Wallner setzt neue Maßstäbe beim Marktlauf. St. Veits Ausnahmetalent läuft die 5.000 Meter erstmals unter 15 Minuten, pulversiert Streckenrekord.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 29. Oktober 2019 (01:05)

„Man muss aufhören, wenn es am Schönsten ist!“ An dieses Motto hält sich Noch-Präsident Peter Schwarzenpoller von der Sportunion Böheimkirchen. Nicht nur wird er seine Obmannschaft mit Anfang Februar beenden, und das Zepter an jüngere im Klub übergeben, sondern auch der Marktlauf „stirbt“ nach 25 Jahren mit ihm.

„Er war mein Baby, nachdem mich einst der damalige Obmann Winter als Laufexperte zum Verein geholt hat. Die neue Vorstandsmannschaft hat aber nun ihre eigenen Vorstellungen und Pläne, die sie umsetzen will, was ich hundertprozentig respektiere und unterstütze“, ist Schwazenpoller auch nicht unglücklich, wenn der Lauf nach 25 Jahren nun Geschichte ist.

„Wir haben viel erreicht und der Abschluss bei diesem Wetter und einer unglaublichen sportlichen Leistung von Kevin Wallner setzte dem ganzen nochmals die Krone auf, aber es war auch jedes Jahr enorm viel Arbeit für das ganze Team und auch für meine Familie, die voll engagiert war“, erzählt Schwarzenpoller.

Von den zahlreichen Teilnehmern, darunter über 400 Schüler bei den Nachwuchsbewerben, und noch mehr Zuschauern mochte es aber kaum einer glauben, dass nach diesem Rennen tatsächlich kein Lauf mehr in Böheimkirchen am Nationalfeiertag stattfinden wird.

Bereits bei den Kindern fielen die Rekordteilnehmerfelder auf. 66 Knirpse und 156 Kinder waren so viele wie noch nie. Beim Jugendlauf musste erstmals der Lauf nach Mädchen und Burschen geteilt werden, weil sensationellerweise an einem Feiertag die 200er-Marke gefallen ist.

Und bei traumhaften Herbstwetter fanden sich dann auch viele lokale Läufer unter den gesamt 120 Startern des 5-km-Rennens ein. Keiner wollte sich den letzten Lauf auf dem Rundkurs im Park entgehen lassen.

Kevin Wallner siegt auf eindrucksvolle Weise

Beim Hauptlauf stand der Sieger quasi schon vor dem Rennen fest. Der zuletzt in toller Form befindliche Kevin Wallner wollte unbedingt den Streckenrekord von 15:36 Minuten knacken, den sein Namensvetter Wolfgang Wallner hielt. Im Vorjahr war dies dem für Union St. Pölten laufenden St. Veiter um gerade einmal eine Sekunde nicht gelungen. Obwohl sich auch ehemalige Marktlaufsieger wie Andreas „Billy“ Stöckl, Thomas Unterhuber, Roland Scheidlinger, Clemens Schneeberger und Anton Schwarz auch heuer wieder im Feld befanden, hatte keiner von ihnen mehr das Potenzial, Wallner unter normalen Umständen zu gefährden. Wallner hat heuer zwei Landesmeistertitel errungen und ist drauf und dran, betreut von Gottfried Lammerhuber, der in Böheimkirchen auch heuer wieder als Platzsprecher fungiert hat, zu Österreichs Laufelite aufzuschließen.

Was Wallner dann abzog, war aber selbst für seinen Coach Lammerhuber eine feine Überraschung. Er pulverisierte in 14:52 nicht nur den Rekord in Böheimkirchen, sondern blieb auch erstmals über 5.000 Meter unter 15 Minuten. Seine Rundenzeiten spulte er wie ein Uhrwerk ab: 2:49 Minuten, ließ er 2:59, 3:01, 03:02 und nochmals 2:58 folgen.

„Die Bedingungen waren heuer nicht nur vom Wetter her optimal, auch der Sand auf der Strecke war nicht ganz so tief, wie noch im Vorjahr“, meinte der Siege im Ziel, der allerdings ständig am Überrunden anderer Läufer war. Und die Zeit ist eben auch deshalb bemerkenswert, weil es beim Marktlauf in Böheimkirchen kaum Asphalt-Passagen gibt.

Trotz großem Rückstand durfte allerdings auch der Wilhelmsburger Stöckl über seinen zweiten Platz jubeln. Immerhin ist Österreichs schnellster Dachdecker als 52-Jähriger bereits mitten unter den M-50-Startern zu finden. „Billy ist topfit für sein Alter und seine Zeit von 16:41 ist aller Ehren wert“, lobte Lammerhuber.

Bei den Damen gab es eine extrem junge Siegerin, was Lammerhuber ebenfalls sehr gefreut hat. Die für Sparkasse Langenlois laufende, 21-jährige Magdalena Taudes siegte in 20:22 und ließ damit Lokalmatadorin Sabine Pointner vom LC Kapelln um 18 Sekunden hinter sich. Pointner sicherte sich den Sieg in der W 30.

Am Ende hatte der 25. Marktlauf dann auch noch Festcharakter. Zuerst ehrte Schwarzenpoller noch verdiente Personen, die viele Jahre am Marktlauf mitgewirkt hatten und erzählte auch über die Entwicklung dieser Traditionsveranstaltung. So räumte er auch ein Fiasko beim ersten Lauf ein. „Die Zeitnehmung hat damals überhaupt nicht funktioniert. Die Böheimkirchner Lehrer haben handgestoppt, aber eine offizielle Siegerzeit konnte nie ermittelt werden.“

Diesmal klappte aber alles und nach der Siegerehrung blieben dann noch viele Läuferinnen und Läufer sowie Zuschauer bei Kuchen und Kaffee auf gemütlichen Bänken sitzen und tauschten nochmals ihre Erinnerungen und Geschichten von 25 Marktläufen aus.