ASV Pressbaum: Drei Bälle zum Meistertitel vergeben. Wu spielt am Samstag einen großartigen Golden Set, aber ohne Fortune. Pratama muss als Spieler der Finalserie Trauns Legionär den Vortritt lassen.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 28. April 2021 (00:38)
Fassungslosigkeit nach der bittersten aller möglichen Niederlagen herrschte bei den Pressbaumern. Doch die Aufräumarbeiten haben schon begonnen. Im nächsten Jahr greifen Pratama und Co. wieder an.
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Der ASV Pressbaum hatte nach dem Auswärtssieg letzte Woche in Traun am Wochenende zweimal die Chance, den zweiten Staatsmeistertitel in Folge einzufahren. Doch am Ende war es der ASKÖ Traun, der sich am Sonntag im dritten und entscheidenden Finalmatch der Badminton-Bundesliga hauchdünn den Titel sichern konnte. Wie schon am Vortag stand es nach der regulären Spielzeit 4:4, darum musste neuerlich ein „Golden Set“ die Entscheidung bringen. Am Samstag war die Entscheidung bei der Auslosung auf das Dameneinzel gefallen. Und fast hätte die erst 17-jährige Lokalmatadorin Emily Wu den Titel nach Pressbaum gebracht. Aber bei drei Matchbällen gegen Trauns Legionärin Floprentina Constantinescu fehlte ihr doch die Coolness, um den Sack zuzumachen.

Und am Sonntag fiel das Los dann aufs Mixed, erneut mit Wu sowie Pressbaums Superstar Adi Pratama. Doch es waren die Rumänen Collins Valentie Filimon/Floprentina Constantinescu, die für die Rekordmeister aus Oberösterreicher mit einem 21:16 den 5:4-Sieg und damit den bereits 15. Titel sicherten. Bemerkenswert: Bei allen 15 Triumphen stand Badminton-Legende Jürgen Koch am Feld, der auch diesmal bei den Doppel- und Mixedspielen trotz fortgeschrittenem Alter begeistern konnte. „Wahnsinn! Den ersten Titel habe ich mit Traun geholt, da war ich vierzehn“, strahlte der nun 48-Jährige zufrieden. Vor allem die Art und Weise wie das gelungen ist, beeindruckte auch ihn. „In all den Jahren habe ich so etwa noch nicht erlebt. In jedem einzelnen Spiel dieser Finalserie war immer alles möglich! Ausgeglichener geht es nicht“, lobte er auch die Pressbaumer.

„In all den Jahren habe ich so etwa noch nicht erlebt. In jedem einzelnen Spiel dieser Finalserie war immer alles möglich! Ausgeglichener geht es nicht“

Bei denen stürzte aber mit der Niederlage natürlich eine kleine Welt zusammen, schließlich waren sie als Favoriten ins Finale gestartet. Doch schon unter der Woche gab es eine Hiobsbotschaft. Die Serben hatten überraschend Pressbaums Nummer eins bei den Damen, Marija Sudimac, in ihr Nationalteam für die WM einberufen. Eigentlich ist so etwas eine Ehre für jeden Verein, aber zu diesem Zeitpunkt für den ASV kam es denkbar ungünstig: Sie stand damit für beide Final-Heimspiele nicht zur Verfügung!

Der Ausfall von Sudimac wog dann auch schwer, sollte aber nicht der einzige Grund sein, warum der Traum von der Titelverteidigung geplatzt ist. Genauso entscheidend war sicher die bröckelnde Dominanz von Adi Pratama bei den Herrenspielen.

Zwei Gründe für die bittere Niederlage

Fehlen der Nummer eins. Als unter der Woche der Ausfall von Sudimac bekannt wurde, war Pressbaums sportlichem Leiter Andreas Meinke schon klar, dass damit die Favoritenrolle von Pressbaum auf die Trauner übergegangen war. „Leider kam die Information viel zu kurzfristig! Marija stand noch nie im serbischen Nationalteam, deshalb haben wir mit ihrer WM-Nominierung nicht gerechnet, andernfalls hätten wir diesem Spieltermin für die Finals gar nicht zugestimmt“, erklärt Meinke, dem aber auch klar ist: „Wenn der Termin steht, kann man natürlich nicht mehr verschieben, nur weil eine Spielerin fehlt!“

Unbestritten ist auch, dass die Voraussetzungen am Samstag schon den Titel zu holen, für die Pressbaumer mit Sudimac ungleich besser gewesen wären. Auch Koch bekennt: „Ihr Ausfall hat uns die Tür aufgemacht, vieles erleichtert.“ Koch hat aber auch recht, wenn er sagt: „Man muss durch die Tür dann auch noch hindurchgehen.“ Und die Trauner taten dies mit unglaublicher Verbissenheit und Konsequenz.

