Am Ende auf Platz vier: Dusek im Finale unbelohnt

Trendsport Weichberger-Ass fährt bei Cross-WM mit Rang vier mitten in die Weltspitze.

Erstellt am 17. Februar 2021 | 00:58
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Zielfoto im Großen Herrenfinale. Der Herzogenburger Jakob Dusek (mit gelbem Helm und kleines Bild) kann im Kampf um die Medaillenränge nicht mehr eingreifen. Es gewinnt der Spanier Eguibar vor Hämmerle und Grondin (v. r.).
Foto: ÖSV, Wöll

Die letztwöchige Cross-WM im schwedischen Idre Fjäll verlief für den 24-jährigen Herzogenburger Jakob Dusek, der jetzt als Heeressportler in Tirol lebt, wie im Traum. Erst im Finale wurde er unsanft herausgerissen.

In der Qualifikation am Dienstag hatte Dusek bei seiner WM-Premiere eine durchschnittliche Leistung locker zum Einzug der besten 32 gereicht. Mit seiner Laufzeit war er als Fünfzehnter aber am Donnerstag schon im ersten Lauf (Achtelfinale) gefordert.

„In der Qualifikation habe ich keinen Superlauf erwischt, aber es hat auch eine Rolle gespielt, dass es nach dem Training eine mehr als 30-minütige Pause gegeben hat und dadurch die ersten Fahrer in der Quali nicht die schnellsten Bedingungen vorgefunden haben“, erklärt Dusek, der mit Startnummer zwei stark gehandicapt war.

Der lange Kurs mit einer extremen Zielgeraden von über 600 Metern verlangte Dusek und Co. alles ab. „Ganz unten spürte man bei jedem Lauf, dass die Ansteuerung der Beine nicht mehr optimal funktioniert“, schildert er. Das Kraftpaket sah das aber von Anfang an positiv. „Hier ist für mich alles möglich, aber ich mache mir keinen Druck“, wollte er in erster Linie auf seinem höchsten Level snowboarden.

„Hier ist für mich alles möglich, aber ich mache mir keinen Druck“

Für die Finalläufe war aus Österreich noch Cross-Weltcupsieger Alessandro Hämmerle (Vorarlberg) qualifiziert. Der hatte am Dienstag mit der Quali-Bestzeit gezeigt, dass er auf dem 1.240 Meter langen Kurs zum engsten Favoritenkreis zählt. Der für NÖ fahrende Wiener Lukas Pachner (13.) war überraschend ebenfalls noch schneller als Dusek vom Weichberger-Team gewesen und der Steirer David Pickl (30.) schaffte auch den Sprung ins 32er-Herrenfinale.

Pia Zerkhold (Snowboardbase NÖ), die einzige Dame im heimischen WM-Aufgebot, sorgte in der Qualifikation für eine Schrecksekunde. Sie kam im ersten Lauf bei einem Sprung auf der langen Zielgeraden schwer zu Sturz, überstand diesen Crash aber ohne gröbere Verletzung und trat sogar noch zum zweiten Run an. Als 24. blieb ihr jedoch der Einzug ins Finale der Top 16 verwehrt.

Zerkhold haderte einerseits mit der verpassten Finalteilnahme, war aber andererseits froh, bei ihrem Sturz halbwegs glimpflich davongekommen zu sein. „In der Anfahrt zu diesem Sprung war es unruhig, dazu war ich auch mit dem Schwerpunkt etwas zu weit hinten. In der Luft habe ich mir nur gedacht, hoffentlich wird der Aufprall nicht zu heftig. Zum Glück habe ich gleich wieder aufstehen können. Der Sturz hat mich aber schon noch beschäftigt, deshalb hat bei der zweiten Fahrt auch nicht mehr viel zusammengepasst. Aber es war hinsichtlich des Teambewerbs am Freitag doch wichtig, noch einmal gut über diesen Sprung drüberzukommen“, meinte Zerkhold.

Bei den Finalläufen der Jungs hat dann für Hämmerle und Dusek bis zum großen Finale alles nach Wunsch geklappt. Dusek brauste mit Siegen in seinen Viertel- und Halbfinal-Heats wie Hämmerle ganz souverän ins Rennen der letzten Vier. Vor allem das Semifinale fuhr er sensationell, saugte sich auf der langen Zielgeraden vom abgeschlagen letzten Platz immer näher an die Spitze heran und gewann letztlich mit gewaltigem Tempoüberschuss noch ganz souverän. Pachner und Pickl waren hingegen im Achtelfinale ausgeschieden.

