Der St. Pöltner Neuzugang als Matchwinner. Debütant Krayem wirft SKN St. Pölten in Wahnsinnspartie gegen Oberwart zum Sieg. Auch in Wien zittert sich St. Pölten durch.

Von Manuel Burger. Erstellt am 06. Januar 2021 (02:00)
Ein Debüt wie im Bilderbuch. In einer normalen Saison wäre Omar Krayem (Mitte) wohl von rund tausend Fans in der Halle als „Retter“ gefeiert worden, doch in der Coronasaison gab es nur begeisterte Fans im Livestream.
Wolfgang Mayer

ST. PÖLTEN – OBERWART 81:80. Die nächste Nervenschlacht mit St. Pöltner Beteiligung. Fast wäre es noch schlimmer gekommen, als im Cup-Halbfinale. Da verspielte der SKN eine 16-Punkte-Führung. Am Samstag lagen die Niederösterreicher bereits mit 18 Zählern vorne (52:34), nahmen davon noch satte 15 mit ins letzte Viertel. Doch wieder riss der Faden und kurz vor Schluss hatten die Burgenländer den Rückstand aufgeholt, lagen mit 77:76 vorne. Auf der Gegenseite traf Schilder zum 78:77, aber die Gäste hatten den letzten Angriff. Vermeintlich, denn Knessl traf zwar einen Dreier, allerdings waren noch neun Sekunden auf der Uhr. So krönte sich ausgerechnet Neuzugang Omar Krayem bei seinem Debüt zum Matchwinner. Der Guard traf vier Sekunden vor dem Ende weit entfernt von der Dreierlinie zum Sieg. Kein schulmäßiger Angriff, aber nach dem Motto „Wer trifft hat Recht“ durfte sich der Topscorer der Partie (27 Punkte) feiern lassen. Und sich der SKN, ohne den beruflich verhinderten Trmal, über zwei wichtige Punkte gegen einen direkten Konkurrenten um einen Platz in den Top sechs freuen.

Der Neue benötigte keine Anlaufzeit

Krayem war es auch, der zu Beginn des Spiels gleich das Heft in die Hand nahm. St. Pölten zündete ein wahres Offensivfeuerwerk, markierte in etwas mehr als sechs Minuten 27 Punkte und lag zweistellig vorne (27:17). Bärenstark: Von acht Dreierversuchen in Serie landeten sieben im Netz. Im zweiten Abschnitt verkürzte Oberwart auf 28:29, Mbembas sieben Punkte en suite ließen den SKN aber wieder davon ziehen. Der Vorsprung wuchs kontinuierlich bis zur Pause auf 17 Punkte (52:35).

Im dritten Viertel gelangen St. Pölten in fast acht Minuten nur fünf Punkte. Vier erfolgreiche Freiwürfe und zwei Schilder-Dunks halfen den Heimischen aber auf die eingangs erwähnten 15 Punkte zu Beginn des letzten Viertels zurückzugreifen. Wonisch und Jagsch trafen zwar zunächst wichtige Würfe, der Oberwarter Express (30 Punkte in den letzten zehn Minuten) war aber letztendlich nur von Krayems „Wunderwurf“ zu bremsen …

„Wir haben es zum Schluss unnötig spannend gemacht und sind mit einem blauen Auge davon gekommen“, atmete SKN-Head Coach Andreas Worenz durch. So macht Basketball jedenfalls Spaß, leider waren die Zuschauer nur via Livestream dabei. „Es wäre ein Spiel für die Zuschauer gewesen. Schade, dass sich Omar nicht vor 1000 Fans feiern hat dürfen.“

TIMBERWOLVES – SKN ST. PÖLTEN 71:75. Wie schon in der Vorsaison ging es für das letzte Spiel des Jahres in den 22. Wiener Gemeindebezirk. Die Wiener starteten gut, führten nach fünf Minuten mit 10:5. Danach brauchten die Gäste aber keine zwei Minuten um einen 12:0-Lauf hinzulegen. Fünf Dreier fanden ihr Ziel, Wonisch verwandelte drei en suite. Die Folge war ein klares 25:15 nach zehn Minuten. Die Herrlichkeit aus der Distanz war dann aber vorbei, alle folgenden 17 Würfe verfehlten ihr Ziel. Der SKN hatte das Glück, dass bei den Timberwolves auch im zweiten Viertel offensiv überhaupt nichts zusammen lief. Nach sechs Minuten lautete demnach der magere Spielstand 5:6. Die St. Pöltner Größenvorteile machten sich am Rebound bemerkbar, die Gastgeber mussten ihr Heil von der Dreierlinie (insgesamt 33 Würfe) suchen. Vorerst vergeblich. Mit einer 16-Punkte-Führung für den SKN wurden die Seiten gewechselt. „Wir haben sie in der ersten Hälfte gut unter Kontrolle gehabt. In der Pause habe ich der Mannschaft gesagt, dass sie das Spiel nicht auf die leichte Schulter nehmen darf. Denn ich habe gewusst, dass sie zu treffen beginnen werden“, erzählt Worenz.

Im dritten Viertel schmolz der Vorsprung

So kam es dann auch, noch dazu gleich zu Beginn der zweiten Hälfte mit drei Dreiern und einem 11:2 nach etwas mehr als zwei Minuten. Dann nahmen sich die Wiener wieder eine spielerische Auszeit, St. Pölten nutzte dies aber zu wenig aus. Nach sechs SKN-Punkte in Folge, legten die Timberwolves ein 11:0 nach. So schmolz der Vorsprung auf zwei Punkte (49:47), Cutuk beendete das Viertel mit einem extrem wichtigen Dreipunktespiel. So betrieb man Schadensbegrenzung (13:22).

Auch im vierten Abschnitt lief zunächst wenig bei St. Pölten zusammen. In über fünf Minuten gelangen nur vier Zähler. So drehte Wien tatsächlich die Partie und ging in Führung: 59:58. Doch Böck und Schilder punkteten für die Worenz-Truppe eifrig. Beim offenen Schlagabtausch in der Schlussphase hatte der SKN den längeren Atem. „Dass jemand zum Korb zieht, hat uns zuletzt gefehlt. Luki hat Verantwortung übernommen“, lobte Worenz Böcks Energieanfall in der „Crunchtime“ mit acht Punkten in Serie.