Erstellt am 24. Dezember 2014, 17:13

von Daniel Wertheim

"Die athletischsten Guards der Liga". Still und leise hat Damir Zeleznik seine Karriere beendet und ist schnell zum neuen Assistant-Coach avanciert.

In elf Saisonen erzielte Damir Zeleznik 3330 Punkte in 325 Bundesliga-Spielen. Filippovits  |  NOEN
NÖN: Wie kamen Sie eigentlich zum Basketballsport?
Zeleznik: Bis zum Jugoslawien-Krieg habe ich bei Zeleznicar Sarajewo eigentlich Fußball gespielt. Ich bereue heute noch, dass ich mit 13 Jahren ein Angebot von Eintracht Frankfurt ausgeschlagen habe. Doch meine Mutter wollte nach dem Krieg wieder zurück nach Bosnien. Als wir in Slowenien Zuflucht gefunden hatten, entschied ich mich dann aber auf Basketball um.

Was war Ihre erste Profi-Station?
Zeleznik: 1998 unterschrieb ich den ersten Vertrag beim ehemaligen Euro-League-Sieger Bosna Sarajewo. Da konnte ich die „Jugo-Schule“ richtig auskosten und nach einem Eingewöhnungsjahr, spielte ich eine wirklich gute Saison in der Adriatic League mit etwa zehn Punkten pro Spiel. Wenn man so will, der Höhepunkt meiner Karriere.

Wie kamen Sie dann nach Österreich?
Zeleznik: Sportlich war es dort super, aber finanziell gab es nichts, worauf man eine Existenz aufbauen konnte. Ich bekam 2004 ein gutes Angebot aus Fürstenfeld. Wir spielten eine gute Saison. Schade nur, dass damals der Fünfte nicht in die Play-offs einzog. Dafür lernte ich meine Frau kennen und unterschrieb für drei Jahre in Kapfenberg, ehe ich ein Jahr in Graz verbrachte.

Die Reise endete dann bei den Dukes. Wie kam es dazu?
Zeleznik: Leider hatte ich direkt davor einen Kreuzbandriss und einen steinigen Weg zurück. Die Dukes waren die Einzigen, die mir dann noch eine Chance gegeben haben. Danach spielte ich zwar nie mehr wie früher, aber die erfolgreichen Jahre bei den Dukes bleiben unvergesslich: Vier Titel in Folge und einmal Cup-MVP. Außerdem habe ich mir mit meiner Familie hier etwas aufgebaut, bin stolz darauf, die österreichische Staatsbürgerschaft erlangt zu haben.

Welche Ziele verfolgen Sie als Coach?
Zeleznik: Derzeit kümmere ich mich als Assistant-Coach von Armin um die Bundesliga-Mannschaft. Nebenbei versuche ich aber, im Nachwuchs die jungen Spieler mit Individualtrainings weiterzuentwickeln. Etwas, das in den letzten Jahren wenig forciert wurde. Langfristig möchte ich natürlich Head-Coach werden, aber dafür muss ich erst die nötige Lizenz machen.

Der Trainerwechsel hat drei Siege in Folge gebracht. Was macht Ihr anders, als Robert Langer?
Zeleznik: Robert Langer und Werner Sallomon haben sich nicht so sehr unterschieden, doch Sallomon hat eine junge Mannschaft jahrelang aufgebaut, Langer hat dann ein Team übernommen, das bereits alles gewonnen hatte. Wenn dann die Ergebnisse ausbleiben, kann es schnell gehen. Der Trainerwechsel hat bewirkt, dass die Mannschaft es allen beweisen wollte, aber mal sehen, wie lange dies anhält. So paradox es klingt: Vielleicht halfen auch ein, zwei Ausfälle. Denn davor waren Spieler unzufrieden, dass sie zu wenig Spielzeit erhalten hatten.

Was ist ihre Philosophie? Wohin geht die Reise mit den Dukes?
Zeleznik: Derzeit harmonieren Armin Göttlicher und ich sehr gut, denn er ist offen für viele Ideen. Meine Philosophie basiert zwar eher auf ein kontrollierteres Spiel mit Pick & Roll, aber hier bei den Dukes gibt es einen anderen Spirit, es geht mehr um Schnelligkeit. Das ist aber auch verständlich, denn wir haben sicherlich die athletischsten Guards der Liga. Wenn wir ins Laufen kommen, dann ist heuer noch alles möglich, das verspreche ich.