Auf Holper-Start folgt für St. Pölten ein Krimi. St. Pöltnerinnen drehen die Partie gegen Hollabrunn am letzten Drücker.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 23. September 2020 (02:21)
Kreisspielerin Lajla Alkic war für Trainerin Rita Varga-Borbás die beste Spielerin am Platz, erzielte fünf Tore.
Claus Stumpfer

Einen extrem holprigen Start nach einer ebenso holprigen Vorbereitung in Covid-19-Zeiten legten die St. Pöltnerinnen am Samstag daheim in der Prandtauerhalle gegen Hollabrunn hin. Obwohl alle Spielerinnen immer negativ getestet wurden, machte die Quarantänewelle auch vor den Handballerinnen nicht halt. Positiv getestete Schulkollegen, Arbeitskollegen oder Fälle im Freundeskreis führten zu zahlreichen Ausfällen wegen „freiwilliger“ Selbstisolation und der Absage von Teamtrainings. „Kein einziges Trainingsspiel konnte in Normalbesetzung absolviert werden, das vereinbarte Turnier in Ungarn wurde abgesagt“, klagte Sektionsleiter Gerhard Halm. Auch vor dem Spiel gab es die ganze Woche kein Training!

Im Spiel musste man dann auf U-18-Nationalteamspielerin Katrin Betz und Torfrau Ina Halm verzichten. Und auch die Zuschaueranzahl musste noch drastisch auf 50 reduziert werden.

Entsprechend „unrund“ starteten die St. Pöltnerinnnen dann auch in das Spiel und setzten die Bälle neben und über das Tor, wohingegen die Hollabrunnerinnen ruhig ihre Chancen nützten. In der dritten Minute gelang Melisssa Begovic zwar der Anschlusstreffer zum 1:2, doch sonst setzte sie bei ihrem Comebackspiel nach Kreuzbandriss die Bälle zunächst überall hin, nur nicht ins Tor. Die Hollabrunnerinnen bauten den Vorsprung auf bis zu neun Tore (23.) aus und lagen auch zur Halbzeit noch 17:11 vorn.

Doch im zweiten Durchgang kämpften sich die Gastgeberinnen dann heran, auch weil Begovic schön langsam ihren Rhythmus fand. Sie war es auch, die wieder den Anschlusstreffer zum 22:23 erzielen konnte (46.). Alles sah jetzt nach einem Drehen des Spiels aus, doch in Überzahl gab es plötzlich auch wieder eine Strafe für Begovic. Und die Gäste zogen neuerlich davon. Technische Fehler und überhastete Würfe brachten Hollabrunn erneut einen 3-Tore-Vorsprung.

Vor dem Spiel hatte Trainerin Rita Varga-Borbás gemeint, dass sie sich nur in absoluten Notfällen ins Getümmel werfen würde. Ein solcher war offenbar noch nicht gegeben. Sie vertraute volle 60 Minuten lang ihrer Truppe. Und tatsächlich: Die letzten fünf Minuten gehörten St. Pölten!

Torfrau Magdalena Pfeffel hielt entscheidende Bälle, Begovic erzielte den ersten Ausgleich für St. Pölten (59.) und Neuzugang Mateja Urch, eine Arbeitskollegin an einer Wiener Schule von Birgit Wagner, die eine sagenhafte 100-prozentige Wurfausbeute hatte, auch alle Siebenmeter warf, verwandelte ihren vierten 30 Sekunden vor Schluss zum Führungstreffer für die Heimischen. Dem hatte Hollabrunn nichts mehr entgegenzusetzen.

Trainerin Rita Varga-Borbás sah nach ihrem ersten Bundesligaspiel das Positive: „Die Spielerinnen haben gekämpft und nicht aufgegeben. Sie haben sogar einen 9-Tore-Rückstand aufgeholt“. Wichtiger Faktor für sie, dass die zweite Halbzeit 16:9 gewonnen werden konnte, war das Konditionstraining im Sommer. Ein Sonderlob gab’s für die junge U-18-Torfrau Jelena Maticevic, die für Ina Halm eingesprungen ist. Beste Spielerin war für die Trainerin aber Lajla Alkic. „Das war eine sehr gute Leistung in der Abwehr von ihr, dazu erzielte sie fünf Tore aus fünf Würfen und sie machte auch viele gute Sperren für die Aufbauspielerinnen.“

„Einen fairen Wettbewerb wird es in dieser Saison ohnehin nicht geben, denn es ist ein Glücksspiel, wer in den entscheidenden Spielen spielberechtigt ist“

Sektionsleiter Gerhard Halm war froh, dass überhaupt gespielt werden durfte. „Einen fairen Wettbewerb wird es in dieser Saison ohnehin nicht geben, denn es ist ein Glücksspiel, wer in den entscheidenden Spielen spielberechtigt ist“, wird er sich aber konsequent an das sehr strenge Covid-19-Präventionskonzept halten. „Nur so besteht überhaupt die Chance, dass wir diese Saison zu Ende spielen können!“

Der nächste Spieltag findet am Samstag erneut in der Prandtauerhalle statt. Gegner um 18 Uhr ist Traun.