Weltcupfinale mit Wihlidal-Feuerwerk. In Rotterdam lässt der 36-jährige Wolfsgrabener am Rad sogar die weltbesten Profis alt aussehen. Überlegener Age-Group-Sieg!

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 04. Oktober 2017 (02:42)
NOEN, privat
Auf der Laufstrecke gibt Wihlidal nochmals alles, bleibt dabei aber recht locker.

Recht still war es über den Sommer um den Wolfsgrabener Niko Wihlidal. Nach seinem Agegroup-EM-Titel in Kitzbühel, hat er sich voll auf sein zweites Saisonhighlight, das Weltcupfinale in Rotterdam, konzentriert. Selbst den Staatsmeistertitel nahm er quasi nebenbei mit.

Topfit in Rotterdam

„Dass ich mich derart fokussierte, hat sich bezahlt gemacht, denn ich bin topfit nach Rotterdam gereist“, hatte der 36-Jährige, der das zweite Jahr in der Altersklasse 35-39 läuft, erneut den Klassensieg im Visier. Und natürlich schielte er als einstiger Profi auch ein wenig in Richtung Eliterennen. Da aber in Wellen gestartet wurde, war ein direkter Vergleich nicht wirklich möglich. Die Profis wurden bei idealen Bedingungen bei Sonnenaufgang abgelassen, dann folgte aufsteigend die Meute von den jüngsten bis zu den ältesten Agegroupern.

„Vor allem auf der winkeligen Radstrecke war eineinhalb Stunden nach den Profis bei mir schon einiges los, da ist man froh, wenn man heil durchkommt“, sah Wihlidal in der anspruchsvollen Strecke aber auch einen großen Vorteil für sich. „Mir liegen technisch schwierige Strecken besser“, erklärt er.

„Sogar im Wasser hat es sich gut angefühlt“

Bei idealen Bedingungen wurde gestartet. Das Wasser ist mit 16,5 Grad um diese Jahreszeit an der holländischen Küste aber schon recht frisch. „Ich hab es aber gar nicht so kalt empfunden, fühlte mich ungewöhnlich wohl auf der Schwimmstrecke“, spielte Wihlidal, der seit Jahren von seinem Vater Klaus, einem Mediziner, betreut wird, seine Form sofort aus. Als Vierter kam er aus dem Wasser, auf Schlagdistanz zu den noch vor ihm liegenden Alterskollegen.

Und eines war für Wihlidal sowieso klar, am Rad musste er die Zeit für den Sieg holen. „Ich hatte heuer nicht mehr die Form im Laufen, wie noch im Vorjahr, also trat ich voll in die Pedale.“

Mit durchschlagendem Erfolg, denn Wihlidal legte mit 55:22 Minuten eine Radzeit hin, an die auch kein Profi herangekommen ist. In seiner Altersklasse schafften die 39,8 Kilometer gerade einmal zwei Fahrer knapp unter einer Minute.

„Ich bin dann aber trotzdem auch noch bis zur Ziellinie voll gelaufen, weil wir Agegrouper in zwei 70er-Wellen abgelassen wurden, und nicht klar war, ob in der zweiten Welle irgendein Neuseeländer, Australier oder US-Mann meine Zeit vielleicht noch toppen kann“, schildert Wihlidal. Er hatte heuer schon am Faaker See ein Rennen um 13 Sekunden bei ähnlicher Konstellation verloren, weil er zu siegessicher war. „Das war böse!“, erinnert er sich mit Schaudern.

„Die Saison heuer war genial, mir ist mit dem EM-Titel und jetzt dem Weltcup-Final-Sieg alles aufgegangen“

Aber mit der Endzeit von 1:54:39 Stunden hatte er diesmal keine Konkurrenz zu fürchten. Sogar bei allen Agegroupern zusammen reichte es noch aufs Stockerl. Nur zwei um zehn Jahre jüngere Athleten waren knapp schneller. Und selbst den Vergleich mit den Profis muss Wihlidal nicht scheuen. Der Sieger aus Frankreich, Luis Vincent, benötigte 1:51:26 Minuten. „Und der hatte im Vergleich zu mir vorneweg speziell am Rad Laborbedingungen“, lacht Wihlidal.

In der Gesamtwertung hätte es für Wihlidal therotisch zum 24. Rang gereicht, denn nur 21 Pros und eben zwei Agegrouper waren schneller. In seiner Altersklasse betrug der Vorsprung auf den Zweitplatzierten Australier mehr als vier Minuten.

„Die Saison heuer war genial, mir ist mit dem EM-Titel und jetzt dem Weltcup-Final-Sieg alles aufgegangen“, gönnt sich Wihlidal zwei Wochen Trainingspause. Wettkampfplan für kommende Saison hat er noch keinen. „Die EM ist nächste Jahr in Estland, die WM sogar in Australien, da werden sich Teilnahmen kaum ausgehen“, überlegt er dafür Starts in Deutschland. „Aber dafür ist noch Zeit, zuerst muss ich mein Trainingslager für Februar planen.“