Nur Marie erlebt Hoch. Bei den Staatsmeisterschaften in Graz belegt Tullnerbacherin im Mehrkampf Rang acht. Wolfs Bruder Martin kann seine Leistung von der Landesmeisterschaft nicht wiederholen.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 09. Juni 2021 (00:22)
Marie Wolf performte beim Sprung sensationell.
Wolfgang Lehner, Wolfgang Lehner

Im Anschluss an die nicht ganz zufriedenstellende Landesmeisterschaft letzte Woche, gelang der Tullnerbacherin Marie Wolf bei der 75. Staatsmeisterschaft im Rahmen der Austrian Finals in Graz eine absolute Sensation, mit der niemand gerechnet hatte. Mit dem achten Gesamtrang in der höchsten Wertungsklasse (Elite) setzte sich die 16-jährige SLZ/BORGL-Schülerin von der Union St. Pölten auf die Ergebnisliste inmitten einiger Nationalkaderturnerinnen.

Erst am letzten Drücker in den Kader gerutscht

Bei den beiden Qualifikationen ursprünglich überhaupt nicht für den NÖ Kader nominiert (die NÖN berichtete), wurde sie im letzten Moment nach dem Podiumstraining noch vor Ort eingewechselt. Die Entscheidung von NÖFT-Landesreferentin Hamersak erwies sich als goldrichtig. Am Sprung und Balken performte Wolf sogar als beste Niederösterreicherin, im Gesamtergebnis als Zweitbeste konnte sie mit ihrer Sprung- und Bodenwertung zum guten Mannschaftsergebnis (5.) entscheidend beitragen. Die Finalqualifikation für den Sprung als fünftbeste Österreicherin und erste Finalreserve für den Balken waren das „Zusatzzuckerl“. Diesen Platz bestätigte sie am Folgetag inmitten von starken Nationalkaderturnerinnen mit Endrang fünf.

„Ich habe so viel Spaß gehabt! Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn einfach alle Küren fehlerfrei gelingen“, wirkte sie selbst vom Ergebnis positiv überrascht, schließlich bedeutete ihre Leistung auch einen persönlichen Punkterekord. „Zum ersten Mal nach Monaten lief endlich alles wie geplant“, strahlte Wolf, die zuletzt doch schon frustriert wirkte.

Die Sportunion St. Pölten hat mit diesem Resultat tatsächlich nach 17 Jahren erstmals wieder eine Kunstturnerin in diese Wettkampfklasse gebracht. Auch damals belegte Daniela Mayer Rang acht. „Ein Verein der konsequent und konstant ausbildet, ist Grundvoraussetzung für den Erfolg im Kunstturnen“, weiß NÖFT-LLZT-Trainerin Sissy Lehota. „Die Union St. Pölten investiert viel, hat uns mit Laurentiu Nistor einen Co-Trainer zur Verfügung gestellt, der uns im Leistungszentrum perfekt ergänzt, das trägt nun Früchte!“

Doch Freud und Leid liegen oft sehr nah beieinander. In der Vorwoche noch zum Landesmeister gekürt, war Maries Bruder Martin Wolf (15) gerade beim wichtigsten Wettkampf der Saison vom Pech verfolgt.

Martin lässt gleich an zwei Geräten völlig aus

„Blockaden im Kopf verhinderten, dass er alle in den letzten Monaten erlernten Elemente zeigen konnte“, meinte Cheftrainer Zelaya vom LLZT. „Zwei Elemente gelangen überhaupt nicht, was ganze acht Strafpunkte bedeutete und zwei Stürze räumten weitere zwei Punkte ab“, war der ÖFT-Juniorenkaderturner mit Endrang 18 mehr als unglücklich. Eigentlich war das Ziel eine Finalqualifikation für Sprung und Boden gewesen!

„Wir finden im Moment die Form nicht“ weiß Cheftrainer Zelaya vom LLZT, „aber dieses Jahr war nicht nur generell verrückt, auch Martin durchlebt eine turbulente Zeit mit Schule, Internat, Alltagsorganisation und Entwicklung, es wird sich früher oder später beruhigen“, rät er dazu, sich nicht entmutigen zu lassen. „Weiterhin hart arbeiten, das ist die Devise!“