Sportvereine wollen endlich Planbarkeit. Während Profisportler spielen dürfen, ist der Amateursport weitgehend auf Eis gelegt. Die Funktionäre verlieren ihre Geduld.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 24. Februar 2021 (03:28)
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An der Breitensportbasis brodelt’s. Immer lauter werden die Rufe nach Öffnungsschritten. „Der Aufschrei der im Sport führenden Funktionäre gegenüber überzogenen Maßnahmen hat bislang aber wenig gebracht“, muss auch Albrecht Oppitz enttäuscht feststellen. In seiner Funktion als Purkersdorfer Sportstadtrat sind ihm die Anliegen der Vereine „eine Herzensangelegenheit“. In Purkersdorf habe man daher die Hallenmieten für das ganze Jahr 2021 auf ein Drittel reduziert. „Das soll helfen, nach der Coronazwangspause die wichtigen Angebote für Kinder wieder hochzufahren“, sagt er.

Große Sorgen hat Johann Hügel, Obmann vom Gewichtheber-Traditionsklub KSV Pressbaum. Dabei sei die Nachwuchsarbeit im Jahr 2019 noch hervorragend gelaufen. „Wir waren mit geprüften Trainern um Roman Lehner in Schulen mit Hantelstangen, Scheiben, Gummimatten unterwegs und fanden tolle Resonanz bei den Kids“, erzählt er. Man wollte im Rahmen des regulären Turnunterrichts eine Neigungsgruppe für allgemeine Körperausbildung, Kraft-, Schnellkraft sowie Leicht- und Schwerathletik bilden. „Unser Training ist die Grundlage für fast alle Sportarten und extrem wichtig, doch leider ist alles seit einem Jahr gestoppt“, klagt Lehner.

Die Mitgliedzahlen beim KSV sind laut Hügel rückläufig. Kein Wunder, schließlich hat man im Vorjahr keinen einzigen Wettkampf bestreiten können. „Wir leben aber davon, dass wir vor den Wettkämpfen rund 200 Einladungsbriefe mit Zahlscheinen versenden, aber diese Einnahmen gab es ebensowenig, wie jene der Tombola!“

Zudem herrsche wegen des Lockdowns auch ein Betretungsverbot für die Trainingsräume in der Volksschule. „Nicht alle haben die Geräte zuhause, und ein gemeinsames Training kann jenes daheim ohnehin nie ersetzen“, weiß Lehner.

Meinke sieht mit Tests fast kein Risiko mehr

Andreas Meinke, Sektionsleiter des ASV Pressbaum Badminton berichtet, dass seit Beginn der Pandemie einige ihre Mitgliedschaft beim Verein nicht erneuert hätten. „Die Zahlen der Kinder sind zwar eher stabil, aber es wird sich zeigen, wer bei der Wiederaufnahme des Trainings tatsächlich zurückkehrt“, befürchtet er, dass manche andere Freizeitbeschäftigungen gefunden haben. Aber es gäbe auch Nachfragen, wann endlich wieder trainiert werden könne. „Und es gibt Leute, die nicht verstehen, dass einige Sportarten trainieren können, andere hingegen nicht.“

Dabei kann sich Meinke einen Trainingsstart gerade im Badminton gut vorstellen. „Unsere Bundesligisten, die seit Wochen spielen, zeigen wie es geht“, ist er überzeugt. „Antigen-Tests ermöglichen, dass größere Gruppen zusammenkommen“, ist er überzeugt, dass schon zwei Tests pro Woche Sport ohne Körperkontakt risikofrei ermöglichen.

Dieter Pawlik, Obmann des FC Purkersdorf, sieht darin sogar die große Chance für den Fußball. Und er fordert, dass alle — Kinder, Jugendliche und Erwachsene — gleich behandelt werden. „Es ist unverständlich, dass manche gleicher sind als andere!“

Auch Pawlik treibt die große Unbekannte um, wie viele Kids wieder zum Sport zurückkehren. „Was tut sich, wenn wir wieder auf den Platz dürfen? Wie viele beschränken dann ihre Fußballaktivität weiterhin auf die Playstation?“

Und er sieht ein Defizit beim NÖFV. „Anscheinend haben wir Fußballer nicht die Lobby wie der Wintersport. Wie ist es sonst zu erklären, dass der Wiener Eislaufverein, der die Größe unseres Hauptfelds hat, für jetzt über 300 Eisläufer zugelassen ist, und wir nicht einmal mit 15 Leuten auf so einer Fläche sein dürfen?“ Im schlimmsten Fall sieht Pawlik sogar das Ende von Fußball als Breitensport kommen. „Bereits vor Corona hatten wir in manchen Altersklassen nicht genügend Teams für eine Meisterschaftsgruppe, weshalb es gruppenübergreifende Meisterschaften gab. Dies wird jetzt sicher nicht besser und kann zur Folge haben, dass die weiten Anfahrten zu den Spielen dann noch mehr Teamauflösungen nach sich ziehen. Eine Spirale, die den Fußball vernichtet“, gibt es daher für ihn nur eine Lösung: „Bitte, bitte, sofort aufsperren, bevor es komplett zu spät ist!“.