister  aus Bad Vöslau. über die gebürtigen Griechinnen: "Es ist toll zu sehen, dass sie es jetzt geschafft haben."

Lust auf mehr

Nun planen die Alexandri-Drillinge eine Draufgabe in der Freien Kür, wo die Medaillen am Mittwoch (Solo) und Donnerstag (Duett) vergeben werden. "Wir wollen wieder Bronze", kündigte Eirini an. Und auch Vasiliki könne Edelmetall gewinnen. Diese hatte zuvor scharfe Kritik an den Bewertungen der Kampfrichter geübt. "Ich bin sehr enttäuscht. Nicht von mir, nicht von meiner Leistung, NUR von den Resultaten", schrieb sie einen Tag nach dem fünften Platz in der Technischen Kür auf Instagram.

Mehr als 30 Wegbegleiter wie Kampfrichter, Trainer und Athleten hätten sie auf einem Medaillenplatz gesehen. Das sei "eine Bestätigung meiner Leistung" gewesen, ergänzte Vasiliki Alexandri, "und dessen, was ich meiner Meinung nach im Finale verdient gehabt hätte. Aber so ist das Leben." Und Trainer Mladenowa ergänzte: "Dieser Sport ist schwer, weil es nicht immer objektiv läuft."