Allerdings ist schwer vorstellbar, welchen anderen Weg zum Titel die Trauner nutzen hätten können, wenn ihnen von Sudimac die Tür übers Dameneinzel versperrt worden wäre. Die Serbin wäre gegen Jenny Ertl jedenfalls große Favoritin gewesen und ein Sieg im Dameneinzel hätte schon genügt, um Traun die Rettung in den Golden Set zu verwehren. Am Sonntag hat übrigens dann auch Wu diesen Sieg über Ertl gefeiert. Blöd nur, dass sie an diesem Tag das Damendoppel mit Carina Meinke verlor, dass die beiden am Vortag noch so eindrucksvoll gewinnen hatten können. Dass die Pressbaumer ihrer Jüngsten, die an zwei Tagen mit den Golden Sets sechs Spiele bestreiten musste, keine Pause im Doppel gegönnt haben, mag ein weiteres kleines Versäumnis gewesen sein, dass letztlich entscheidend war. Nina Sorger ist nach ihrer Erkrankung wieder fit, wäre einsatzbereit gewesen, sagt aber selbst: „Ich habe einige Wochen nicht trainieren können und dass man in dieser Situation nichts riskieren wollte, ist auch klar.“

„Götterdämmerung“ bei Herren. Genauso entscheidend wie der Ausfall von Sudimac war aber sicher, dass Adi Pratama bei den Herren nicht wie gewohnt dominieren konnte. Denn am Ende war es Collins Valentie Filimon auf Seiten Trauns, der dem Indonesier in Diensten Pressbaums die Show stahl. „Er hat uns den Titel geholt, darf den Pokal mit nach Hause nehmen“, zeigt sich auch Koch von seinem jungen Rumänen begeistert.

Dabei ist der eigentlich nur die Nummer zwei und war der übermächtige Gegner für einen stets tapfer kämpfenden Peyo Boychinov. Auf eins spielte Pratama zweimal gegen Wolfgang Gnedt, seinem Schützling im Nationalteam. Noch behielt der „Lehrer“ in beiden Spielen die Oberhand über den Schüler, aber vor allem am Samstag war auch diese Partie knapp. Und alle wussten, dass Trauns heimliche Nummer eins Filimon ist, der auf zwei heuer die ganze Saison ungeschlagen geblieben ist.

Vor dessen Power-Badminton zeigte auch Pratama Respekt. So viel davon, dass er im Golden Set des dritten Finaltags ein Aufeinandertreffen mit ihm im Losverfahren ausschlug. Lieber wählten die Pressbaumer das Mixed, rechneten da auf ein Duell mit den Doppelspezialisten Koch/Constastinescu. Ein Match, bei dem Pressbaum auch nicht Favorit gewesen wäre, aber die Trauner überraschten mit ihrer Aufstellung, brachten Filimon statt Koch, obwohl der alles andere als ein Doppelspezialist ist. Und von Anfang an setzte der Rumäne Pratama unter Druck und der lief mit Wu dann bis zum Schluss vergeblich einem Rückstand von zwei bis drei Punkten in diesem alles entscheidenden Satz hinterher.

„Wir sind natürlich enttäuscht, dass wir in den entscheidenden Phasen nicht die gesamte Mannschaft und das notwendige Glück hatten, die Meisterschaft für uns zu entscheiden“,

„Adi macht viel in seinen Spielen mit einem Flow, den er über ein Spiel aufbaut, doch diese Stärke kann er im Golden Set nicht ausspielen, wohingegen Filimon über seine wuchtigen Schläge speziell in einem Satz extrem gefährlich ist“, erklärte Kenny Wu, dass man den Rumänen im Entscheidungssatz bei einem Einzel schon erwartet hätte und aus gutem Grund vermeiden wollte. Wie richtig die Analyse war, zeigte sich nur dann leider auch im Mixed.

„Wir sind natürlich enttäuscht, dass wir in den entscheidenden Phasen nicht die gesamte Mannschaft und das notwendige Glück hatten, die Meisterschaft für uns zu entscheiden“, meinte Andreas Meinke am Ende, sah aber auch das Positive: „Wir haben an diesem Wochenende zwei denkwürdige Finalspiele gesehen, die man sich spannender und mitreißender nicht vorstellen kann. Beide Mannschaften haben alles gegeben und hätten sich den Titel verdient“, gratulierte er aber fair den Traunern zu deren 15. Meistertitel.