Eine turbulente Saison für den SKN St. Pölten. Verletzungen, Coronapause, Gamewinner, Play-offs: SKN war in der Superliga mittendrin, statt nur dabei.

Von Manuel Burger. Erstellt am 21. April 2021 (02:05)
Kostas Oikonomopoulus (r.) fungierte als Motor im SKN-Spiel der abgelaufenen Saison. Von der Freiwurflinie war der Grieche mit 90 Prozent Trefferquote mit Gmundens Murati gar der Beste in der BSL.
Wolfgang Mayer, Wolfgang Mayer

Ein Platz unter den Top Sechs nach dem Grunddurchgang und die damit verbundene Play-off-Qualifikation war das Minimalziel, das der Vorstand der SKN Basketballer für die Saison ausgegeben hatte. „Mit dem fünften Platz haben wir das erreicht, aber es wäre sogar mehr drinnen gewesen“, ist Headcoach Andreas Worenz überzeugt. Wir blicken mit ihm auf eine facettenreiche Saison zurück, die für St. Pölten im Viertelfinale gegen CupsiegerOberwart(1:3)endete.

Ohne die „Fantastischen Drei“

Die SKN-Neuzugänge der letzten Saison Philip Jalalpoor, Florian Trmal und Kelvin Lewis schlugen phänomenal ein und waren drei der absoluten Topspieler in der Liga. Jalalpoor verließ St. Pölten Richtung deutscher BBL, Lewis riss sich im vierten Spiel das Kreuzband und fiel die komplette Saison aus. Und Trmal kehrte nach 13 Partien dem Sport aus beruflichen Gründen den Rücken. „Ein dreifacher Aderlass für uns“, klagt Worenz.

Entscheidend geschwächt

Dazu verletzte sich auch noch der verpflichtete Lewis-Ersatzmann Omar Krayem, machte nur neun Partien und war in der entscheidenden Saisonphase nicht dabei. Und Schlüsselspieler Roman Jagsch verpasste verletzt ebenfalls die ersten beiden Play-off-Partien, da hatte sich St. Pölten ohne seinen Kapitän gegen Oberwart schon ein vorentscheidendes 0:2 eingefangen.

Der Überraschungs-Coup

Nach vierjähriger Sperre holte der SKN Chris Ferguson zurück. Oberwarts Double-Sieger von 2016 katapultierte sich selbst mit im Schnitt 12 Rebounds und sein Team in der Platzierungsrunde an die Spitze dieser Wertung. In elf Partien lieferte der US-Amerikaner gleich acht Double-Doubles ab. Dafür rückten zwei weitere Neuzugänge mit Potenzial, Logan Schilder und Zvonomir Cutuk, nach gutem Saisonstart etwas in den Hintergrund. „Die Quote vom Zweier ist jedenfalls ausbaufähig“, weiß auch Worenz: Schlusslicht in der Platzierungsrunde (45 Prozent), nur marginal besser lief es in den Play-offs (47 Prozent).

Die Duftmarken

 Lukas Böck war eine der positiven Überraschungen des SKN. Nach Krayems Verletzung entwickelte sich das St. Pöltner Urgestein zur Schaltzentrale in seiner Mannschaft. Treffsicher war auch Jakob Wonisch. Der erst 21-jährige Senkrechtstarter war mit knapp 44 Prozent jenseits der Dreierlinie der drittbeste Werfer in der Liga. Lange glänzten auch seine Kollegen „von draußen“. Und von der Freiwurflinie zeigte Neuerwerbung Kostas Oikonomopoulus ein ruhiges Händchen. Mit 90 Prozent Trefferquote ist der Grieche mit Gmundens Murati gar der Beste in der BSL. Trotzdem: In der Platzierungsrunde und in den Play-offs war St. Pölten mit nur 62 Prozent abgeschlagen das schlechteste Team von der Linie.

Vom Virus erwischt

 Vom tollen 87:86-Auswärtssieg bei Meister Kapfenberg kehrte der SKN am 26. Oktober mit Coronafällen zurück. Weiter ging die Saison erst am 19. November. Es folgte ein Mammutprogramm mit 13 Spielen in 49 Tagen.

Herzschlagfinals

Knapp und spektakulär verliefen mehrere weitere Spiele des SKN. Legendär sind Krayems Monster-Buzzer-Beater gegen Oberwart bei seinem Debüt (81:80) oder Schilders Last-Second-Korbleger in Wels (85:83) binnen fünf Tagen. In eigener Halle verlor man gegen die Oberösterreicher aber mit dem letzten Wurf (81:82).

Die größte Enttäuschung

Der erstmalige Einzug ins Cupfinale seit 1998 wurde verpasst. St. Pölten verspielte zu Hause gegen Oberwart im letzten Viertel eine Neun-Punkte-Führung. Es war die bitterste Niederlage in der gesamten Saison.