Nach den Laufsiegen für Hämmerle und Dusek war im österreichischen Lager natürlich die Hoffnung auf zwei Medaillen und natürlich auch die Goldene groß. Doch der Spanier Lucas Eguibar, der vor zwei Jahren WM-Silber geholt hatte, und der Kanadier Eliot Grondin legten ihr Veto ein.

„Einen vierten Platz will man bei einer WM am wenigsten haben, diese Erfahrung musste heute ich machen"

Der 27-jährige Hämmerle hatte zuletzt in Valmalenco seinen zehnten Weltcup-Sieg gefeiert und bei der WM auch die Qualifikation für sich entschieden. Seiner Favoritenrolle konnte er am Ende aber nicht ganz gerecht werden. Im Finale klar auf Goldkurs, verlor er seine Spitzenposition noch und lag nach Fotofinish hinter dem Spanier. Trotzdem gab’s für ihn mit Silber erstmals eine WM-Medaille. Auf Rang drei landete der Kanadier Eliot Grondin, der damit verhinderte, dass gleich zwei Österreicher am Podest standen. Dusek musste sich mit Rang vier begnügen, wurde im großen Finale doch klar abgehängt.

Seine Bilanz fiel trotzdem positiv aus: „Einen vierten Platz will man bei einer WM am wenigsten haben, diese Erfahrung musste heute ich machen. Aber andererseits war es ein Superrennen“, zeigte er sich in Summe mit diesem Ergebnis sehr zufrieden. „Im Semifinale ist mir ein richtig guter Move auf der Zielgeraden gelungen. Für das große Finale hatte ich eigentlich denselben Plan, doch dieses Vorhaben ist leider beim zweiten Mal nicht mehr aufgegangen.“

Dusek durfte im Team statt Hämmerle starten

Beim Teambewerb am Freitag hatten alle mit dem Duo Zerkhold/Hämmerle gerechnet, doch das österreichische Trainerteam hat sich überraschend fürs „NÖ-Team“ Zerkhold/Dusek entschieden. Und die beiden erreichten unter 13 Bewerbern Rang sieben. Zunächst waren sie als Zweite ihres Viertelfinal-Heats in die Vorschlussrunde eingezogen, nachdem sich Zerkhold im Fotofinish hauchdünn gegen die Französin Chloe Trespeuch durchgesetzt hatte.

Nach Platz vier im Halbfinale ging es für das blau-gelbe Duo schließlich im kleinen Finale um die Ränge fünf bis acht. Dort legte Dusek, wie in den Läufen zuvor, eine starke Fahrt hin und übergab als Erster an Zerkhold, die jedoch bei einem Sprung auf der Zielgeraden mit der Italienerin Brutto aneinandergeriet und zu Sturz kam.

„Es hat trotzdem Mega-Spaß gemacht“, meinte Zerkhold, für welche die Titelkämpfe mit dem schweren Quali-Sturz so unsanft begonnen hatten. „Ich habe im Teambewerb den Sturz sehr gut ausgeblendet, mich gut gefühlt und auch voll Gas geben können. Es war sehr cool, hier mit Jakob zu fahren“, meinte Zerkhold.

„Es hat trotzdem Mega-Spaß gemacht“

„Im Moment funktioniert bei mir beim Snowboarden alles so, wie ich mir das vorstelle“, bilanzierte auch Dusek zufrieden. „Ich habe als Erster, Zweiter und Erster in meinen Heats erneut meine gute Form ausspielen können“, fand er den Teambewerb „echt lässig“ und das Viertelfinale mit dem Fotofinishsieg von Pia „extrem spannend“.

Den Schwung von der WM will Dusek jetzt zum Weltcup am Donnerstag auf die Reiteralm mitnehmen. Weiter geht es dann am 3. März in Bakuriani (Georgien). Spannend verspricht auch die österreichische Staatsmeisterschaft (27.2./Reiteralm) zu werden, wo neben Zerkhold und Dusek auch noch Dornhofer und Kocher für NÖ um Medaillen fahren. Benjamin Karl steigt am 1. März in die Alpin-WM (Rogla) ein.