Panthers rochen Sensation. St. Pöltens Cup-Abenteuer ging im Semifinale zu Ende. Größter Erfolg der Klubgeschichte war zum Greifen nah. Vergebener Satzball im dritten Durchgang als Knackpunkt.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 26. Februar 2019 (00:50)
Stumpfer
Christian Karlin und seine Panthers waren beim Niederösterreich-Derby im Cup-Semifinale hauchdünn an einer Sensation dran.

Als Mannschaft der 2. Bundesliga hatten sich die St. Pöltner Volleyballer heuer sensationell für das Final-Four des österreichischen Cups in Graz qualifizieren können. Die Truppe von Manuel Leitgeb reiste zwar als krasser Außenseiter aber trotzdem topmotiviert in die steirische Landeshauptstadt. Die Aufgabe war aber extra schwer, denn bereits im Semifinale wartete mit dem VCU Amstetten der 17 Cupspiele in Folge ungeschlagene Titelverteidiger.

Und die Amstettner hatten sich mit David Michel extra einen Ex-Aich/Dob-Angreifer und als Aufspieler den Beacher Daniel Müllner als Verstärkung organisert. „Sie haben sich diese zwei Topspieler zwar sicher nicht für das Derby gegen uns, sondern fürs Finale geholt, aber es zeigt, wie wichtig sie den Cup auch heuer genommen haben, und dass sie unbedingt ein viertes Mal in Folge mit dem Pokal heimreisen wollten“, erklärt Panthers-Trainer Manuel Leitgeb.

Um den Titel zu holen, musste Amstetten aber zuerst St. Pölten aus dem Weg räumen, und die Landeshauptstädter hatten eindeutig etwas dagegen. „Natürlich wollen wir ihnen ein Bein stellen“, meinte der zuletzt in Topform agierende Christian Karlin. Bereits am Donnerstag ist das Team angereist, fand perfekte Trainingsbedingungen im Raiffeisen-Sportpark vor. „Wir haben das professionelle Umfeld bei diesem Event sehr genossen“, war auch Leitgeb begeistert vom Flair der höchsten Spielklasse in Österreich.

Rotzfrecher Auftakt führt zu erstem Satzgewinn

Am Freitag reisten rund 50 USP-Fans aus St. Pölten nach, um ihr Team ins Finale zu peitschen. Und gleich im ersten Satz zeigten die Panthers mit erfrischendem Volleyball ihre Krallen. Matthias Köstler vermochte die Amstettner mit seinem variantenreichen Aufspiel zu verwirren, Werner Kritzinger und Tobias Puchner liefen zur Hochform auf und die USP konnte den ersten Satz sensationell mit 25:21 gewinnen!

Im zweiten Satz geriet man dann erst ein wenig ins Hintertreffen, konnte aber wieder den Anschluss finden und spielte danach gut mit. Am Ende glichen die Favoriten jedoch mit einem 25:20-Satzgewinn auf 1:1 aus.

Im dritten Satz waren die St. Pöltner wieder von Anfang an voll da. „Wir waren fast so stark wie im ersten, als sie uns vielleicht noch etwas unterschätzt hatten“, findet Leitgeb. „Aber jetzt wussten sie, dass sie alles gegen uns aufbieten müssen“, ist der Spielertrainer stolz. Sein Team fasste sich ein Herz und konnte Amstetten immer wieder unter Druck setzen. „Die Nervosität beim Bundesligisten war zu spüren“, findet auch USP-Pressesprecher Harald Hofko. Doch als die St. Pöltner sogar einen Satzball hatten, war es dann doch die Routine der Amstettner, die sie über diesen heiklen Moment hinwegrettete. „Ihr Coach Henschke ist an der Seitenlinie förmlich explodiert“, schildert Hofko. Die Panthers konnten das Momentum nicht für sich ausnützen, verloren den wichtigen dritten Satz 24:26.

„Wenn wir hier auf 2:1 gestellt hätten, dann wäre die Überraschung vielleicht wirklich gelungen“, trauert Leitgeb dem Satz und einer riesigen Chance nach.

Ab der Mitte des vierten Satzes war dann aber der Druck von Amstetten einfach zu groß. Mit 18:25 gewannen sie dann deutlich selbstsicherer den Durchgang und somit das Spiel 3:1.

„Das Satzergebnis täuscht komplett über den Spielverlauf hinweg. Wir hatten die Fingerspitzen im Finale – das ist so bitter“, klagte Kapitän Puchner direkt nach dem Spiel.

Die Enttäuschung wird wohl noch ein wenig in den Knochen der Spieler stecken, die aber trotzdem stolz auf das Erreichte sind. „Ein extrem starker Auftritt, dass haben uns auch alle anwesenden Bundesligacoaches versichert“, ist Leitgeb stolz. Und VCA-Coach Henschke gratulierte: „Ganz ehrlich, ihr seid heute richtig, richtig stark gewesen!“

Lob an die Fans – jetzt ruft das Meister-Play-off

Und die Fans aus der niederösterreichischen Landeshauptstadt waren wirklich Wahnsinn. Mit Trommeln, Tröten, Dressen und eigens gestrickten Schals feuerten sie ihr Team an. Laut, frenetisch, begeistert – das ist auch den anderen Mannschaften aufgefallen. Via Facebook-Livestream waren weitere 180 Zuseher dabei. „Wir haben zwar den Finaleinzug verpasst – aber es macht uns stolz, dass wir so weit gekommen sind und wir sind unendlich dankbar für diese Fans. Die sind einfach Wahnsinn!“, bedankte sich Oldboy Robert Kirkovic.

Das Abenteuer Cup war für die St. Pöltner nach dem Semifinale somit vorbei, auf die siegreichen Amstettner wartete im Finale der UVC Graz. Doch die Hausherren erwiesen sich als klar zu stark für die besten Niederösterreicher — es setzte ein 0:3-Debakel.

Für die St. Pöltner geht es jetzt im Meister-Play-off der 2. Bundesliga weiter. „Dafür gilt es jetzt den Kopf wieder frei zu kriegen“, fordert Leitgeb vollste Konzentration für das erste Heimspiel am 2. März (14 Uhr) in der HTL gegen Sokol ein. Danach spielen die Damen in der 2. Landesliga (16.30 Uhr) und die Landesliga-Herren (19 Uhr), beide gegen Aschbach.