Dicke Luft im Tennis- Team. Jürgen Melzer (l.) ist mit der Absage von Dominic Thiem (r.) für das Davis Cup-Duell gegen Lettland alles andere als einverstanden. Die Luft knisterte bei der Pressekonferenz zur „Erste Bank Open“, dem ATP-Turnier in der Wiener Stadthalle.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 08. September 2014 (05:02)
NOEN, Jacqueline Godany

Altstar Jürgen Melzer hatte Jungspund Dominic Thiem im Vorfeld ordentlich den Marsch geblasen. Grund: Der 21-jährige Shootingstar der rot-weiß-roten Tennisszene hat für das Davis Cup-Duell gegen Lettland abgesagt.

Fragen zum Davis Cup bei Pressekonferenz nicht erwünscht

„Ansonsten wäre nur über dieses eine Thema gesprochen worden“, begründet Medienbetreuer Karlheinz Wieser. „Ich glaube, ich bin wegen des Turniers in der Stadthalle hier“, blockte der Lichtenwörther Thiem schon zarte Versuche des Nachfragens ab.

Jürgen Melzer machte seinem Ärger schon zuvor Luft und zeigte sich von Thiems Absage persönlich enttäuscht: „Ich bin auch das eine oder andere Mal müde gewesen, habe aber für mein Land gespielt“, äußerte der Deutsch-Wagramer Kritik am ÖTV-Youngster. Davis Cup ja oder nein sei eine Grundsatzentscheidung. Eines ist für Melzer klar: „Mit Dominic Thiem wären wir um einiges stärker.“

Thiem "braucht einfach eine Pause“

Thiems Verteidigung übernahm sein Trainer Günter Bresnik, der sich dann doch zur Causa äußerte: „Jegliche Kommentare von Leuten, die nicht wissen, warum man absagt, empfinde ich als entbehrlich. Hat Jürgen immer Davis Cup gespielt? Ich glaube nicht.“ Bresnik nennt den Grund für Thiems Absage: „Er braucht einfach eine Pause.“

Ins Turniertennis greift Thiem wieder in der letzten September-Woche in Kuala Lumpur ein: „Da habe ich jetzt zwei Wochen Zeit, mich zu erholen und zu regenerieren.“ Und zu trainieren. Sein Trainer Günter Bresnik will in dieser Zeit an Beinarbeit und Schnelligkeit arbeiten. Am Montag soll mit Ernests Gulbis sein zweiter Schützling zum Training in Wien landen. „Ausgemacht ist es so“, sagte Bresnik. Für ihn ist es daher nicht denkbar, dass der 26-jährige Gulbis nächste Woche im Davis Cup gegen Österreich spielt – auch wenn er im lettischen Aufgebot steht.

So wirklich sicher ist sich im Lager der Österreicher deshalb niemand, dass die Nummer zwölf des ATP-Rankings den am Freitag beginnenden Länderkampf – dem Relegationsspiel in der Europa-Afrika-Zone – ebenso wie Thiem auslässt. „Mit Dominic Thiem wären wir um einiges stärker. Sollte Gulbis spielen, wird das sehr, sehr eng“, weiß Melzer. Bresnik meint, es besser zu wissen: „Lettland darf keine Hürde sein. Ich weiß nicht, ob die überhaupt vier Leute für ein ordentliches Team stellen können. Ich glaube, nach Gulbis steht der nächstbeste Lette zwischen 700 und 800 in der Weltrangliste.“ Neben Thiem verzichtet mit Andreas Haider-Maurer ein zweiter Niederösterreicher freiwillig auf den Davis Cup.

Bresnik kontert Melzer-Kritik: „Aussagen sind entbehrlich.“

Viele sehen Thiems Absage als Retourkutsche für den Streit des Thiem Clans mit dem ÖTV und Präsident Ronald Leitgeb bzgl. des gekündigten Fördervertrages (die NÖN berichtete). Bresnik dementiert das, legt aber nach: „Es taugt mir nicht, wie Leitgeb mit der Sache umgeht. Erst löst er einen Vertrag auf und dann beschwert er sich auch noch.“

Über das Stadthallenturnier wurde übrigens auch gesprochen. Thiem ist das neue Aushängeschild. Der zweifache Sieger Melzer ist auch dabei.