Frauen brauchen Monobob: Wirbel wegen Zwang durch IBSF. Die Situation im Frauenbobsport eskaliert: Internationaler Verband zwingt 22.000 Euro Investition auf!

Von Claus Stumpfer. Update am 20. Mai 2020 (10:08)

Am 12. Mai beschloss das Exekutiv-Komitee des Internationalen Bob- und Skeletonverbandes (IBSF) eine gravierende Neuerung im Frauen-Bobsport:

Ab der Saison 2020/21, gibt es nur mehr eine kombinierte Weltcupwertung für Frauen aus den Bewerben Monobob und Zweierbob. „Daher sind alle Pilotinnen gezwungen, beide Bewerbe zu bestreiten“, wurde auch Kurt Teigl, Präsident des NÖ Bobverbands, davon überrascht.

Per se wäre dies für ihn und seine Athletinnen auch kein Problem, jedoch wurde von allen bisher angenommen, dass der Internationale Verband die Einheitsschlitten zur Verfügung stellt, wie es in den letzten beiden Saisonen üblich war.

„Insbesondere sollte diese Vorgehensweise den Einstieg in den Bobsport erleichtern, da die kostspielige Beschaffung des Sportgeräts wegfallen würde“, erklärt Teigl. „Genau aus diesem Grund wurde der Monobob-Bewerb ursprünglich auch ins Leben gerufen“.

Auch der Purkersdorfer Alex Schlintner hat am Bobstützpunkt Ost in Weinburg am Samstag das Skeleton-Training aufgenommen. Mehr Trainingsfotos von den einzelnen Athleten auf www.noen.at!
Claus Stumpfer

Dass Neue am Beschluss von letzter Woche ist nun aber, dass die Schlitten von den Athletinnen selbst gestellt werden müssen. Außerdem darf nur ein Einheitsschlitten der Firma Ixent aus München benutzt werden. Wohl nicht ganz zufällig hat diese Firma sehr enge Verbindungen zu BMW, die wiederum Hauptsponsor des IBSF-Weltcups ist. „Nach dem Ausstieg der russischen Firma Gazprom ist ein Sponsoring durch BMW für den Weltverband noch wichtiger geworden“, weiß Teigl.

Der anzuschaffende Schlitten kostet inklusive Steuer jedenfalls 27.000 Euro. Zahlbar wäre er in drei Jahresraten. Hinzu kommt, dass die Verbände und Athleten selbst für den teuren Transport des Sportgeräts nach Übersee und Asien sorgen müssen. „Die IBSF feiert diese Entscheidung als großen Erfolg, dabei ist genau das Gegenteil der Fall“, ärgert sich Teigl, der überzeugt ist, dass vor allem kleinere Verbände die Investition kaum stemmen werden können.

Der Einstieg in den Monobob wird sogar schwerer gemacht als im Zweierbob, da ein gebrauchter Zweier bereits um 5.000 bis 10.000 Euro erhältlich ist, ein Monobob mit dem man Rennen fahren darf, aber 22.000 Euro vor Steuer kostet.

„Arrivierte Zweierpilotinnen werden gezwungen, Monobob zu fahren, da sonst der Weltcupstartplatz verloren geht“, sagt Teigl. „Der Frauen-Bobsport, der sowieso schon um die Wertigkeit in den Verbänden zu kämpfen hat, gerät noch mehr unter Druck, da die Verbände, die alle mit Finanzproblemen zu kämpfen haben, kein Geld für zusätzliches Material aufstellen werden.“

Zumindest der österreichische Verband hat bereits bekannt gegeben, keinen Monobob zu kaufen. Damit wird es in absehbarer Zeit keinen Frauenbobsport in Österreich mehr geben.

Ohne Förderung muss Beierl selbst Bob zahlen

Österreichs Nummer-Eins-Pilotin Katrin Beierl sieht sich nun gezwungen, neben dem bereits jetzt aufwendigen Zweierbob-Betrieb auch noch die Monobob-Saison selbst zu finanzieren.

Heeressportlerin Kathi Beierl
NOEN

„In der momentanen Covid-19-Situation ist es aber nahezu unmöglich, neue Sponsoren zu finden“, klagt die Weltcupspitzenfahrerin, die sich Hoffnungen auf einen Olympiastart machen darf und für ihr eigenes Team in Himberg fährt.

„Jetzt muss ich die 22.000 Euro selbst in den nächsten drei Jahren auslegen“, ist Beierl entsetzt. Teigl will dem Toptalent aber auf alle Fälle helfen und hat bereits einen Plan, der allerdings vom Sportland noch abgesegnet werden müsste.

Die Idee: „Das Sportland NÖ kauft eventuell mit der NV oder einem anderen Großunternehmen gemeinsam den Monobob als Niederösterreich-Schlitten, womit wir gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen würden“, sagt Teigl, der selbst 1988 Olympiastarter in Calgary als Bremser war. Er sieht nämlich eine Chance, dass Beierls derzeitige Bremserin Selina Loibner, die ebenfalls im Kader des Olympiazentrums St. Pölten steht, nach den Olympischen Spielen als Pilotin mit diesem Schlitten aktiv sein könnte.

„Und wenn der Schlitten blau-gelb gebrandet wird, wäre er auch bei den Olympischen Spielen mit Niederösterreichs Landesfarben am Start und würde somit sowohl bei den Medien als auch bei den Zuschauern als Zeichen der Sportförderung Niederösterreichs stehen“, hofft Teigl den Vorschlag Sportlandesrat Jochen Danninger schmackhaft machen zu können.

Beim Sportland NÖ ist der für Spitzenförderung zuständige Michael Hatz bereits alarmiert. „Katrin Beierl ist eine unserer Olympiahoffnungen und zählt somit zu unseren größten sportlichen Vorbildern in Niederösterreich. Natürlich werden wir prüfen, wie wir sie und ihr Team im Rahmen unserer Förderrichtlinien bestmöglich unterstützen können“, ließ er durch Pressesprecher Christian Resch verlauten.

Sollte das Sportland NÖ den Schlitten finanzieren, möchte Teigl den österreichischen Verband (ÖBSV) auch dazu verpflichten, die Beschickung zum Weltcupfinale 2021 in Peking zu garantieren, und zwar mit dem Monobob und dem Zweierbob. „Dort gibt es nämlich nicht nur doppelte Weltcuppunkte, sondern auch ein erstes Kennenlernen dieser völlig neuen Olympiabahn 2022 mit beiden Schlitten, was für eine mögliche Platzierung bei den Olympischen Spielen im Vorderfeld entscheidend sein wird.“