Zuschauer-Stopp wegen 90 Infektionen. Aufgrund der Empfehlung der Landessanitätsdirektion stoppte die Politik Sportveranstaltungen mit Zuschauern wenn in den betreffenden Bezirken die Corona-Ampel orange leuchtet. 90 Infektionen, die dem Sport zugerechnet werden, gaben den Ausschlag.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 29. September 2020 (13:58)
Symbolbild
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Ab 5. Oktober wird es für Sportvereine, die in Bezirken beheimatet sind, wo die Corona-Ampel auf Orange steht, ernst. Dann dürfen Sportveranstaltungen nur noch ohne Zuschauer abgehalten werden. Für viele Klubs ist das ein Genickschlag, nachdem sich die Sinnfrage stellt, weil dadurch die wirtschaftliche Grundlage des Sports wegbricht. 

Gartner sprach bei Danninger vor

Wie die NÖN erfuhr versuchten am Montag NÖ-Fußballverbandspräsident Johann Gartner und sein Geschäftsführer Heimo Zechmeister persönlich bei Sportlandesrat Jochen Danninger zu intervenieren, diesen Schritt noch einmal zu überdenken. Offenbar vergeblich.

Der Fußballverband wird sich – so wie andere Verbände auch – überlegen müssen, wie er mit der neuen Situation umgeht. Der NÖFV tagt dazu am Dienstagnachmittag. Wahrscheinlich scheint, dass Klubs aus orangen Bezirken berechtigt werden sollen Spiele abzusagen. 

Danninger bemüht sich um finanzielle Hilfe

Im Regen will Danninger den Sport aber nicht stehen lassen. Zumindest den finanziellen Schaden will er abfedern. Hierfür schrieb er einen Brief an Vizekanzler und Sportminister Werner Kogler mit der Bitte den bis September befristeten NPO- Unterstützungsfonds bis März 2021 zu verlängern und den Klubs daraus den entstandenen Schaden zu ersetzen.

Danninger spricht von „Gefahr in Verzug“ und verlangt vom Bund einen Schutzschirm über den NÖ-Sport zu spannen. 

90 "Sport-Infektionen" als Auslöser

Viele Sportler und Funktionäre bewegt auch die Frage, aufgrund welcher Zahlen, Fakten und Expertisen sich das Land Niederösterreich zu derart drastischen Schritten gezwungen sah?

Ausgangspunkt dürfte eine dringende Empfehlung von der Landessanitätsdirektion gewesen sein. Leiterin Irmgard Lechner hält in einem Schreiben fest, dass in Niederösterreich seit Kalenderwoche 35 (Anm. 24. August) die Zahlen für Covid-19 positiv getesteter Personen deutlich angestiegen seien.

Da der (hoch-)private Bereich und auch die Arbeitswelt unangetastet bleiben sollte, empfiehlt die Gesundheitsexpertin im öffentlichen Raum die Daumenschrauben an zu ziehen. Hauptansteckungsquellen seien (siehe Grafik unten) neben der Gastronomie (108 Fälle) vor allem Sport (90) und Kultur (76). In der Gastronomie soll Registrierungspflicht die Nachverfolgung positiver Fälle gewährleisten.

Irmgard Lechner, Leiterin der Landessanitätsdirektion
APA/Fohringer

Im Sport empfiehlt Lechner einen Schritt weiter zu gehen: „Die Infektion erfolgt outdoor sowohl bei nicht vermeidbaren Körperkontakt, als auch in den Kabinen und im Zuschauerbereich vor allem bei dichtgedrängtem Kantinenbetrieb. Auch beim Zu-und Abströmen der Zuseher kann nicht immer der notwendige Abstand eingehalten werden. Deshalb wurde empfohlen, Sportveranstaltungen in Bezirken mit oranger Ampelfarbe nur ohne Zuseher zu erlauben.“ 

Grafik/Land NÖ

Kultur weiter vor Zuschauern

Die Kultur und sämtliche andere Veranstaltungen kommen vergleichsweise glimpflich davon. Indoor wird bei Orange von 1.500 auf 250 reduziert, outdoor von 3.000 auf 1.000 Zuschauer.

Warum ein Unterschied zwischen Sport- und allen anderen Veranstaltungen gemacht wird, lässt Lechner weitgehend offen. Danninger verweist auf das Problem der „dritten Halbzeit“, also dem Kantinenbetrieb nach den Spielen.  

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