Erstellt am 26. September 2012, 00:00

„Verband macht keine Kompromisse“. Badminton / Werner Langthaler erklärt, warum Tochter Sonja im Sommer überraschend den Nationalteamkader verlassen hat.

Sonja Langthaler  |  NOEN, Stumpfer
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Von Claus Stumpfer

NÖN: Ihre Tochter Sonja gilt als eines der größten Talente im österreichischen Badmintonsport. Warum ist sie im Sommer aus dem österreichischen Nationalteamkader ausgeschieden?

Werner Langthaler: Sie wollte nicht auf ihr Wunschstudium verzichten und ein Kompromiss mit dem Verband war nicht zu erzielen. Der ÖBV hat Auflagen und Kriterien , die es in sich haben. Sonja müsste sechsmal pro Woche an Vormittagen im ÖBV-Stützpunkt trainieren. Damit aber wäre ihre Berufsausbildung stark beeinträchtigt.

Trainiert Sonja trotzdem weiter oder bedeutet dies das Ende Ihrer sportlichen Karriere?

Langthaler: Ich habe den Eindruck, dass sie motivierter denn je ist. Die langjährige Ungewissheit ist weg und die Freude an Badminton zurück. Nach ihrem Sommeraufbauprogramm mit Petra Marchart-Robeischl wollte sie jetzt beim ersten ÖBV-Einzelranglistenturnier wissen, wie es ihr in ihrem bislang schwächeren Bewerb, dem Einzel, ergeht. Sie wurde Dritte - also ein klarer Fortschritt!

Leidet die Qualität des Trainings ohne Nationalteamcoach?

Langthaler: In den fünf Jahren Nationalkaderzugehörigkeit war der Posten des Jugendnationaltrainers drei Jahre vakant. Kommunikation gab es praktisch keine. Und gerade eben hat der neue Jugendnationaltrainer seine Arbeit nach nur wenigen Wochen per Jahresende gekündigt.

Lilli Greutter war langjährige Doppelpartnerin von ihrer Tochter. Wie geht es mit Ihr weiter? Sie war ja nicht beim Ranglistenturnier!

Langthaler: Lilli wäre nach langer Verletzungspause nominiert gewesen. Ein Trainingsunfall, bei dem sie eine Hornhautprellung davontrug, verhinderte ihren Einsatz.

Die mühevoll aufgebaute Badminton-Neigungsgruppe im Sacré Coeur, ein Mitgarant für die ASV-Erfolge der letzten Jahre, soll vor dem Aus gestanden sein. Wie geht es weiter?

Langthaler: Tatsächlich handelt es sich um eine vorbildliche Zusammenarbeit zwischen Schule und Verein mit unzähligen Meistertiteln auch im Schulcup NÖ und bundesweit. Das alles sollte über den Sommer „abgedreht“ werden! Seitens der Schule bedauert man teilweise die neuen Zielsetzungen. Wir vermuten, dass die „neue Mittelschule“ Grund der Einsparungen zahlreicher Kreativangebote ist. Dem Badminton wäre eine funktionierende Lebensader durchtrennt worden, eine die lokal, mittels zwischenmenschlicher Sympathien sorgsam aufgebaut worden war und über Jahre perfektioniert wurde.

Wie konnte das Ende verhindert werden?

Langthaler: Der Schuldirektor zeigte Engagement und hat die Neigungsgruppe für das kommende Jahr gesichert. Dafür gebührt ihm großer Dank!