Titelverteidigung für den ASV Pressbaum ganz nah. Zwei Matchbälle daheim! Mit 5:3-Sieg in Traun ist der Traum greifbar geworden.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 21. April 2021 (01:00)
Adi Pratama und die Pressbaumer reisten in Bestbesetzung zum ersten Finale an. Nur Nina Sorger musste krankheitsbedingt zu Hause bleiben. Nach dem Auswärtssieg ist die Titelverteidigung ganz nah.
Andres Meinke, Andres Meinke

Nach dem dramatischen Halbfinalspiel gegen Wolfurt war auch das erste Finalspiel in der Best-of-3-Serie nichts für schwache Nerven, und eine Werbung für den Badmintonsport! In einer hochklassigen Begegnung mussten die Pressbaumer über die volle Distanz gehen, um den Rekordmeister aus Traun (14 Titel) in dessen Heimhalle, dem Bundesschulzentrum, zu bezwingen. Diesmal hatten die Trauner auch die Halle gut vorbereitet und so stand einem fairen Spiel auf Augenhöhe nichts entgegen. Traun konnte in Bestbesetzung antreten und den Pressbaumern standen bis auf Nina Sorger auch alle Akteure zur Verfügung.

Aus taktischen Gründen stellte Adi Pratama das erste Herrendoppel neu zusammen und auch Traun hatte sein Einserdoppel umgestellt. Somit traten Peyo Boychinov und Pawel Pietryja gegen Jürgen Koch und Collins Filimon an. Die Pressbaumer konnten den ersten Satz lange offen gestalten, unterlagen dann aber knapp mit 18:21. Den zweiten Satz kontrollierten die Trauner fast durchgehend.

Druck war groß

Somit sollte dem folgenden Damendoppel eine wichtige Bedeutung zukommen. Der Druck war groß, denn auch die Spielerinnen wussten, dass es bei einer zweiten Niederlage schwer werden würde, Traun an diesem Tag zu bezwingen. Emily Wu und Carina Meinke übernahmen wie gegen Wolfurt die Verantwortung. Ihnen gegenüber standen Jenny Ertl und Floprentina Constantinescu, welche die letzte Begegnung in Traun gewinnen hatten können. Und die Gastgeberinnen erwischten erneut den besseren Start, entschieden Satz eins knapp mit 21:19 für sich. Aber die jungen Pressbaumerinnen bewiesen Kampfgeist und holten sich den zweiten Satz mit 21:17. Im dritten Durchgang sollte die Entscheidung dann erst in der Verlängerung fallen. Beide Paarungen hatten mehrere Matchbälle, aber Meinke/Wu behielten die Nerven — 27:25!

Durch die veränderte Aufstellung gingen sowohl Adi Pratama als auch Wolfgang Gnedt ausgeruht in ihr Herreneinzel. Und nach den Erfahrungen gegen Wolfurt, als Pratama sensationell unterlegen war, kam nicht ganz unerwartet, dass auch dieses Spiel über drei Sätze ging. Während Pratama den ersten Satz locker für sich entscheiden konnte, holte sich Gnedt den zweiten. Aber anders als gegen Wolfurt gelang es dem Indonesier in Diensten Pressbaums im dritten Satz einen Gang zuzulegen, so wie man das von ihm seit Jahren gewohnt ist. „Pratama hat das Spiel unter Kontrolle gehabt und seinen Nationalkaderschützling wieder glatt besiegen können“, analysiert ASV-Sektionsleiter Andreas Meinke.

„Pratama hat das Spiel unter Kontrolle gehabt und seinen Nationalkaderschützling wieder glatt besiegen können“

Im Dameneinzel rechneten die Pressbaumer mit dem nächsten Punkt. Legionärin Marija Sudimac sollte ihn gegen Jenny Ertl erringen und die Rumänin wurde zwar von ihrer Gegnerin gefordert, konnte aber einen dritten Satz vermeiden — 21:15, 23:21. „Im zweiten Satz musste Marija einen Satzball abwehren, aber sie ist cool geblieben“, erzählt Meinke, der danach etwas aufatmete. Der Pfad zum Sieg war nun sichtbar, Pressbaum in die Favoritenrolle gerückt. Dass sie das Mixed abgaben, war da kein Beinbruch. Immerhin zeigten Pawel Pietryja und Carina Meinke als Außenseiter eine klare Steigerung gegenüber der letzten Begegnung in Traun. Nachdem sie den ersten Satz abgegeben hatten, zwangen sie Oldboy Jürgen Koch mit Constantinescu sogar in einen dritten Satz. „Im Entscheidungssatz fehlte aber die Konstanz, um die Sensation zu schaffen“, schildert Meinke. Der ist aber überzeugt, dass im Heimspiel auch im Mixed mehr möglich ist.

