Martin Wolf ist der beste Ringeturner im Land. Der Tullnerbacher Martin Wolf war beim ersten Wettkampf nach der Corona bedingten Pause am Start und konnte sich bei den NÖ Landesmeisterschaften über eine Goldmedaille freuen.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 28. Oktober 2020 (00:54)
Martin Wolf mit seinem Chefcoach Guido Zelaya vom LLZT St. Pölten, in dem seine Muter Martina Weinberger die Leiterin ist.
LLZT

Die Wettkampfsaison der Kunstturner startete heuer Covid-19-bedingt sehr spät. Mit über zehn Monaten ohne Wettkampf in den Beinen wagten die Männer die Austragung der NÖ Landesmeisterschaft an den Einzelgeräten. „In diesem Jahr ganz ohne Publikum ist das eine echte Herausforderung“, weiß Organisatorin Martina Weinberger. Die Tullnerbacherin ist Leiterin des LLZT St. Pölten und bedankt sich besonders bei Immobilien Gurschler aus Neulengbach.“Es ist aktuell unser einzig verbliebener Sponsor, der die Qualitätsarbeit mit den jungen Athleten auch mit finanzieller Unterstützung wertschätzt, wenn kein Publikum in der Halle sitzt“, hebt sie den Gönner hervor.

Das Format bei der Landesmeisterschaft fordert eine Bewertung der Küren nach internationalem Seniorencode. Da in NÖ mit dem Gänserndorfer Yannik Lehner (20) nur ein Turner diese Wettkampfklasse erreicht hat, öffnet der Verband traditionell das Format auch für jüngere Turner, damit sie sich an Küren probieren können.

Verletzung verlängerte Wolfs Corona-Pause

Martin Wolf bei der Übung auf seinem derzeit stärksten gerät, den Ringen.
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Der Tullnerbacher Martin Wolf (14) von der Sportunion St. Pölten hatte in diesem besonderen Jahr zusätzlich große Herausforderungen zu bewältigen. Nach dem Lock-down im März galt es den Trainingsstand aufrecht zu erhalten, was durch private Investitionen für Trainingsgeräte im privaten Garten einigermaßen gelang.

Auch die Warteliste für die Aufnahme ins BORG-Leistungssport in St. Pölten aufgrund von Kapazitätsengpässen bis zum letzten Tag im Juni zehrte gewaltig an den Nerven. „Das benötigte besondere mentale Kraft, um die Motivation nicht zu verlieren“, gesteht er. Im Frühsommer verletzte sich der junge Turner dann auch noch bei einem Trainingsunfall am Knie, als er bei einem am Sprung (Überschlag mit folgendem Strecksalto) in der Schnitzelgrube bis an den Boden durchraste. Neben dem sechsstündigem täglichen Training kam dann für das Mitglied des österreichischen Nachwuchskaders auch noch Physiotherapie hinzu. „Ich war verzweifelt! Nicht nur, dass die Ferien ruiniert waren, konnte ich auch meinen liebsten Ausgleichssport im Freien, nämlich Dirtbike-Fahren, nicht ausüben“, erzählt er. Und natürlich war es auch sportlich eine Katastrophe. „Gerade hatte ich meinen Doppelsalto am Boden gelernt, um meinem Ziel für 2021, nämlich in den österreichischen Juniorenkader zu gelangen, näher zu kommen, und dann das. Es war echt bitter“, gibt er zu.

Doch dann gab die Aufnahme in den NÖ Spitzensportkader neue Hoffnung und mit dem Eintritt ins BORGL im September und der raschen Genesung kam Wolfs eiserner Wille wieder einmal zum Vorschein. Gemeinsam mit Cheftrainer Guido Zelaya werkt er seither noch härter am Erfolg. Element um Element kamen in seinen Küren hinzu, mehr oder weniger ausgereift.

„Wir werden noch etwas Zeit brauchen, denn Martin ist extrem gewachsen in diesem Jahr, das muss er erst einmal mit Kraftzuwachs stemmen“

Bei der Landesmeisterschaft konnte der Junior bereits die Ringe-Wertung für sich entscheiden und gilt nun, trotz seiner Jugend, als bester Ringe-Turner des Landes. Am Boden zeigte er erstmals seinen neuen Doppelsalto vorwärts, ein D-Element. „Wir werden noch etwas Zeit brauchen, denn Martin ist extrem gewachsen in diesem Jahr, das muss er erst einmal mit Kraftzuwachs stemmen“, schmunzelt Zelaya, den Martin nun plötzlich um einiges überragt. „Für die Staatsmeisterschaft erwarte ich noch nicht viel, aber Martin hat an einigen Geräten außergewöhnliches Potenzial, er muss es nur erst selbst glauben lernen“, sagt der Coach. „Die beiden haben einander gut gefunden, Martin lernt seit heuer im BORGL Spanisch im selben Ausmaß wie sein Trainer Deutsch, eine spannende Zusammenarbeit in jeder Hinsicht“, lacht Weinberger, zugleich auch Mutter von Martin.