Viktor Szilagyi hat‘s schon wieder getan. Viktor Szilagyi holte zum zweiten Mal die Champions-League-Trophäe. Als Spieler Kiels hatte er im Finale 2007 aber verletzungsbedingt gefehlt, beim Triumph als Geschäftsführer fehlten nun die Fans.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 06. Januar 2021 (02:05)
Kiels Sportdirektor Viktor Szilagyi jubelt
privat

Im Alter von sieben Jahren hielt Szilágyi bei der Union St. Pölten das erste Mal einen Handball zwischen den Händen, das war 1985. Champions-League-Sieger wurde er mit THW Kiel 2007, kam damals verletzungsbedingt aber kaum zum Einsatz. Den Europapokal gewann er mit Gummersbach und Flensburg. Nach seiner aktiven Karriere wurde er 2017 sportlicher Leiter beim Bergischen HC und 2018 beim THW Kiel. Vor einem Jahr übernahm er das Amt des Geschäftsführers und nun schaffte er mit seinem Herzensklub den nächsten Meilenstein: Kiel hat sich zum vierten Mal zum CL-Sieger gekrönt, bezwang in Köln den spanischen Serienmeister 33:28.

Barcelona hatte in der Königsklasse zuvor 22 Siege in Folge gefeiert, dabei auch den deutschen Rekordmeister in der Gruppenphase zweimal geschlagen – im Finale drehte Kiel aber den Spieß um. Trotz des Halbfinalkrimis am Vortag gegen Veszprem spielten die „Zebras“ groß auf und sicherten sich schnell eine 13:9-Führung. Barcelona kämpfte, doch Keeper Landin hielt stark und sorgte dafür, dass Barca nach dem zwischenzeitlichen 25:20 nicht wieder herankam – mit dem 31:26 von Wiencek 90 Sekunden vor Schluss war die Messe gelesen und Kiel erstmals seit 2012 wieder CL-Sieger. Nur 22 Stunden nach dem Kraftakt im mit 36:35 nach Verlängerung gewonnenen Halbfinale fixierten die Zebras ausgerechnet im 300. CL-Spiel ihrer Klubgeschichte den Titel. Wie einst Szilagyi verpasste Kiels Ösi-Legionär Bilyk verletzungsbedingt die Finalspiele. Szilagyi aber hätte sich als Vater des Erfolgs feiern lassen können, wenn die 18.000 Sitze in der Halle coronabedingt nicht frei geblieben wären.

Ganz kleine Siegesfeier in Coronazeiten

Nachdem der Favorit bezwungen war, wurde ein kleines Podest errichtet, in gebührendem Abstand Stühle für Fotografen aufgestellt, die dokumentierten, wie Pekeler zum „Wertvollsten Spieler“ gekürt wurde, wie dann Kapitän Duvnjak jedem seiner Teamkollegen eine Goldmedaille um den Hals hängte, Szilagyi aber, der sich bescheiden in der letzten Reihe aufhielt, „vergaß“, um ihm dann die am Tisch einsam verbliebene Medaille unter Gejohle doch noch umzuhängen. Danach wurde die bedeutsamste Trophäe des globalen Klubhandballs übergeben.

Szilagyi und Co. liebkosten den metallenen Arm mit dem Handball nacheinander jeder für sich, dann tranken sie in der Kabine Bier, dann duschten sie im Hotel, flogen noch in der Nacht heim nach Kiel und dort genossen sie das Gefühl, den wichtigsten Klubwettbewerb gewonnen zu haben. Für den Verein gibt‘s fast eine dreiviertel Million Euro. Gerade in Coronazeiten auch nicht unwichtig für den Geschäftsführer …