Kirstin Bauer: Die Frau hinter der Sensation Andreescu. Bianca Andreescu gewann überraschend die US Open. Eine wichtige Stütze war ihr dabei die Waldviertlerin Kirstin Bauer.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 17. September 2019 (01:23)
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Bianca Andreescu mit Physiotherapeutin Kirstin Bauer nach dem US-Open-Sieg.

Sechs Uhr: Tagwache, täglich. Gleich nach dem Frühstück – und einer morgendlichen Laufrunde – macht sich Kirstin Bauer auf zu Bianca Andreescu. Mit der Sensationssiegerin des US Open führt die Heidenreichsteinerin (Bezirk Gmünd) funktionelle Tests durch und macht Übungen zur Mobilisierung, bevor es gemeinsam zum Fitnesstraining und auf den Tennisplatz geht.

Als ihre individuelle Physiotherapeutin sorgt sie dafür, dass die 19-Jährige in der Lage ist, Höchstleistungen zu erbringen – wie jene in New York: Überraschend besiegte die Kanadierin – zu Beginn des Tennisjahres in der Weltrangliste jenseits der 150 – die 23-fache Grand-Slam-Siegerin Serena Williams im Einzel.

„Ich bin momentan der Mensch, der die meiste Zeit mit Bianca Andreescu verbringt.“ Kirstin Bauer, Physiotherapeutin

Der Erfolg kam aber nicht von ungefähr, wie Bauer weiß. Die Heidenreichsteinerin begann vor acht Wochen mit der momentan groß gefeierten Sportlerin zu arbeiten. „Heute ist sie fit, das war aber nicht immer so“, verrät Bauer und erzählt, dass die Athletin nach ihrem Sieg beim Millionen-Turnier in Indian Wells mit einer Schulterverletzung zu kämpfen hatte. Abgeschreckt habe das die Physiotherapeutin und Osteopathin nicht. „Ich sehe es als Challenge, Athleten innerhalb kürzester Zeit fit zu kriegen, das ist meine Passion“, schwärmt die Waldviertlerin, die Praxen in Wien und Perchtoldsdorf hat.

Arztbesuche, Einkäufe, Kochen und Massagen

Eine Woche vor dem US-Open ging es für das Duo in die USA. „Spätestens seither bin ich wohl der Mensch, der am meisten Zeit mit Bianca verbringt“, lacht Bauer. Sie war bei jedem Training dabei, zum Tapen jederzeit zur Stelle, genau wie im Anschluss zum Stretchen oder für eine Massage. Und selbst Dinge, die man nicht zu den klassischen Aufgaben einer Physiotherapeutin zählen würde, erledigt Bauer für und mit dem Nachwuchs-Talent: „Ich begleite Bianca zu Arztterminen oder besorge Bio-Lebensmittel für sie im Supermarkt. Außerdem vertraut sie mir an, was sie beschäftigt“, erzählt die Niederösterreicherin, die sich als gelernte Hotelfachfrau sogar für die Sportlerin hinter den Herd stellt, wenn Zeit dafür bleibt.

Die Zusammenarbeit schweißt die beiden Frauen zusammen. „Natürlich fiebere ich mit. Auch vor dem Spiel in New York war ich nervös. Bianca könnte meine Tochter sein“, schmunzelt die 45-Jährige, die an eine steile Karriere der 19-Jährigen glaubt. Gerade im Damen-Tennis verglühten in den vergangenen Jahren viele Sterne genauso schnell, wie sie aufgestiegen waren. Andreescu soll das, wenn man dem Urteil der Waldviertlerin glaubt, nicht passieren. „Sie wird den hohen Erwartungen gerecht werden. Für mich ist Bianca eine inspirierende Person, hat eine gute Einstellung, Taktik und auch eine gute Fitness“, meint die Waldviertlerin und betont vor allem die eiserne Konsequenz der Kanadierin.

Konsequenz verbindet die beiden Frauen

In diesem Punkt sind sich die beiden Frauen ähnlich. „Ich bin auch sehr konsequent“, so die Heidenreich-steinerin. Das zeige sich einerseits daran, dass sie jeden Tag – zu jeder Zeit und bei jedem Wetter – mit einer Sporteinheit beginnt. Andererseits aber auch an dem harten Kampf, den Bauer ausgefochten hat, um jetzt Spitzensportler betreuen zu können. „Ich habe mich für die Physiotherapie-Ausbildung fünf Mal beworben, immer Absagen kassiert, bis ich endlich genommen wurde“, erzählt Bauer, die auch eine Osteopathie-Ausbildung und ein Sportwissenschaftsstudium absolvierte. Zu Beginn ihrer Karriere betreute sie das Schwimm- oder Volleyball-Nationalteam oder die Spieler des ÖTV sowie etwa Wimbledon-Siegerin Elena Vesnina als private Physiotherapeutin.

Behaupten muss sich die erfolgreiche Niederösterreicherin bis heute: „Ich bin eine von wenigen Frauen in der Branche“, berichtet sie. Ihren Platz habe sie in dem Beruf aber gefunden – nur der eigene Sport bleibt dabei ein wenig auf der Strecke: „Ich spiele auch Tennis, aber leider nur mehr selten“, erzählt Bauer im NÖN-Gespräch, bevor es mit Andreescu gleich weiter nach Peking geht.