Koller: „Wollen uns qualifizieren“. Der Schweizer ÖFB-Teamchef (53) ist von einer erfolgreichen Qualifikation für die EM 2016 überzeugt. Der Mödlinger Marc Janko bleibt ein Fixpunkt in seinen Überlegungen.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 01. September 2014 (02:02)
NOEN, Erich Marschik
Teamchef Marcel Koller (l.) strahlte im Gespräch mit NÖN-Sportchef Bernhard Schiesser (r.) große Zuversicht aus. Foto: Erich Marschik

NÖN: Die Nationalmannschaft hat seit Oktober kein Pflichtspiel mehr bestritten. War Ihnen schon langweilig?
Marcel Koller: Nein, die Zeit ging schnell vorbei. Jetzt sind wir wieder mittendrin. In wenigen Tagen spielen wir gegen Schweden. Schön, dass dieses Kribbeln wieder da ist.

„Verbissenheit und die Bereitschaft, ans Limit zu gehen, sind notwendig“

Wir haben mit den Schweden noch eine Rechnung offen. Was hat bei der letzten Qualifikation gefehlt?
Fünf Minuten (lacht). Nein, wir haben im entscheidenden Match in Schweden auch taktische Fehler gemacht. Ich habe damals in der Halbzeit darauf hingewiesen, dass die Schweden jetzt früher attackieren werden. Wenn einige Spieler dann trotzdem überrascht sind und die letzte Konsequenz und Verbissenheit vermissen lassen – okay – dann geht es in die falsche Richtung. Diese Verbissenheit und die Bereitschaft, ans Limit zu gehen, sind notwendig, denn wir wollen uns qualifizieren.

Ein Auftaktsieg nächsten Montag gegen Schweden wäre der erste Schritt dazu. Zlatan Ibrahimovic ist angeschlagen. Ist Schweden ohne seinen Superstar nur eine Durchschnittsmannschaft?
Sie haben natürlich auch noch andere gute Spieler. Aber einen anderen Spieler mit einer derart hohen individuellen Qualität haben sie nicht. Ich glaube auch, dass sie ohne Ibrahimovic taktisch anders spielen werden. Sie haben zuletzt zweimal ein 4-3-3 getestet. Wir werden unsere Mannschaft jedenfalls auf beides vorbereiten.

„Wenn Marc Janko fit ist, ist er ein wichtiger Spieler für uns“

Nicht nur Schweden, auch Österreich hat Baustellen – etwa im Sturm. Wie problematisch ist es, dass der Mödlinger Marc Janko nach Australien gewechselt hat?
Ich sehe das völlig entspannt. Wir werden jetzt einmal schauen, wie er sich im Training präsentiert. Wenn er fit ist, ist er ein wichtiger Spieler für uns. Australien hat auch ein Nationalteam. Dessen Spieler spielen auch nicht alle in Australien und kommen von überall her. Die waren bei der Weltmeisterschaft dabei. Es kann also nicht so sein, dass man aufgrund der Reisestrapazen nicht mehr im Team spielen kann. Das ist hauptsächlich eine Kopfsache.

Wenn die Rechnung mit Janko als Center-Stürmer nicht aufgeht, spielt ein System mit einer „falschen Neun“ in Ihren Überlegungen eine Rolle?
Sollte es mit Janko nicht funktionieren, dann werden wir für diese Position eine andere Lösung suchen. Es ist aber nicht gut, dem ganzen Team kurzfristig ein neues System zu verpassen. Da wäre alles nervös und hektisch.

„Fuchs ist ein zentraler Bestandteil für das Nationalteam“

Nicht nur beim System ist Kontinuität Ihr Markenzeichen, auch in Sachen Kaderzusammenstellung halten Sie mit Nibelungentreue an Ihren Spielern fest. Bleibt das auch in dieser Qualifikation so?
Die Spieler müssen unsere Grundidee kennen und verstehen. Das ist bei Spielern, die schon öfter dabei waren leichter. Wir halten aber natürlich immer die Augen offen nach Spielern, die uns weiterhelfen. Die Auswahl ist jetzt sicher größer als bei meinem Amtsantritt vor zweieinhalb Jahren. Es ist auch nicht gesagt, dass für Spieler die diesmal fehlen – zum Beispiel Ivanschitz oder Weimann – die Tür für immer zu ist.

Mit dem Pittener Christian Fuchs und dem Wullersdorfer Markus Suttner stehen zwei weitere Niederösterreicher in Ihrem Aufgebot. Wie beurteilen Sie ihre Entwicklung?
Fuchs hatte über Monate Knieprobleme, dürfte jetzt aber wieder topfit sein. Das ist gut für uns, weil er für das Team ein zentraler Bestandteil ist. Suttner wird mit dem Nationalspielerstatus bei der Austria natürlich anders beurteilt. Damit muss er lernen umzugehen.