Thiems Zeit kommt noch. Im Finale der Australian Open brachte Dominic Thiem den „Djoker“ ins Schwitzen und machte Werbung in eigener Sache.

Von Wolfgang Wallner. Erstellt am 04. Februar 2020 (01:43)
Saeed Khan/AFP

Das Känguru-Tattoo auf der Haut von Karin Thiem muss noch warten. Für jeden Turniersieg von Sohn Dominic lässt sich die Lichtenwörtherin stechen. Am Sonntag durfte der Tätowierer seine Instrumente schon bereitlegen – bis nach vier Stunden Fight doch Novak Djokovic in seinem australischen Wohnzimmer die Oberhand behielt. Der serbische Superstar zollt dem 26-jährigen Niederösterreicher Respekt: „Dominic hat noch viel Zeit vor sich, wird mehr als ein Grand-Slam-Turnier gewinnen.“

Davon ist auch Alexander Antonitsch überzeugt. Der ehemalige ATP-Profi mit NÖ-Connections pflichtet dem „Djoker“ bei: „Bis Dominic sein erstes Grand-Slam-Turnier gewinnt, ist‘s nur eine Frage der Zeit. Da sind sich die Experten einig.“ Bei seinem dritten Major-Finale war Thiem so nah dran am Sieg wie noch nie. „Sehr viel kann ich mir nicht vorwerfen“, sagt der Weltranglisten-Vierte (auf den Dritten Roger Federer fehlen jetzt nur mehr 85 Zähler im ATP-Ranking) nach der Fünf-Satz-Niederlage. Mit 4:6, 6:4,6:2,3:6 und 4:6 musste sich Thiem beugen. Für Novak Djokovic war‘s der bereits achte Triumph bei den Australian Open.

„Dominic hat noch viel vor sich, wird mehr als ein Grand-Slam-Turnier gewinnen.“ Melbourne-Sieger Novak Djokovic über Thiem

Der bärenstarke Return des Routiniers war wohl der Knackpunkt. „Djokovic hat in den Sätzen vier und fünf enorm viel Qualität zurückgebracht. Das merkst du als Aufschläger, nimmst noch mehr Risiko“, analysiert Antonitsch. „Unterm Strich hat Dominic ein paar Fehler zu viel gemacht.“ 62 Punkte machte der Serbe mit seinen Rückschlägen, Thiems Returns brachten 39 Zähler ein.

„Nichtsdestotrotz war‘s großartig, was Dominic in diesen zwei Wochen geleistet hat“, schwärmt Antonitsch. Vom Wirbel rund um den vorzeitigen Schlussstrich hinter dem Engagement von Thomas Muster „redet schon heute niemand mehr“.

Der Niederösterreicher sei am Sonntag „ganz nah dran gewesen“, glaubt der 53-Jährige. Das sieht auch Thiem so: „Wenn ich diesen einen Breakball im vierten Satz genutzt hätte, würde ich hier als Sieger sitzen.“ So aber machte Djokovic im fünften Satz den Sack zu, ganz im Stil eines Champions. „Seine enorme Routine, die Erfahrung von 17 Grand-Slam-Titeln spielt sicher eine Rolle“, weiß Antonitsch. Und: Thiem stand im Turnierverlauf sechs Stunden länger am Platz. Topfit präsentierte er sich dennoch: „Auch im fünften Durchgang hatte Dominic noch Chancen.“