Beim Stand von 3:2 hatten die Pressbaumer nun quasi drei Matchbälle. Wobei Peyo Boychinov zu Beginn gleich die härteste Nuss zu knacken hatte. „Sein Gegenspieler Collins Filimon ist heuer ungeschlagen, daher rechne ich nicht mit einem Sieg“, war Meinke für diese Partie nicht allzu optimistisch. Als der ASV-Bulgare aber 18:14 im ersten Satz in Führung lag, sollte auch im Sektionsleiter Hoffnung keimen. Doch wie gegen Wolfurt war dann mit einem Schlag das Selbstvertrauen von Boychinov dahin. Sang- und klanglos gab er noch den Satz (vergebener Satzball bei 20:19) und dann das Spiel ab — 3:3!

Somit musste die Entscheidung in den letzten beiden Prtien fallen, und es kam zum großen Auftritt von Pressbaums Toptalent Jan Janostik. Der junge Tscheche zeigte heuer bei all seinen Matches im ASV-Trikot Nervenstärke und hatte Gelegenheit, diese auch gegen Kai Niederhuber unter Beweis zu stellen. Der hatte im letzten Aufeinandertreffen mit Pressbaum Boychinov niedergerungen!

Aber Janostik übernahm sofort das Kommando und erteilte im ersten Satz dem Oberösterreicher eine echte Lektion — 21:9. Doch in dieser Tonart sollte es nicht weitergehen. Der Trauner ging im zweiten Satz in Front und gab Janostik keine Chance mehr aufzuholen. Im dritten Durchgang war Janostik aber voll konzentriert. Der 21:19-Satzerfolg bedeutete das 4:3. Mit dem zweiten Herrendoppel hatten Pratama und Janostik gegen Gnedt/Niederhuber die Chance, alles klar zu machen. Aber die beiden Pressbaumer spielten erstmals zusammen und hatten zu Beginn deutliche Probleme mit den eingespielten Traunern mitzuhalten — 9:21!

„Im zweiten Satz harmonierten Adi und Jan schon viel besser“

Aber das letzte Wort in diesem Spiel war nicht gesprochen. „Im zweiten Satz harmonierten Adi und Jan schon viel besser“, war nicht nur Meinke beeindruckt. Auch die Gegner erkannten den Ernst der Lage, konnten die Führung der Pressbaumer aber bis zum Satzende nicht egalisieren — 21:19. Und im Entscheidungssatz spielten die beiden Pressbaumer, als stünden sie schon ihr Leben lang gemeinsam am Platz. Für die Trauner war nichts mehr zu holen, denn mit fast schon traumwandlerischer Sicherheit verwandelten Pratama und Janostik die Bälle.

Bis dahin hatten die Trauner trotz Covid und Zuschauerverbot für viel Wirbel in der Halle gesorgt, aber nach und nach übernahmen nun die Pressbaumer Spieler das Kommando und feierten lautstark jeden Punkt ihrer Teamkollegen. Fast schon in Rekordzeit war der Satz (21:6) und damit das Match (2:1) und die erste Finalpartie (5:3) in Traun gewonnen.

Pressbaumer können daheim Titel holen

„Durch diesen Sieg haben wir uns eine optimale Ausgangsposition für das Rückspiel am 24. April im Sacre Coeur geschaffen“, weiß auch Meinke, dass er die Favoritenrolle annehmen muss. Trotzdem warnt er: „Wir müssen mit großer Konzentration ins Rückspiel gehen, denn Traun hat die Qualität, auch in Pressbaum eine spannende Partie auf höchstem Niveau abzuliefern.“ Aber solange es bei einer bleibt, ist ohnehin alles in Ordnung! Sollte Pressbaum jedoch verlieren, dann folgt gleich am 25. April erneut im Sacre Coeur die dritte und dann die Meisterschaft endgültig entscheidende Partie.