Wiener Neustadt setzt auf Offensive. Die Defensive war in der vergangenen Saison das Prunkstück des SC Wiener Neustadt. Unter Neo-Coach Heimo Pfeifenberger weht beim Fußball-Bundesligisten aus Niederösterreich, dessen klares Ziel der Klassenerhalt ist, ein anderer Wind.

Erstellt am 16. Juli 2012 (14:15)
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"Die Mannschaft hat sich von den Typen her komplett verändert. Letztes Jahr hat sie mehr die Typen für die Defensive gehabt, jetzt mehr für die Offensive", sagte der 45-jährige Salzburger am Montag. Das ist auch voll nach dem Geschmack des ehemaligen ÖFB-Teamspielers. "Ich bekomme lieber einmal eine auf die Mütze und probiere nach vorne zu spielen, als mich nur hinten hineinzustellen", betonte Pfeifenberger. Natürlich sei es aber auch wichtig, die Defensive nicht zu vernachlässigen. "Wir haben momentan mehr Offensivspieler als konsequente Zweikämpfer, daran müssen wir arbeiten, dass wir in der Defensive trotzdem stabil sind."

Die Wiener Neustädter haben in der Transferzeit fast die ganze Mannschaft ausgewechselt, gleich 13 neue Spieler mussten integriert werden, Stützen wie Mario Reiter oder Michael Madl haben dem Verein den Rücken gekehrt. Verständlich daher, dass Pfeifenberger noch nicht so richtig weiß, wo sein Team wirklich steht. "Die Mannschaft ist vollkommen unberechenbar, es sind viele Schwankungen drinnen. Da brauchst du schon Geduld, aber es ist auf jeden Fall das Potenzial da, um etwas zu entwickeln", sagte der Ex-Grödig-Trainer.

Die Leistungsschwankungen wurden bereits im ersten Pflichtspiel der Saison deutlich, gegen den Vorarlberger Viertligisten Wolfurt wurde am Sonntag in der ersten ÖFB-Cup-Runde erst in der Verlängerung ein 4:2-Sieg perfekt gemacht. "Das war ein guter Test auch für den mentalen Bereich, weil die Spieler bis am Schluss an die Grenzen gehen mussten, um es rüberzubringen", konnte Pfeifenberger dem Geduldsspiel auch Positives abgewinnen.

Allzu schlecht wollte er den Auftritt seiner Truppe in Vorarlberg auch gar nicht bewerten, hatte diese doch vor der Pause nur die nötige Effizienz vermissen lassen. "Wir haben sehr gut gespielt, Torchancen herausgeholt, aber wir haben einen Elfmeter vergeben, an die Stange geschossen und der Tormann hat unglaublich gehalten", resümierte Pfeifenberger über die magere 1:0-Führung zur Pause. Nach dem schnellen Ausgleich der Gäste und der Roten Karte für Dennis Mimm sei seine Elf in eine Stresssituation gekommen. "Aber schlussendlich war es ein wichtiges Erfolgserlebnis und ich glaube schon, dass wir für den Meisterschaftstart bereit sind", war Pfeifenberger mit Blick auf die Samstagpartie auswärts gegen Mattersburg optimistisch.

Wer im Burgenland in der Startelf steht, ist noch ungewiss. "Wir haben 18 Spieler, die von der Qualität sehr eng beinander sind", verriet der Wiener-Neustadt-Coach. Der Salzburger, der mit einem Vertrag bis 2014 ausgestattet ist, fiebert seiner Bundesliga-Premiere auf der Trainerbank schon entgegen. "Die Arbeit ist die gleiche wie als Trainer in der Ersten Liga, nur die Präsenz in Medien und Öffentlichkeit ist viel mehr. In vollen Stadien bei den großen Clubs zu spielen ist genau das, wofür du Trainer sein willst. Auf das freue ich mich wirklich", sagte der 345-fache Bundesligakicker (117 Tore).

Pfeifenberger hat keine Angst vor Niederlagen und hofft, durch gute Auftritte in der Bundesliga auch sein eigenes Standing zu verbessern. "Es ist eine Riesenchance für mich, ich will mir auch selber etwas beweisen", sagte der Trainer der Niederösterreicher. Vor eineinhalb Jahren habe er sich das Ziel gesetzt, innerhalb von drei Jahren den Sprung in die Bundesliga zu schaffen. Das ist nun gelungen, soll aber nur ein erster Schritt auf der Erfolgsleiter nach oben sein.