Neuer Spirit beim Triathlon-Schauplatz in St. Pölten. Ab 2020 werden die Veranstalter rund um Renndirektor Jürgen Gleiss und Christoph Schwarz gemeinsam mit Ihrem Team unter dem Dach der CHALLENGE FAMILY erstmals die Challenge St. Pölten veranstalten.

Von Claus Stumpfer. Update am 31. Mai 2019 (09:43)
Kein Ironman mehr in St. Pölten? Meldungen vom Mittwoch deuten darauf hin.
Claus Stumpfer

Eine Pressemeldung am Mittwochabend schlug in der internationalen Ironman-Szene wie eine Bombe ein: „Der IRONMAN 70.3 St. Pölten findet in Zukunft nicht mehr statt“, hieß es in einer Aussendung der Wanda Sports Holdings, welche die IRONMAN Europe-Rennserie veranstaltet, deren ältester 70.3-Bewerb jener in St. Pölten war.

Doch Christoph Schwarz von der St. Pöltner Bestzeit-Agentur kann dieses Gerücht, dass es in St. Pölten keinen Triathlon mehr gibt, nicht bestätigen. „Wir veranstalten den Triathlon St. Pölten seit 2007 sehr erfolgreich und werden auch 2020 unseren Wachstumskurs beibehalten“, erklärte er gegenüber der NÖN unmittelbar nach der Veröffentlichung jener Aussendung von Wanda-Holding.

„Auch der Besucherandrang in der Ironmile – also bei Start und Ziel – war noch nie so groß wie heuer“Christoph Schwarz

Tatsächlich haben heuer 3.500 Athleten und Athletinnen aus aller Welt die „schönste Radstrecke“ und innerhalb der IRONMAN-Europe-Serie eines der drei beliebtesten Rennen weltweit in der niederösterreichischen Triathlon-Metropole St. Pölten so erfolgreich gemacht, wie noch nie. „Auch der Besucherandrang in der Ironmile – also bei Start und Ziel - war noch nie so groß wie heuer“, sieht Schwarz kein Ende des Triathlon-Booms in der Landeshauptstadt. „Doch ab 2020 werden wir unter dem Dach der CHALLENGE FAMILY erstmals die Challenge St. Pölten veranstalten“, erklärt Renndirektor Jürgen Gleiss die Veränderung. Und Schwarz ergänzt: „Das ist einfach nur eine andere Rennserie zu der beispielsweise auch der größte Ironman Europas, nämlich jener in Roth, Deutschland, zählt!“

Seit die Meldung von IRONMAN Europe rausgegangen ist, ortet Schwarz Online einen „Shitstorm“. „Alle Athleten stehen fest auf unserer Seite“, vertraut er voll auf die Treue „seiner“ St. Pöltner Starter. Die Trennung von der Wanda Holding hätte sich aber schon länger abgezeichnet „Da unser Vertrag heuer ausgelaufen ist, haben wir schon seit Oktober verhandelt, sind dabei aber auf wenig Verständnis für unsere Anliegen gestoßen“, erklärt Schwarz. Dazu muss man wissen, dass die Bestzeit-Agentur noch einen Vertrag mit der Vorgängerorganisation hatte, ehe diese von den Chinesen gekauft wurde.

„Es ist uns gelungen, den Standort St. Pölten zu einer starken Marke in der weltweiten Community der Triathleten aufzubauen“Schwarz

Christoph Schwarz und Jürgen Gleiss veranstalten mit ihrem Team, dessen Kern heute die Bestzeit-Agentur bildet, schon seit 2003 einen Triathlon in St. Pölten. Damals hieß dieser noch Triathlon Challenge. „Dass wir jetzt Mitglied der großen internationalen CHALLENGE FAMILY werden, ist gewissermaßen auch ein Schritt zurück zu den Wurzeln“, freut sich Schwarz, der durch eine Partnerschaft mit dem Ironman Kärnten im Jahr 2007 den ersten Ironman 70.3 auf europäischen Boden ausgerichtet hat. „Damit haben wir Mittelstreckenbewerbe überhaupt  erst zu ihrer heutigen weltweiten Popularität verholfen“, ist Gleiss überzeugt. Über die Jahre konnte das Rennen zu einem absoluten Topevent der IRONMAN Europe-Serie ausgebaut werden. „Es ist uns gelungen, den Standort St. Pölten zu einer starken Marke in der weltweiten Community der Triathleten aufzubauen“, zieht Schwarz zufrieden Bilanz. „Mit 150 Freiwilligen hatten wir 2007 begonnen, heuer waren es um die 2.000, die dafür sorgten, dass die rund 3.500 Athleten ideale Rahmenbedingungen vorfanden.“

Aufgrund der Wachstumskurve gab es 2010 noch mit dem alten Serien-Veranstalter eine Vertragsverlängerung für weitere zehn Jahre. Dieser Vertrag ist mit dem Rennen im heurigen Jahr aber abgelaufen. „Die Verhandlungen mit der Wanda-Holding sind von Anfang an zäh verlaufen, weil sie auf unsere alten Vertragsbedingungen einfach nicht einsteigen wollten“, erklärt Schwarz, dem daher relativ rasch klar geworden sei, dass man sich eventuell anderwärtig orientieren müsse. „Wir wurden daher jetzt auch nicht von der Trennung überrascht“, betont er und freut sich: „Es war ein riesiger Vorteil, dass wir uns als veranstaltende Bestzeitagentur von Anfang an hundertprozentig auf die Unterstützung von Sportland NÖ und der Stadt St. Pölten verlassen konnten, egal was passiert.“

„In der CHALLENGE FAMILY fühlen wir uns herzlich willkommen und auch wirklich gut aufgehoben“, sieht Gleiss damit definitiv kein „downgrading“ des Triathlons in St. Pölten verbudnen. „Wir werden alles daran setzen, dass der Bewerb 2020 wieder weitere Verbesserungen erfährt, so wie wir unsere Veranstaltung seit 2003 immer weiter ausgebaut haben“, sieht Schwarz keine Änderung an der grundsätzlichen Ausrichtung. „Wir wollen auch 2020 unseren Starten wieder ein einmaliges Erlebnis bei tollem Ambiente bieten, und dank unserer neuen, aber auch alten Partnern, wie Sportland NÖ und Stadt St. Pölten, wird uns das auch gelingen“, verspricht Schwarz.