Triathlon Challenge: Wachablöse bei Herren und Lucy vom anderen Stern

Aktualisiert am 29. Mai 2022 | 19:56
Lesezeit: 8 Min
Rund 1.500 Athletinnen und Athleten waren am Sonntag bei der zweiten Auflage des Challenge-Triathlons in St. Pölten am Start. Bei den Herren jubelte erstmals der Deutsche Nicolas Mann, bei den Damen die Britin Lucy Buckingham trotz Zeitstrafe im Finish. Aus österreichischer Sicht wurde Luki Hollaus starker Dritter.
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1,9 Kilometer Schwimmen im Viehofner und im Ratzersdorfer See, 90 Kilometer Radfahren in der Wachau und ein Halbmarathon durch die Landeshauptstadt war auch heuer wieder die „Challenge“ für die 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in St. Pölten. Bei perfekten äußeren Bedingungen fiel heuer bereits um 6.30 Uhr der Startschuss zum Sprung ins Wasser für die Pro-Athleten.

Bei den Herren gab es zwar erneut einen deutschen Sieger, doch nicht die im Vorfeld genannten Namen waren am Ende vorn, sondern Youngster Nicolas Mann. Auch Nils Frommhold, Sieger in St. Pölten 2017, der kurzfristig genannt hatte und vor dem Radanstieg in Gansbach noch die Führung inne hatte, konnte dem gewaltigen Antritt Manns nichts entgegensetzen. Im Gegenteil, der 36-jährige Frommhold, der im Vorjahr in Roth noch Vizeeuropameister über die Langdistanz geworden war, musste seinem Anfangstempo Tribut zollen und verpasste am Ende als Fünfter sogar einen Stockerlplatz noch klar.

Bei seinem allerersten Mitteldistanz-Triathlon wurde Nicolas Mann im Vorjahr in St. Pölten noch Zwölfter. Heuer aber „zerlegte“ das 22-jährige deutsche Toptalent die Legende Frommhold am Rad förmlich und siegte überlegen.

Für den Sieger war das Vorjahr noch ein Lehrjahr

„Im Vorjahr habe ich noch Anfängerfehler gemacht, ich habe dabei viel gelernt“, meinte Mann als Sieger bei seinem erst vierten Mitteldistanzrennen schon ziemlich abgeklärt. „Es lief einfach gut von Anfang bis Ende, auch der Hammer im Laufen kam nicht“, hatte er eigentlich befürchtet, dass es im Finish eng werden könnte.
Ein zweiter junger Deutscher sorgte zumindest beim Schwimmen für Furore. Der mit 20 Jahren jüngste Starter der Pros, Hannes Butters, kletterte als Erster vor Frommhold, dem Australier Caleb Noble und dem Österreicher Lukas Hollaus aus dem Wasser. Am Ende wurde er Zwölfter.
Frommhold übernahm am Rad aber gleich die Spitze, begleitet von Mann, der diese Saison bereits auf Mallorca seinen ersten Stockerlplatz in der Mitteldistanz geholt hatte. Am berüchtigten Gansbacher Anstieg passierte aber bereits die alles entscheidende Attacke. „Ich wusste, dass ich nicht mehr wie im Vorjahr auf der ganzen Radstrecke voll draufdrücken darf, sondern am Berg dann deutlich mehr Zeit zu holen ist“, erklärte Mann, der tatsächlich rasch den Vorsprung auf über eine Minute ausbauen konnte. In der Verfolgergruppe lieferten sich die Österreicher Georg Enzenberger und Lukas Hollaus mit dem Australier Noble einen sehenswerten Kampf um Platz drei — wie es zunächst noch aussah.

Aber während Mann auch auf der Laufstrecke einem ungefährdeten Sieg entgegengestrebt ist und am Ende nach 3:45:17 Stunden die Finisherline passiert und nur um 18 Sekunden den Streckenrekord aus dem Vorjahr verpasst hat, fielen Frommhold und auch Enzenberger sukzessive zurück. Im Verfolgerfeld setzte sich Noble auf der Laufstrecke durch und kam als Zweiter ins Ziel - nur 44 Sekunden vor dem österreichischen Olympiastarter Hollaus, der Rang drei belegte. Enzenberger wurde Siebenter und der 41-jährige Gumpoldskirchner Michi Weiss, St.-Pölten-Sieger von 2018, Neunter.
Bei den Damen schaffte die favorisierte Engländerin Lucy Buckingham einen Start-Ziel-Sieg, obwohl sie erst letzte Woche eine Mitteldistanz bestritten hatte. Nur aufgrund einer einminütigen Zeitstrafe, einen guten Kilometer vor dem Ziel ausgesprochen, wurde es im Finish für sie noch eng. Die Australierin Grace Thek, die als Zweite hinter Buckingham aus dem Wasser geklettert war, aber auf dem Rad viel Zeit verloren hatte, machte auf der Laufstrecke fast neun Minuten gut und sorgte für ein dramatisches Finale. Der Rest des Verfolgerfelds mit der Polin Aleksandra Jedrzejewska, der Deutschen Sarah Schönfelder und den Österreicherinnen Gabriele Obmann und Lisa-Maria Dornauer konnte bei diesem Topduell nicht ganz mithalten.

Am Ende siegte Buckingham in 4:15:48 Stunden mit 41 Sekunden Vorsprung auf Thek. Beide Athletinnen brachen damit den Streckenrekord der Vorjahressiegerin Anne Haug (GER) von 04:20:17 klar. Jedrzejewska wurde Dritte und als beste Österreicherin lief Dornauer als Sechste, unmittelbar gefolgt von Obmann, durchs Ziel. Mit Katharina Loidl schaffte es auch bei den Damen eine dritte Österreicherin unter die Top-10.
Die 30-jährige Siegerin Buckingham, Triathlonfans wohl besser bekannt als Lucy Hall, denn sie hat erst im Jänner geheiratet, hatte letztes Jahr wegen Covid-Bestimmungen nicht nach St. Pölten reisen dürfen. Sie musste sich mit diversen Nebenjobs unter anderem als Helferin in einer Covid-Test-straße in ihrer Heimatstadt Leeds über Wasser halten, freute sich ganz besonders über ihren Sieg: „Grace ist eine starke Läuferin und ich wusste, ich muss bis zum Schluss alles geben, um als Erste über die Ziellinie zu kommen.“

Für kommendes Jahr ist die Registrierung schon offen

Landesrat Jochen Danninger und St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler nahmen die Siegerehrung vor. „Ich bewundere alle, die sich dieser unglaublichen sportlichen Herausforderung gestellt haben“, meinte Danninger, selbst ein passionierter Radler. Und auch Stadler freute sich über ein erfolgreiches Event: „Es war ein toller Tag, super Organisation, das Wetter hat gehalten und neben Sport betreiben, kann man bei uns auch die wunderschöne Landschaft genießen – das ist etwas ganz Besonderes.“
Fast 1.500 Aktive stellten sich bei perfektem Rennwetter den drei Disziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen. Über 10.000 Zuschauer sorgten entlang der Strecke und im Zielbereich für tolle Stimmung. Und das Datum für die nächste Challenge St. Pölten steht bereits fest: Am 4. Juni wird ein neuer Sieger und eine neue Siegerin gekürt. Die Registrierung ist dafür ab sofort möglich!