Weltklasse in St. Pölten. 100-m-Hürden der Frauen gingen mit abosluter Topzeit trotz kühlem Wetter an die US-Amerikanerin Amber Hughes. Kugelstoßen war Olympiawürdig.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 04. Juni 2019 (03:12)

Am Feiertag fand im St. Pöltner Sportzentrum NÖ mit dem 12. Sportunion Liese Prokop Memorial der Auftakt zur diesjährigen Austrian-Top-Meeting-Serie statt. „Obwohl es recht kühl war, hatten wir am Wettkampftag doch Wetterglück“, zeigt sich Meetingdirektor Gottfried Lammerhuber nach den zermürbenden Tagen des Dauerregns während der Aufbauarbeiten im Sportzentrum NÖ mit den Bedingungen doch zufrieden. Athleten aus 21 Nationen begeisterten das zahlreich erschienene Publikum

Nach dem Sensationslauf von Alina Talay im Vorlauf konnte man auch heuer zwei große internationale Ausrufezeichen setzen. Für die herausragende Leistung sorgte US-Hürdensprinterin Amber Hughes mit einer Zeit von 12,74 Sekunden über 100-m-Hürden. Mit dieser persönlichen Bestzeit lief sie die elftbeste Zeit des Jahres. Der Schützling von Olympiasieger Dwight Phillips, der auch als Weitsprungtrainer von Österreichs Siebenkampf-Champion Ivona Dadic fungiert und daher persönlich anwesend war, möchte ins US-Team für die WM. „Dafür wird aber wohl eine 12,40er Zeit notwendig sein“, weiß Hughes, doch ihr Coach hält diese für möglich. „Vielleicht schon nächste Woche in Hengelo!“

Hughes gibt zu, dass sie anfangs vom Meeting in St. Pölten leicht geschockt war. „Es ist unglaublich familiär, die Fans sind so nah wie bei keinem anderen Meeting dran, doch jetzt habe ich mich ein klein wenig verliebt in diesen Event“, meinte sie nach der Siegerehrung. Mit ihrem ebenfalls überaus locker auftretende Weltstartrainer war sie begehrtes Objekt von Autogramm- und Selfiejägern.

Einen guten Saisonauftakt gab es zumindest im Vorlauf mit 13,32 Sekunden für Lokalmatadorin Beate Schrott (Union St. Pölten) — österreichische Jahresbestleistung! Schmerzen in der Wade ließen sie dann aber das Finale schon vor der ersten Hürde abbrechen. „Ich hab es schon vor dem Wettkampf gespürt, der Vorlauf ist dann aber überraschend gut gegangen.

Aber als ich im Finale vom Start weg voll ‚gearbeitet‘ habe, gab’s einen Stich und ich wollte nichts riskieren. Ich will mich definitiv nicht mehr verletzen“, klagt die Medizinerin über Dauerwehwechen. „Ich konnte in den letzten Wochen kaum ernsthaft trainieren. Es zwickt da und dort, das ist echt zermürbend!“

Dadic im Weitsprung noch unter Möglichkeiten

Union-Teamkollegin Ivona Dadic trat nur im Weitsprung an. Beim ersten Wettkampf unter ihrem neuen Disziplinen-Trainer Phillips blieb die Siebenkampf-Vizeweltmeisterin aber mit 5,94 Meter noch unter ihrem Anspruch. „Es waren nach einigen Technikumstellungen zwar schon weite Sprünge dabei, doch hatte ich den Anlauf nicht im Griff“, musste sie mit vielen übertretenen Sprüngen leben. Den Sieg holte sich die Weltjahresbeste Chantel Malone (USA) mit 6,27 Meter.

Erstmals fand beim Prokop-Memorial auch ein Kugelstoßbewerb statt. Am Ende siegte Europameister Konrad Bukowiecki aus Polen, der mit seiner Siegerweite von 21,70 Meter sich auf Platz sieben der JWBL vorschob. „Nur in der Halle habe ich schon weiter geworfen“, jubelte er. Getrieben wurde er vom starken Bosnier Mesud Pezer, der nur zwei Zentimeter dahinter blieb. „Diese Sensationsweiten hätten bei allen Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen für eine Medaille gereicht“, weiß Lammerhuber.

International starke Ergebnisse gab es dafür auf den 100-m- Sprintdistanzen. Andrea Purica aus Venezuela siegte in 11,26 und verfehlte ihren Rekord nur um 0,03. Bei den Herren gewann der brasilianische Olympiafinalist Derick Silva mit 10,28 in einem packenden Finale knapp vor Zdenek Stromsik und Jan Veleba, die beide 10,30 liefen. Wie schon im Vorjahr brachte die Top-Leistung aus österreichischer Sicht Markus Fuchs. Seinen Vorjahressieg konnte er trotz neuer persönlicher Bestleistung von 10,32 Sekunden aber nicht wiederholen. Um eine Hundertstel verpasste er sogar den Stockerlplatz!

Lammerhuber zog zufrieden Bilanz: „Athleten, Trainer, Publikum und auch unsere Partner waren sehr zufrieden. Das Memorial hat mittlerweile einen großen Stellenwert und bestätigt die langjährigen Bemühungen unseres gesamten Union-Helferteams und aller Unterstützer!“