Unendliche Geschichte um Djokovic: Diskussion auch in heimischer Szene

Australien annulliert neuerlich das Visum des serbischen Tennisstars. Auch in der heimischen Szene sorgt der Streitfall für Diskussionsstoff.

Erstellt am 14. Januar 2022 | 15:54
Lesezeit: 3 Min
Unendliche Geschichte um Novak Djokovic Tennis
Tauziehen um Antreten des ungeimpften Superstars: Novak Djokovic pocht auf Start bei den Australian Open. Foto: APA/AFP/William West
Foto: APA/AFP/William West

Die Causa Novak Djokovic entwickelt sich zur unendlichen Geschichte. Der Ausnahmecrack war ohne Impfung nach Australien eingereist.

Nach dem angekündigten Einspruch seiner Anwälte gegen die erneute Annullierung seines Visums für Australien soll nun eine Anhörung vor dem Bundesgericht am Sonntag Klarheit über eine Teilnahme des Serben bei den am Montag beginnenden Australian Open bringen. Das entschied Richter Anthony Kelly bei einer Anhörung am Freitag. Titelverteidiger Djokovic ist nach wie vor in der Auslosung und soll am Montag erstmals spielen.

Bis dahin darf Djokovic nicht abgeschoben werden. Für den Weltranglisten-Ersten ist zudem am Samstag um 8.00 Uhr Ortszeit eine Anhörung bei der Einwanderungsbehörde anberaumt. Anschließend kann er von 10.00 Uhr bis 14.00 Uhr mit seinen Anwälten den Gerichtstermin am Sonntag vorbereiten. Bis dahin muss er nicht in Abschiebehaft.

„Das kann es nicht sein“

Die Causa Djokovic sorgt auch in der heimischen Szene für jede Menge Diskussionsstoff. Wie etwa beim TC Harland.

„Wenn nur die Hälfte der Meldungen über die Causa Djokovic stimmt, hat er den Bogen bei weitem überspannt“, findet Obmann Dietmar Sedletzky. „Djokovic sollte sich seiner weltweiten Vorbildwirkung bewusst sein. Die australischen Bewohner tragen die rigorosen Sanktionen ihrer Regierung seit fast zwei Jahren und dann kommt ein Sportler und da ist alles egal? Das kann es nicht sein.“

Sedletzky freut sich über die Entscheidung von Österreichs Tennisaushängeschild Dominic Thiem, sich impfen zu lassen. Ich persönlich freu mich über die Impfung unseres D. Thiems. Es ist sicher nicht leicht, wenn man einsehen muss, dass man den falschen Weg eingeschlagen hat. Ich ziehen meinen Hut vor allen, die ihre Covid-Meinung nach anfänglicher Skeptis ändern.

Minister streicht Visum „im öffentlichen Interesse“

Das Visum des ungeimpften Djokovic war zuvor in einer persönlichen Entscheidung von Einwanderungsminister Alex Hawke ein zweites Mal für ungültig erklärt worden. Dies sei gut begründet und "im öffentlichen Interesse", hatte der Minister mitgeteilt. Djokovic ist nicht gegen das Coronavirus geimpft und deswegen eine umstrittene Person in dem Land, das seit Beginn der Pandemie harte Regeln aufgestellt hat.

Djokovics Anwalt Nicholas Wood kündigte umgehend einen Einspruch gegen die Entscheidung an und drängte darauf, keine Zeit zu verlieren. "Jede Minute, bevor das Turnier am Montag beginnt, ist kostbar", sagte Wood bei der Anhörung vor Richter Anthony Kelly. Zugleich kritisierte der Jurist, dass die Entscheidung "irrational" und unverhältnismäßig gewesen sei.

Becker springt in die Bresche

Der ehemalige deutsche Weltklasse-Spieler Boris Becker sieht eine ungerechte Behandlung des Weltranglistenersten: "Man muss seine Entscheidung respektieren. Nur weil man sich nicht impfen lässt, ist man nicht automatisch ein schlechter Mensch." Becker ergänzt: „Er ist im guten Glauben nach Australien geflogen, eine gültige Einreisegenehmigung zu besitzen. Wären die Papiere, die er erhalten hat, nicht in Ordnung gewesen, wäre Novak niemals in den Flieger gestiegen. Er ist ja schließlich kein Idiot."

Bei ihrer Entscheidung weiß die Regierung allerdings die große Mehrheit der Australier hinter sich: Einer Umfrage der Mediengruppe News Corp zufolge befürworten 83 Prozent der Befragten den Versuch, Djokovic wieder des Landes zu verweisen.

Die Impfquote in Australien liegt bei 91 Prozent, viele Menschen sind über Ausnahmen für Ungeimpfte empört. Sie hatten sich zudem in der Pandemie massiv einschränken müssen, als sie den weltweit längsten Lockdown über sich ergehen lassen mussten. Zuletzt stieg die Zahl der Neuinfizierten wieder stark an.

Ungeachtet dessen sorgt der Fall Djokovic weltweit für Diskussionen und sogar auch für diplomatische Spannungen zwischen Australien und Serbien. Zudem nahm die weltweite Debatte über Rechte für Ungeimpfte an Fahrt auf. Djokovic gilt als Impfskeptiker.

Die ersten Reaktionen von serbischen Medien spiegeln die aufgeheizte Stimmung wider. "Unglaublich, was der (australische) Minister als Begründung angibt: die öffentliche Gesundheit und das Gemeinwohl. Und das in einem Land, das täglich 150.000 Neuinfektionen hat!", schrieb "telegraf.rs" und befand: "Das ist verrückt!". "Die Verfolgung des Novak", schrieb "blic.rs."und "informer.rs" sah in einer Karikatur einer australischen Zeitung gar als Beleg für "Lynchstimmung".

Geäußert hat sich u.a. auch Andy Murray, der am Freitag in Sydney ins Finale eingezogen ist. "Ich werde nicht hier sitzen und auf Novak hintreten, während er am Boden ist. Ich habe es schon gesagt, es ist für niemanden eine gute Situation."