Eine fast perfekte Woche für Nationalteam in St. Pölten

15 Minuten vor Schluss ging den Korner-Schützlingen etwas die Luft aus.

Erstellt am 04. August 2021 | 01:44
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Der erst 17-jährige St. Pöltner Lokalmatador Rashaan Mbemba (l.) spielte im ersten Spiel entfesselt und wurde mit über 22 Minuten Einsatzzeit belohnt, mehr als jemals für den SKN in der Superleague.
Foto: Claus Stumpfer

Die ganze letzte Woche schwitzten 15 Spieler des Herrennationalteams im Sportzentrum NÖ, um für kommende Aufgaben gerüstet zu sein. Ein Sechzehnter war allerdings nur Zuseher. NBA-Star Jakob Pöltl hatte in seinem Heimaturlaub vom Verein keine Trainings- geschweige denn Spielerlaubnis erhalten.

Für Teamchef Raoul Korner, der viele junge Spieler einberufen hat, schwärmte dennoch von „paradiesischen Zuständen“. Nach zwei Jahren als Teamchef konnte er endlich in einem Camp seine Spielphilosophie den Spielern weiter geben. „Und nach sechs Pflichtspielen in der EM-Qualifikation bot das Testdoppel auch erstmals die Möglichkeit, Dinge auszuprobieren, ohne Rücksicht auf Ergebnisse nehmen zu müssen.“

Korner nützte die Spiele für neun Spielerdebüts. Daniel Köppel, Sebastian Käferle, Jakob Lohr, Renato Poljak, Tobias Schrittwieser, Jakob Szkutta und mit Rashaan Mbemba war auch ein St. Pöltner Lokalmatador darunter. Dazu gab es auch zwei junge Legionäre: David Fuchs (17), der im Nachwuchs des deutschen Bundesligisten Ulm ausgebildet wird und Max Heidegger (24). Und vor allem Heidegger, der Sohn des ehemaligen Ski-Weltcupsiegers Klaus, sollte voll einschlagen.

Skiweltmeistersohn als „Basketballwunder“

Bei der Vita des in den USA geborenen Shooting-Guards auch kein Wunder: Nach einer großartigen College-Karriere unterschrieb der 1,90-Meter-Mann einen Drei-Jahres-Vertrag beim EuroLeague-Team Maccabi Tel Aviv, ehe er innerhalb der israelischen Liga weiterverliehen wurde. Für Bnei Herzliya erzielte er im Schnitt über 18 Punkte, was ihm für kommende Saison ein Leihengagement in Oldenburg einbrachte. Ehe er beim deutschen Top-Klub den nächsten Karriereschritt machen wird, streifte er aber erstmals das rot-weiß-rote Trikot über. „Es ist etwas ganz Besonderes, für das Heimatland meines Vaters zu spielen“, meinte Heidegger zu den Tests gegen Rumänien. „Unser Team ist jung, aber wir haben großes Potenzial“, gab er sich optimistisch.

Genauso wie Generalmanager Johannes Wiesmann, der von St. Pölten begeistert ist: „Die Bedingungen, die hier über alle Sportarten hinweg geboten werden, sind einzigartig in Österreich“, schwärmt er und freut sich schon auf weitere Lehrgänge im Sportzentrum NÖ.

Erstes Testspiel: ÖSTERREICH - RUMÄNIEN 79:58. Der erste Schritt des „Re-Builds“ war erfolgreich: Österreichs stark verjüngtes Team überzeugte im ersten der beiden Tests, dominierte von Beginn an und feierte einen ungefährdeten 79:58-Sieg. Unter sieben Debütanten stach Max Heidegger heraus: Der Shooting Guard erzielte 35 Punkte und führte ein Team mit einem Durchschnittsalter von 22,8 Jahren zum Erfolg.

„Wir sind mit guter Intensität und hohem Energielevel in die Partie gestartet, haben mit unserer aggressiven Defense die Rumänen nie wirklich ins Spiel kommen lassen“, analysiert Korner, der mit Lohr, Heidegger und Poljak schon in der Starting-Five drei Debütanten aufs Feld schickte. So führte das Team schon nach 15 Minuten mit zwanzig Punkten. Mit ging es in die Pause, Heidegger hatte da schon 21 Punkte am Konto.

In Halbzeit zwei legten die Österreicher noch einen Zahn zu und baute den Vorsprung auf 26 Punkte (66:40) aus. Neben Heidegger lieferte vor allem auch der erst 17-jährige Mbemba ein starkes Debüt. Er wurde dafür mit 22:30 Minuten Spielzeit belohnt – womit er länger als in jedem BSL-Spiel am Court stand.

Zweites Testspiel: ÖSTERREICH - RUMÄNIEN 68:73. Im zweiten Spiel binnen 24 Stunden musste sich Österreich dann aber Finish noch geschlagen geben. Nach dem Sieg lagen Korners „Buben“ zwar erneut über weiter Strecken in Front, doch eine Viertelstunde fehlte zur perfekten Woche.

Der Teamchef sah im Einbruch aber sogar Positives. „Wir haben gesehen, dass unsere Guards doch Schwierigkeiten bekommen, wenn der Gegner wirklich robust zur Sache geht. Dazu gibt es aber Testspiele, dass die Jungs Erfahrungen sammeln und lehren ziehen. Gemeinsam können wir künftig den magel beheben!“

Auch das nach einem Dreier von Heidegger zum 7:0 im ganzen Spiel nur mehr ein Distanzwurf der Österreicher fallen wollte, zeigte am Ende Wirkung. Dabei führte man zur Pause noch mit 45:31!